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07.08.2012

12:29 Uhr

Nachgerechnet

Goldanleger muss der Dollarkurs nicht interessieren

VonGertrud Hussla

Der schwache Goldpreis irritiert die Anleger. Zu Unrecht: Denn dass der Goldpreis bei einem starken Dollar sinkt, ist ein Trugschluss. Das Edelmetall bleibt von Währungsschwankungen weitgehend unabhängig.

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Wenn Goldanleger derzeit die Zeitung aufschlagen, dann erleben sie fast täglich eine neue Enttäuschung. Der Goldpreis, der üblicherweise in Dollar angegeben wird, geht schon seit Monaten tendenziell nach unten, allein in den letzten drei Monaten verbilligte sich das Edelmetall erneut um zwei Prozent. Das hat weniger mit einer mangelnden Nachfrage nach Gold zu tun als vor allem mit der Aufwertung des Dollars gegenüber dem Euro. Blicken Sie mal auf den Goldpreis in Euro: Der ist seit Anfang Mai sogar schön gestiegen, um 4,1 Prozent.

Die Währungseinflüsse auf den Goldpreis irritieren Anleger, deshalb werden regelmäßig Zertifikate angeboten, die den Goldpreis gegen Kursschwankungen des Dollars absichern. Doch das Etikett „mit Währungsabsicherung" ist irreführend. Die sogenannte Absicherung ist teuer und schafft erst ein Währungsrisiko.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf die Zusammenhänge zwischen Goldpreis und Dollar-Kurs. Gold hat ja eine ganz wichtige Funktion: Es behält seinen Wert, auch wenn eine Währung an Wert verliert, es schützt vor Inflation. Sollte nun eine südafrikanische Mine an eine US-Firma Gold verkaufen, und der Dollar hat abgewertet, müssen die Südafrikaner für ihr Gold mehr Dollar nehmen, wenn der Wert des Goldes gleich geblieben ist. Der Goldpreis in Dollar würde in diesem Augenblick also nur deswegen steigen, weil der Dollar abgewertet hat.

Goldpreis in Dollar und Schwankungen des Dollars hängen also zusammen. Der rasante Anstieg des Goldpreises in Dollar bis 2011 war teilweise auch dem Verfall des Dollars zu verdanken. In Euro gerechnet war der Goldpreis viel weniger gestiegen.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Im Moment wertet aber der Dollar eher auf, und der Euro wertet ab. Und siehe da, auch hier ist es die gleiche Geschichte: Der Goldpreis in Euro steigt. Weil der Euro abgewertet hat, wollen Goldverkäufer mehr Euro für ihre Ware haben. Die Schwankungen einer Währung sind natürlich nicht der einzige Grund, warum der Goldpreis steigt oder sinkt. Doch generell haben Wissenschaftler den inversen Zusammenhang zwischen Währungsentwicklung und Goldpreis für fast alle Währungen nachwiesen. So gesehen ist Gold eine eigene Währung.

Kommentare (11)

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Nurmalso

07.08.2012, 13:04 Uhr

Muss man für so eine Banalität sie viel Platz verschwenden - oder für wie dumm alten Sie die Leute eigentlich ?

Emil

07.08.2012, 13:11 Uhr

Mich interessiert der Dollarpreis auch nicht. Goldanleger sparen in Gold, das wird bei uns zur Zeit noch in Euro bezahlt.
Was nach dem Euro kommt werden wir sehen. Auf jeden Fall bleibt Gold Gold und Silber Silber. Was mit Sparbüchern passiert kann man sich denken.
Daher ist für Goldanleger, nicht Spekulanten, der Dollarpreis uninteressant, der Europreis noch ein wenig.

neo

07.08.2012, 13:12 Uhr

@ Nurmal so

Meinen sie mit der Banalität ihren eigenen Kommentar?
Dieser Handelsblatt-Artikel zum Gold und dessen Preis bzw. Wert, ist der erste ernstzunehmende, den ich hier finde.
Besonders hervorzuheben ist die Aussage: "Gold ist eine eigene Währung". Exakt!
Langsam bekomme ich Angst :-)

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