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11.08.2014

16:07 Uhr

Nach Erdogans Wahlsieg

Würden Sie diesem Mann Ihr Geld leihen?

VonJürgen Röder, Matthias von Arnim, Jan Mallien

Am Ende hat die Börse immer recht: Investoren ließen die Türkei nach der Wahl Erdogans kurz hochleben – und dann abstürzen. Lesen Sie, warum sich die Pessimisten mit ihrer Meinung bislang durchsetzen.

Auf den klaren Sieg von des amtierenden Regierungschef Recep Tayyip Erdogan reagierten die Finanzmärkte zunächst erleichtert, drehten dann aber schnelle wieder ins Minus. Denn die Türkei steht vor schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. dpa

Auf den klaren Sieg von des amtierenden Regierungschef Recep Tayyip Erdogan reagierten die Finanzmärkte zunächst erleichtert, drehten dann aber schnelle wieder ins Minus. Denn die Türkei steht vor schwierigen wirtschaftlichen Zeiten.

DüsseldorfAm Sonntag hat eine neue Zeitrechnung in der Türkei begonnen – zumindest wenn es nach dem amtierenden Regierungschef und neuen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geht. Bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag errang Erdogan bereits in der ersten Runde die absolute Mehrheit.

Er wolle eine „neue Ära“ beginnen und den „Streit der Vergangenheit“ beilegen, sagte er vor Anhängern. „Ich danke allen Bürgern, ob sie mich gewählt haben oder nicht, die dazu beigetragen haben, Geschichte zu schreiben an so einem historischen Tag“.

Stimmen zu Erdogans Wahlsieg

Le Figaro (Frankreich)

„Erdogan, der allmächtige Präsident. Sein Sieg verlängert die autokratische Herrschaft an der Spitze des Landes noch einmal um fünf Jahre.“

Libération (Frankreich)

„Erdogan ist ein außergewöhnliches politisches Talent.“

Independent (Großbritannien)

„Der neue Sultan - Erdogans Triumph bei den Präsidentschaftswahlen macht einen Ruck zum Autokratismus wahrscheinlicher.“

The Times (Großbritannien)

„Das Zeitalter von Erdogan - mit einer Schlüsselrolle für die Zukunft Syriens, Einfluss auf Hamas und einem stark verbesserten Verhältnis zu Kurdistan muss die Türkei jetzt einen Rutsch in den Putinismus vermeiden.“

La Repubblica (Italien)

„Erdogans Macht im Land ist intakt, sein politischer Spürsinn einzigartig. Sein Charisma lässt ihn alle Wahlen gewinnen, das Volk sieht ihn nicht als Mann der Elite, sondern der Straße an.“

El Periódico de Catalunya (Spanien)

„Noch mehr Erdogan für die Türkei. Der neue Sultan hat sein Land mit einer autoritären und populistischen Politik auf Wachstumskurs gebracht.“

Ethnos (Griechenland)

„Erdogan der Erste, der Triumphator, steigt auf dem Thron“.

Phileleftheros (Zypern)

„Neues Kapitel in der Geschichte der Türkei. Erdogan hat versprochen die Zypernfrage zu lösen. Wir sind gespannt“

Kurier (Österreich)

„Am Ende konnte kein Ereignis Erdogan etwas anhaben, weder das harte Vorgehen gegen die Gezi-Protestbewegung im vergangenen Jahr noch die Korruptionsvorwürfe gegen seine Regierung.“

Tages-Anzeiger (Schweiz)

„Erdogan hat viel geleistet in elf Regierungsjahren, er hat viele Türken stolz auf ihr Land gemacht. Aber er macht mit seiner Jagd nach der absoluten Macht und seinem Furor gegen jeden politischen Gegner vielen auch Angst.“

Jerusalem Post (Israel)

„Eine weitere vorhersehbare Nahost-Wahl. Erdogans Vision passt zu der Muslimbruderschaft in der ganzen Region.“

Sme (Slowakei)

„Erdogan hat die türkische Wirtschaft auf die Beine gestellt. Ihre Demokratie beginnt er aber in ein autoritäres Regime zu verwandeln.“

Auch die Finanzmärkte reagierten anfangs erleichtert, doch es war nur ein Strohfeuer. Der Leitindex an der Börse Istanbul stieg zunächst um bis zu 1,6 Prozent, notierte am Mittag aber 1,1 Prozent im Minus. Die türkische Währung konnte ihre Anfangsgewinne ebenfalls nicht halten. Ein Dollar stieg um 0,4 Prozent auf 2,1545 Lira, nachdem er zuvor auf ein Zwei-Wochen-Tief von 2,1165 Lira gefallen war.

Denn wirtschaftlich steht die Türkei vor schwierigen Zeiten. Bislang hat Erdogan zwar eine starke Bilanz. Seit seinem Amtsantritt hat sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen mehr als verdoppelt. Doch nach einem goldenen Jahrzehnt mit jährlichen Wachstumsraten von fünf Prozent oder mehr hat sich die Konjunktur zuletzt stark abgekühlt.

Wie wackelig das Fundament des Wachstums ist, zeigte sich Anfang des Jahres: Aus Unsicherheit über den Kurs von Ministerpräsident Erdogan zogen Investoren in Scharen Kapital ab. Binnen drei Monaten verlor die türkische Währung Lira 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro.

Erst durch eine massive Intervention konnte die türkische Notenbank die Talfahrt der Lira stoppen. Dabei griff sie zu einem drastischen Mittel: Nach einer Krisensitzung erhöhte sie über Nacht den Leitzins von 4,5 auf 10 Prozent. Damit gelang tatsächlich eine Stabilisierung der Lage.

Kommentare (13)

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Sergio Puntila

11.08.2014, 16:15 Uhr

Wer Geld verleiht an wen auch immer dürfte [egal] sein.
Wer investiert dürfte anders denken.
Und da hat Erdogan erstmal zu leisten nach seinen "Vorleistungen".
Warten wir also ab, ob er wirklich bringt was er im Wahlkampf versprochen hatte.
Sollte er es bringen wirds ne ganz feine Party geben, die ihm da links und rechts verabreicht werden dürfte.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Alfred E. Neumann

11.08.2014, 16:37 Uhr

Erdogan würde ich meine gesamten Einlagen anvertrauen!
Merkel würde ich keinen Cent anvertrauen!

So hat sich meine Denkweise als Urdeutscher verändert, sollte nicht nur mich nachdenklich stimmen!

Herr Helmut Metz

11.08.2014, 16:39 Uhr

Ich verleihe Geld noch nicht einmal an meine eigene Hausbank (weshalb ich auch kein Sparbuch mehr habe und mein Girokonto nur den Deckungsbetrag für die monatlich anfallenden Transaktionen aufweist).
Denn immer, wenn ich Geld auf ein Konto einzahle, gewähre ich der Bank einen KREDIT (der u.U. wie beim Girokonto auch noch zinslos ist). Zudem verwahrt die Bank mein Geld nicht nur, sondern "arbeitet" damit, ohne dass ich darauf Einfluss habe - vielleicht kauft sie z.B. damit Subprime-MBS (Mortgage Backed Securities) oder andere riskante ABS (Asset Backed Securities). ;-))
Oder aber sie erzeugt mit dem eingezahlten GIRALGELD neuen Kredit mittels des Ponzi-Schemas des FRACTIONAL RESERVE BANKING (bei einem Mindestreservesystem der EU-Banken von 1%).
Nein danke, für solche Spielchen ist mir mein hart erarbeites Geld viel zu schade...

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