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18.11.2011

10:36 Uhr

Kapitalschutz-Zertifikate

Sichere Zertifikate - zumindest relativ

VonMatthias von Arnim

Kapitalschutzzertifikate versprechen auch in schweren Zeiten Gewinne ohne Risiko. Wenn die Börsenkurse fallen, dann steigt das Sicherheitsbedürfnis der Anleger.

Banknoten von 50, 20 und 10 Euro, liegen auf einem Haufen. dpa

Banknoten von 50, 20 und 10 Euro, liegen auf einem Haufen.

Frankfurt"Rund 20 Prozent des Geldes, das Anleger in Zertifikate investiert haben, steckt derzeit in Kapitalschutzzertifikaten", sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). Etwa 42 Prozent ist in sogenannte strukturierte Anleihen investiert, die mit einer Rückzahlgarantie von unter 100 Prozent ausgestattet sind. Kein Wunder: Kapitalschutzzertifikate und strukturierte Anleihen versprechen zum Laufzeitende mindestens die Rückzahlung eines Teils oder sogar 100 Prozent des Emissionspreises. Das ist an sich schon viel wert in Zeiten kollabierender Aktienkurse. Wer jetzt zugreift, kann also risikofreie Renditen generieren. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Es gibt verschiedene Arten von Kapitalschutzzertifikaten. Manche garantieren die Rückzahlung des Emissionspreises, manche knüpfen die Rückzahlungshöhe an Bedingungen, und wiederum andere passen die Rückzahlungshöhe nach und nach an. Klassische Kapitalschutz-Zertifikate locken mit einem Renditeversprechen: Voller Gewinn, wenn alles gutgeht. Und wenn es nicht so läuft, gibt es am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Konkretes Beispiel: Ein Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 wird zum Preis von 100 Euro ausgegeben. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Am Ende wird abgerechnet: Ist der Index gestiegen, gewinnt auch der Zertifikate-Inhaber. Ist der Index gefallen, gibt es 100 Euro zurück. Das Verlustrisiko ist also ausgeschlossen.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Doch ein Ruhekissen für schlechte Börsenzeiten sind Kapitalschutz-Papiere nicht. Denn bei fallenden Kursen gibt es auch keinen Gewinn. Im schlimmsten Fall verhindern die Zertifikate zwar den Depot-GAU, die ausschließliche Rückzahlung des Anfangskapitals schmerzt aber im Vergleich zu einer Sparbuch-Anlage immer noch: Denn schmiert die Börse ab, bleibt der Anleger auf den Kaufkosten sitzen. Das sind meistens etwa ein bis zwei Prozent Ausgabeaufschlag plus Courtage. Hinzu kommt die Inflation.

Doch Anleger kaufen Kapitalschutzzertifikate nicht, um wenig Verlust zu machen, sondern um im Fall der Trendwende an den Kursanstiegen an der Börse voll zu partizipieren. Das ist zwar im Prinzip möglich. Anleger müssen aber in diesem Fall Geduld bewahren. Denn läuft die Börse gut, dann sehen sie mit Kapitalschutzpapieren den Gewinnen lang Zeit hinterher.

Denn um das Rückzahlungs-Versprechen halten zu können, legen die Emittenten den Großteil des Kapitals in sogenannten Zero-Bonds an und einen kleinen Teil in Optionen. Zero-Bonds sind Zinspapiere, die keine Erträge ausschütten, am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurückgezahlt werden, während der Laufzeit aber auf jeden Fall weniger als 100 Prozent kosten.

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