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06.01.2013

14:01 Uhr

Jahresausblick

Begrenztes Risiko statt „Safety first“

VonMatthias von Arnim

Die Aktienrally fand leider ohne Beteiligung der Privatanleger statt. Das sollte zum Nachdenken anregen. Denn auch das neue Jahr bietet Chancen. Handelsblatt Online stellt die spannendsten Trends für 2013 vor.

Auch 2013 soll der Bulle - Symbol für steigende Kurse - auch wieder an den Börsen den Ton angeben. dpa

Auch 2013 soll der Bulle - Symbol für steigende Kurse - auch wieder an den Börsen den Ton angeben.

Stimmung und Börsenentwicklung waren in Deutschland selten so weit voneinander entfernt wie aktuell. Auf der einen Seite herrscht Verunsicherung: Bundeskanzlerin Merkel hat die Deutschen in ihrer Silvesteransprache auf ein schwieriges Jahr 2013 eingestimmt. Die Finanzkrise sei noch lange nicht ausgestanden, es werde ein hartes Jahr, in dem sich Alle besonders anstrengen müssten.

Und als ob das nicht deprimierend genug klingen würde, gab sie ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Sprichwort des griechischen Philosophen Demokrit mit auf den Weg: Mut stehe am Anfang des Handelns, Glück am Ende. Man konnte es so verstehen, dass man wohl viel Glück bräuchte, um dieses Jahr zu überstehen. Ob Merkel bewusst einen Griechen zitiert hat? Aus Griechenland kommen derzeit keine Signale, die Hoffnung auf eine Lösung der europäischen Schuldenkrise machen.

Auch in Spanien gehen die Menschen auf die Straße, weil die Wirtschaft zusammenbricht, und Zypern steht kurz vor der Staatspleite. Jenseits des Atlantiks sieht es nicht viel besser aus. Die USA haben sich eben gerade noch in der Nachspielzeit der Silvesterschlacht um ein neues Haushaltskonzept auf einen Kompromiss geeinigt, der ihnen zumindest ein wenig Zeit für die nächsten Verhandlungen im Kongress verschafft. Die Probleme der taumelnden Supermacht sind damit aber noch lange nicht vom Tisch.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Die Aussichten in den westlichen Industrienationen scheinen also trübe. Doch was passiert an der Börse? Ungeachtet der schlechten Nachrichtenlage waren deutsche Aktien zuletzt heiß begehrt wie nie. Der Dax kletterte seit Anfang Juni 2012 bis zum Jahreswechsel von rund 6000 auf über 7600 Punkte. Ein sattes Plus von fast 27 Prozent in sieben Monaten kann sich sehen lassen. Und es ist noch Luft nach oben: Denn der Aufschwung fand bei schwachem Umsatz statt. Die Privatanleger haben sich zunehmend aus dem Aktienmarkt verabschiedet.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

06.01.2013, 14:26 Uhr

Ist dies hier jetzt eine Anlageberatung und ist das HB haftbar wenn sich aufgrund dieses (Werbe)artikels jemand wirklich besagte Zertifikate kauft und damit Verlust macht?

Aber falls der Dax über 14000 Zähler kommt mach ich ordentlich gewinn. Schon klar, Gier frist Hirn.

Selbstdenker

06.01.2013, 20:56 Uhr

MDAX != DAX

Ansonsten finde ich den Artikel ebenfalls "luftig". Meine persönliche Perle "Anleger, die Papierwährungen nicht mehr trauen, sind mit Gold-Zertifikaten gut bedient". Wenn man schon in Gold investiert, dann doch bitte nicht in Zertifikate, das ist doch absurd.

CFD-Investor

07.01.2013, 18:25 Uhr

Schon putzig dass hier Zertifikate auf Immobilien-Aktien beworben werden.
Sicher nicht so kompliziert wie die Schrottpakete der Banken die die Krise auslösten, aber scheinbar trotzdem nichts daraus gelernt?

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