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21.01.2005

08:21 Uhr

Nach den Feiertagen sinkt die Nachfrage nach Schweinen

Manche Sparer haben Schwein

VonA. Busch (G. Hussla, M. Pfeil; Handelsblatt)

Mit der Spekulation auf lebendes Vieh oder Orangensaft lässt sich viel Geld verdienen - oder verlieren. Wer mit den so genannten weichen Rohstoffen spekulieren will, sollte sich auskennen.

DÜSSELDORF. Für den Schweinezüchter Friedrich Hake aus Hameln ist die Rechnung aufgegangen. Als im November und Dezember der Preis für schlachtreife Schweine mit rund 1,50 Euro pro Kilo ziemlich hoch war, hat er vorgesorgt. Tiere, die erst heute ausgewachsen sind, hat er damals auf Termin verkauft. Wie jedes Jahr, ist auch diesmal im Januar der Preis für Schweinefleisch drastisch abgesackt. In zwei Wochen ging er um fast 15 Cent auf 1,35 Euro pro Kilo zurück. Landwirt Hake bekommt jedoch aufgrund seines Terminkontrakts rund 1,45 Euro. „Mit solchen Termingeschäften erziele ich eine leicht verdiente Zusatzrendite“, sagt er.

Lebendschweine, Orangensaft, Holz oder Zucker – solche auf den internationalen Terminmärkten gehandelten Produkte gelten als „weiche Rohstoffe“. Jetzt schon den Preis für Kartoffel- oder Soja-Lieferungen in ein paar Monaten festsetzen – wer dabei gewinnen will, muss sich auskennen. Hakes Gegenspieler waren Spekulanten, die an der Warenterminbörse in Hannover auf weiter steigende Preise gesetzt hatten: vermutlich Fleischverarbeiter oder Schlachtbetriebe, vielleicht auch mal ein individueller Anleger, die überzeugt waren, dass der Preisboom weiter geht. Hake wusste es besser: Schließlich hat er in neun von zehn Jahren erlebt, dass die Preise für Schweinefleisch im Januar nach unten gehen. Viele Verbraucher können nach den Feiertagen keinen Braten mehr sehen, die Nachfrage sinkt.

Wer sich allerdings bei solchen Termingeschäften verspekuliert, kann schnell viel Geld verlieren. In Hannover etwa setzt der Spekulant für einen Schweinekontrakt über 8 000 Kilo lebende Schweine 576 Euro als Sicherheit ein. Sinkt der Preis je Kilo nur um sieben Cent, hat er davon schon 560 Euro verloren. Steigt er um sieben Cent, hat er mit minimalem Einsatz die gleiche Summe gewonnen.

Noch ist die Warenterminbörse in Hannover zu klein, um für Privatanleger interessant zu sein. Rund 85 Kontrakte über je 8 000 Kilo werden dort an einem Tag geschlossen. In Chicago, der größten Drehscheibe für Lebendschweine, sind es täglich mehr als 5 000 Kontrakte über jeweils gut 18 000 Kilo. Dort läuft auch das Weltgeschäft für Schweinebäuche, Rinder, Milch oder Holz.

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