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08.05.2012

13:26 Uhr

Kunst des Spekulierens

Zocken wie die Profis

VonGeorgios Kokologiannis

Nervenkitzel wie beim Glücksspiel: Privatinvestoren können mit speziellen Produkten auf steigende und fallende Kurse spekulieren. Die Zockerprodukte bergen hohe Risiken. Doch das Interesse an spekulativem Handel steigt.

Frankfurter Börse. dpa

Frankfurter Börse.

FrankfurtWenn es an den Anlagemärkten hektisch zugeht, schlägt die Stunde der Spekulanten. So wie am Aktienmarkt seit dem vergangenen Sommer: Zuerst brach der Dax innerhalb weniger Wochen von knapp 7500 Punkten um rund ein Drittel auf 5072 Zähler ein. Anschließend setzten die Börsen zu einer rasanten, zickzackartigen Gegenbewegung an, die den deutschen Leitindex Anfang dieses Jahres in der Spitze wieder über die 7000er-Marke katapultierte.

Dieses rasante Auf und Ab mag den meisten Anlegern ein Horror sein. Für spekulativere Naturen bietet es dagegen ein willkommenes Fressen: Diesen Investoren geht es weniger um die langfristige Anlage von Vermögen, sondern darum, in möglichst kurzer Zeit viel Geld zu gewinnen. Schon mit dem Handel einfacher Indexfonds- und -Zertifikate, die Kursbewegungen eines Börsenbarometers, einer Währung oder eines Rohstoffs eins zu eins nachvollziehen, können wagemutige Anleger in schwankungsreichen Phasen beachtliche Renditen erzielen.

Wer den richtigen Nervenkitzel sucht, setzt allerdings auf spezielle Derivate wie Optionsscheine und so genannte Knock-Out-Zertifikate. Zum einen kann man damit nicht nur von steigenden Kursen profitieren, sondern auch auf fallende Notierungen setzen. Zum anderen lassen sich Kursbewegungen überproportional in Depotgewinne ummünzen.

Hebelprodukte

Contracts for Difference (CFD)

Mit CFDs – auch Differenzkontrakte genannt – partizipieren Anleger an steigenden und fallenden Kursen unterschiedlicher Basiswerte. Über einen Hebel, der weit über 100 Prozent sein kann, können sie dabei ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals gewinnen – oder auch verlieren. CFDs sind keine Wertpapiere, CFD-Anleger haben keine Rechte an dem Basisinstrument.

Optionsschein

Ein Optionsschein ist ein derivatives Finanzinstrument, mit dem Anleger gehebelt von der Kursbewegung eines Basiswerts profitieren können. Optionsscheine sind verbriefte Wertpapiere. Ein Kaufoptionsschein (Call) verbrieft das Recht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einer festgelegten Zeit beziehen zu können. Der Verkaufsoptionsschein (Put) verbrieft dagegen das Recht, den Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt zu verkaufen.

Hebelzertifikat

Mit einem Hebelzertifikat können Investoren einen Basiswert, beispielsweise eine Aktie, zu einem günstigeren Preis kaufen. Hebelzertifikate werden auch unter dem Begriff Knock-out-Produkte angeboten, die je nach Emittent Waves, Mini-Futures, Classic/Unlimited/BEST oder Smart Turbos oder einfach nur Turbos heißen. Hebelzertifikate haben eine Knock-out-Grenze, bei der das Zertifikat wertlos wird. Durch den Hebel partizipieren Anleger stärker an den Kursschwankungen des zugrunde liegenden Basiswerts. Verlieren können Anleger nur den eingesetzten Betrag.

Hebel-ETF

Auch börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF), die die Entwicklung eines Index eins zu eins nachbilden, gibt es mit Hebel. Diese Hebel-ETFs gibt es als Long- und als Short-Version. Verlieren können Anleger nur den eingesetzten Betrag.

