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21.01.2005

08:38 Uhr

Nachgefragt: Klaus Martini

"Die globalen Vorräte sind gesunken"

Fünf Fragen zum Thema Rohstoff-Zertifikate an Klaus Martini, der bei der Deutschen Bank das Anlagegeschäft für Privatkunden leitet.

Orangensaft und Rinder gelten nicht gerade als Basisinvestment. Wieso sollten Anleger in solche ungewöhnlichen Rohstoffe investieren?

Die Terminmärkte für Agrarrohstoffe werden immer noch zum großen Teil von Profis bestimmt, von Produzenten, die sich über solche Geschäfte Preissicherheit verschaffen. Aber der Markt wird auch für Finanzinvestoren immer spannender.

Was ist so spannend an den so genannten soft commodities?

Nahrungsmittel als Rohstoff werden völlig unterschätzt. Die asiatischen Länder treiben die Nachfrage: Sie verbrauchen mehr und vor allem höherwertigere Lebensmittel, wie beispielsweise Geflügel. Das Angebot verknappt sich ähnlich wie beim Öl . Deshalb sind auch die globalen Lagerbestände an Nahrungsmitteln – mit Ausnahme der Sojabohnen – im Vergleich zu den Achtzigern und Neunzigern deutlich gesunken. Das muss zwar nicht sofort große Preiseffekte haben, aber eine schlechte Ernte oder extreme Wetterlagen könnten die Lage zuspitzen.

Wer also scheinbar exotische Investments in sein Portfolio aufnimmt ...

... der begrenzt durch den Diversifizierungseffekt sein Risiko. Wir befinden uns zurzeit allgemein in einer Phase niedriger Erträge. An den Aktienmärkten ist nicht viel zu holen, also suchen Anleger nach alternativen Investments, die nicht mit den Aktien- und Rentenmärkten korrelieren – wie Private Equity, Währungen und eben Rohstoffe. Und da gibt es neben Öl oder Metall, die stärker im Mittelpunkt stehen, weitere interessante Möglichkeiten.

Ist eine solche Anlage für den privaten Investor interessant?

Für einen Privatanleger ist eine Direktinvestition unsinnig, denn er müsste sich dazu mit den spezifischen Einzelfaktoren nicht nur auskennen, sondern sie tagtäglich genau verfolgen. Deshalb konzipieren Profis entsprechende Produkte. Für ein solches Investment ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt: Der Markt ist nicht überspekuliert. So liegen beispielsweise Weizen, Mais und Soja deutlich unter ihren Durchschnittspreisen der letzten 18 Jahre. Natürlich ist eine solche Anlage kein Basisinvestment – aber eine interessante Möglichkeit, sein Portfolio zu diversifizieren – und natürlich auch, um Geld zu verdienen.

Wo liegen die Risiken?

Die „soft commodities“ sind viel volatiler. Einflussgrößen wie politische Risiken, Währungsentwicklungen und natürlich Witterungsverhältnisse spielen eine Rolle. Sie zeichnen sich durch eine geringe Vorhersagbarkeit aus. Und es ist ein Profimarkt. Der private Investor braucht daher vor allem einen guten, vertrauenswürdigen Berater.

Die Fragen stellte Carolyn Braun.

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