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26.06.2012

09:35 Uhr

Nachgerechnet

Etikettenschwindel mit angeblichen Anleihen

VonGertrud Hussla

Wenn Anleger Anleihen kaufen, rechnen sie mit einem sicheren Produkt. Doch was heute unter der Bezeichnung verkauft wird, hat damit oft nicht mehr viel zu tun. Stattdessen wird damit über hohe Risiken hinweggetäuscht.

Anleihen mit falschen Versprechungen

Video: Anleihen mit falschen Versprechungen

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Das Image einer Anleihe hat in jüngster Zeit ein wenig gelitten. Aber es ist wohl immer noch solide genug, um Finanzprodukten einen Klang zu geben. Doch Vorsicht: Feste Zinsen, feste Laufzeit, und am Ende gibt es den Einsatz zurück: Das war früher mal. Was heutzutage unter "Anleihe" läuft, ist oft alles andere als sicher. Rendite, Laufzeit, was am Ende zurückbezahlt wird, das steht bei vielen Produkten in den Sternen.

Nehmen wir zum Beispiel die jüngste "8,00% Daimler Protect-Aktienanleihe" der LBBW (WKN LB0MTX), die ähnlich immer wieder in Sparkassen verkauft wird. Es ist ein Zertifikat mit einer Laufzeit von knapp 14 Monaten. Was der Sparer am Ende ausbezahlt bekommt, ist offen - das Papier macht das vom Kursverlauf der Daimler-Aktie abhängig.

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Nur solange der Kurs von Daimler bis Mitte August 2013 im Vergleich zum heutigen Kurs nicht mehr als 45 Prozent abgerutscht sein sollte, verhält sich diese Anleihe tatsächlich wie ein klassisches Rentenpapier. Der Anleger bekommt im August 2012 sein Geld wieder und obendrein noch einen Zuschlag von acht Prozent der Anlagesumme - Ausgabeaufschlag unberücksichtigt.

Doch wehe, der Kurs der Daimler-Aktie sackt infolge größerer Börsenturbulenzen während der Laufzeit um mehr als 45 Prozent ab. Dann wird der Sparer nur noch mit dem Gegenwert der relativ wertlos gewordenen Aktien ausbezahlt. Rutscht der Daimler-Kurs etwa bis Laufzeitende um 46 Prozent ab, bekäme der Anleger nur 540 Euro je 1 000 Euro Einsatz wieder. Die Zinsen würden die Rückzahlung auf 620 Euro aufbessern. Doch das wäre immer noch ein herber Verlust.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Dass die Daimler-Aktie binnen 14 Monaten um mehr als 45 Prozent abstürzt, kann durchaus vorkommen. Hätten Anleger diese Anleihe im Juni 2007 oder 2008 gekauft, hätte die Daimler-Aktie jedes Mal die Barriere verletzt. Solche Aktienanleihen kursieren tausendfach und werden täglich neu angeboten.

Kommentare (12)

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Numismatiker

26.06.2012, 10:30 Uhr

Daß Aktienanleihen keine echten Anleihen sind, merkt man spätestens dann, wenn man versucht, sich auf den Webseiten der Emmitenten über die Konditionen zu informieren.

Dort sind Aktienaleihen nämlich meist korrekterweise unter der Rubrik "Zertifikate" aufgeführt. Und bei der Bankberatung in der Filiale sollte man ohnehin nach dem Motto verfahren: "Traue niemals dem freundlichen Bankberater", "Nimm kein Produkt, das Du nicht verstehst", "Informiere dich vorher", "Lasse Dich zu nichts überreden" "Lasse Dich nicht unter Druck setzen", "Unterschreibe kein Breatungsprotokoll".

ehrlicher_Kritiker

26.06.2012, 10:47 Uhr

der Artikel war mies zu bewerten. Der Autor betreibt Ettiketenschwindel. Er spricht im Titel von Anleihen, dabei geht es im Artikel um Aktienanleihen.

Ivanhoe

26.06.2012, 11:38 Uhr

Es wird höchste Zeit, dass zu jeder handelbaren Anlage auch der vollständige Prospekt online verfügbar ist. Dann hätten die Kunden zumindest theoretisch die Möglichkeit sich von riskanten Anlagen fernzuhalten.

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