Mehr als 40 Prozent der Umsätze am Derivatemarkt gehen in Deutschland auf das Konto solcher spekulativer Produkte - so eine aktuelle Auswertung des Branchenverbandes DDV. Derzeit stellen 27 Emittenten insgesamt rund eine halbe Million dieser Papiere zur Verfügung.

Als Investmentvehikel dienen daneben seit einigen Jahren auch "Contracts for Difference" - kurz CFD. Diese zählen nicht zu herkömmlichen, über eine Börse gehandelten Wertpapieren, sondern sind Geschäfte, die direkt mit einem CFD-Broker getätigt werden. Rund 30 Banken und Broker bieten den Service, CFDs zu handeln.

All diese hochspekulativen Instrumente sind keineswegs nur Profis vorbehalten. Tausende Privatanleger eifern ihnen bereits nach. Und es werden immer mehr: Das zeigen aktuelle Auswertungen der Citigroup: Die Bank befragt seit über einem Jahr regelmäßig professionelle Marktteilnehmer, aber auch private Investoren nach ihrem Anlageverhalten und veröffentlicht die Ergebnisse im Rahmen ihres "Citi-Investmentbarometers". Die jüngsten Daten zeigen: Zu Beginn der Umfrage gaben 60 Prozent an, die kurzfristige Spekulation sei ein wichtiges Motiv beim Investieren - mittlerweile liegt dieser Wert bei nahezu 75 Prozent. "Der Markt für Hebelpapiere ist seit Monaten sehr lebendig", sagt Grégoire Toublanc, Derivateexperte bei der BNP Paribas. "Gerade wenn die Schwankungen an den Anlagemärkten zunehmen, ziehen die Umsätze spürbar an - dann suchen Investoren kurzfristige Trading-Chancen", so der Experte.

Studie: Was Daytrader wissen sollten

Studie

Was Daytrader wissen sollten

Die Idee, mit dem täglichen Handel von Hebelprodukten reich zu werden, geht nicht auf. Wissenschaftliche Studien ergaben, dass nur wenige Trader eine Rendite von circa fünf Prozent verdienen.

Zu beachten ist eine grundlegende Gemeinsamkeit sämtlicher Hebelprodukte: Alle weisen hohe Risiken auf, weil sie durch die Hebelwirkung Schwankungen des Basiswertes - also der zugrunde liegenden Aktie, des Indexes, Rohstoffs oder der Währung - verstärken. Die höheren Gewinnchancen erkaufen sich Anleger mit entsprechend hohen Verlustrisiken. Auch wenn beispielsweise der Dax nur um wenige Punkte zulegt, kann sich bei entsprechend hoch gewähltem Hebel das eingesetzte Kapital schlagartig verdoppeln - im umgekehrten Fall droht aber schnell der Totalverlust. Doch es gibt wichtige Unterschiede zwischen den Instrumenten, die für den Spekulationserfolg ausschlaggebend sein können.

Kommentare (4)

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Ragare

08.05.2012, 13:53 Uhr

Immer mehr Anleger scheinen Spass am Spekulieren zu finden. Auch das Angebot der Banken mit mickrigen Zinsen macht nicht wirklich an. [...] Bei den meisten Angeboten kann man wohl zeitgemäß von fallenden wie auch steigenden Kursen profitieren.

[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

Marius_Schulze

08.05.2012, 22:38 Uhr

Das Grundproblem von Privatanlegern beim Handel mit CFD's ist der Anleger selbst. Studien belegen, dass 80% nach ca. 3 Monaten handeln entweder pleite oder entnervt sind. Anfängliche Erfolge enden nur allzu häufig in strategielosem Gezocke bis das Depot leergefegt ist. (...)


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Einanderer

09.05.2012, 08:09 Uhr

Der Vollständigkeit halber: man kann nicht nur beachtliche Renditen erzielen, sondern auch beachtliche Verluste. Ausgenommen man arbeitet für das Casino.

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