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09.01.2012

10:57 Uhr

Kolumne Nachgerechnet

Wenn die Garantie zum Rohrkrepierer wird

VonGertrud Hussla

Volks- und Raiffeisenbanken ködern ihre Kunden mit einer Mischung aus Kapitalgarantie und attraktiven Renditechancen. Doch das Versprechen ist kaum einzulösen. Und verstehen dürfte die Zertifikate kaum jemand.

Wenn das Garantiezertifikat zum Rohrkrepierer wird - Nachgerechnet

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DüsseldorfAn den Schaltern der Volks-und Raiffeisenbanken scheinen die "Duo-Rendite-Garant"-Zertifikate ein Kassenschlager zu sein. Mehr als 20 Varianten hat die DZ-Bank seit März 2010 aufgelegt. Gerade können Kunden die neuste Version kaufen (WKN AK0A45). Das Zertifikat ist an Raffinesse kaum zu überbieten: Die Rendite des Kapitaleinsatzes ist von der Entwicklung zehn verschiedener Aktien an sechs verschiedenen Börsen in Europa abhängig. Allerdings nur zur Hälfe, die Hälfte seiner Anlage bekommt der Kunde nach einem Jahr verzinst zurück. Der Mindesteinsatz beträgt 200 Euro.

Was aus der Hälfte wird, die von der Börsenentwicklung abhängt, der "Vario-Zins-Komponente", liest sich ähnlich wie eine aus dem Chinesischen übersetzte Gebrauchsanleitung für Videorekorder. An insgesamt zwölf Beobachtungstagen im Jahr, immer am 20. des Monats, dürfen die Kurse der zehn maßgeblichen Aktien (ABB, Aegon, BHP Billiton, BP, Ericsson, France Telecom, GlaxoSmithKline, SAP, Swiss Re und Vivendi) nicht mehr als 20 Prozent unter ihren Startkurs Ende Januar 2012 gerutscht sein. Sollte dieser Glücksfall eintreten, gibt es auch für diese Hälfte des Kapitals eine nette Verzinsung, fünf Prozent, und der Sparer bekommt sein gesamtes Geld nach einem Jahr wieder.

Doch wehe, einer der zehn Kurse verliert mal mehr als 20 Prozent. Dann geht das Spiel von vorne los, und die Volksbank darf den halben Kundeneinsatz ein weiteres Jahr behalten. Der Kunde sieht nur einen Minizins oder gar keinen Zins dafür. Denn es gibt noch eine zweite Barriere: Fällt einer der Kurse an einem der zwölf Beobachtungstage des Jahres mehr als 30 Prozent unter den Startkurs, fällt im betreffenden Jahr der Zins ganz aus. Als wenn das nicht schon kompliziert genug wäre: Jahr für Jahr fällt die Aktie mit der schlechtesten Kursentwicklung aus dem beobachteten Reigen heraus.

Zweiteilung der Anlage, zehn Beobachtungskurse, von denen jährlich einer entfällt, zwei Barrieren - da wird der Anleger ganz schön gefordert. Doch belohnt wird er dafür kaum. Die DZ-Bank nennt, Nebenkosten eingerechnet, eine Renditespanne zwischen 2,72 und 0,07 Prozent. Die Bestverzinsung winkt, sollten schon im ersten Jahr alle Aktien Wohlverhalten zeigen und der Kunde seinen Einsatz voll zurückbekommen.

Doch die Chancen dafür sind eher gering. Wäre genau dieses Produkt vor einem, zwei oder drei Jahren an den Start gegangen, hätte der Anleger niemals Glück gehabt. Immer wäre mindestens eine der zehn Aktien unter beide Barrieren gerutscht. Läuft das hochkomplexe Zertifikat die vollen sechseinhalb Jahre, wird die Gesamtrendite nach Kosten immer dünner und kann sogar gegen null gehen. Der Ausgabeaufschlag von einem Prozent schlägt nach mehreren Nullrunden immer stärker zu Buche.

Die DZ-Bank hebt auf Anfrage die Chance auf überdurchschnittliche Kupons hervor. Ich persönlich würde dennoch lieber eine Festgeldanlage wählen. Hier liegt die Rendite oft genauso hoch. Und nach zwölf Monaten bekomme ich meinen Einsatz garantiert zurück.

Kontakt zur Autorin: hussla@handelsblatt.com

Kommentare (3)

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Baier

09.01.2012, 13:05 Uhr

die Anleger sollten solche Produkte meiden. Sie sind komplex, kaum zu verstehen und werfen ein schlechtes Licht auf die Volksbanken.

Ergaenzung

09.01.2012, 16:41 Uhr

ähnliches wird auch in Spanien verhökert.

Als ob man aus Lehman nichts gelernt hat, bekam die Sparerin mit 85 Jahren ein solches Produkt für ihr Festgeld angedreht. Die Banken drehen weiterhin an ihrer Bonusschraube und verspielen noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit (die vermögende Bekannte war so entsetzt, dass sie am liebsten ihr gesamte Ersparnisse abziehen wollte).

schaeferflo

19.04.2013, 15:40 Uhr

Frau Hussla hat das Produkt anscheinend nicht in seiner Gesamtheit verstanden bzw. ist fraglich ob Sie dies überhaupt will. Den Zins für die eine Hälfte der Anlage, welche es nach einem Jahr gibt, wird (wohl aufgrund seiner Höhe) vollständig verschwiegen. Dass die jährliche Streichung der schlechtesten Aktie aus dem Korb einen wirklichen Mehrwert für das Produkt darstellt und die Chancen auf den Höchstkupon und eine vorzeitige Rückzahlung damit sehr stark steigen, stellt sie sogar negativ dar. Auch liest sich diese Kritik so, als ob die Volksbank etwas davon hätte, wenn das Zerttifikat nicht zurückbezahlt wird. Dem ist natürlich nicht so. Die Bank hat das Produkt ja nicht in Ihrer Bilanz, es ist ein Wertpapier welches im Depot verwahrt wird. Die Volksbank wünscht sich natürlich eine vorzeitige / positive Rückzahlung, da dann die Wahrscheinlichkeit steigt mit dem Kunden nochmals ins Geschäft zu kommen. Generell sind Volksbanken nicht auf ein einmalig schnelles Geschäft, sondern auf eine langfristige Kundenbeziehung ausgerichtet.

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