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16.06.2011

11:02 Uhr

Nachgerechnet

Mensch-Ärgere-Dich-nicht mit Zertifikaten

VonGertrud Hussla

Ein populäres Garantie-Zertifikat  macht den Zins von zehn Aktienkursen abhängig. Das geht häufig schief.

Mensch ärgere Dich nicht - Nachgerechnet

Video: Mensch ärgere Dich nicht - Nachgerechnet

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Die Zertifikate mit dem schicken Namen „Vario Zins Garant“ verkaufen sich bestens in den Filialen der Raiffeisen- und Volksbanken. Das Spitzeninstiut der Genossen, die DZ-Bank, legt regelmäßig neue Versionen auf und zählt den Typ  zu den „Dauerlieblingen der Kunden“. Noch bis Mittwoch etwa konnten Anleger das „Vario Zins Garant D 06/11“ (WKN: AK0AE5) zeichnen. Anleger können damit von steigenden Aktienkursen profitieren und erhalten am Ende der Laufzeit garantiert ihren Einsatz zurück. Es winken bis zu 5,75 Prozent Zinsen im Jahr.

Klingt verlockend, doch das mit den 5,75 Prozent wird wohl häufig nichts. Denn diesen Zins gibt es nur, wenn zehn sehr unterschiedliche Aktien Wohlverhalten zeigen. Nämlich Adidas, BNP Paribas, Dell, Ebay, Ericsson, Pfizer, Rio Tinto, Schlumberger, Vivendi und Vodafone.

Das Produkt funktioniert so ein bisschen wie „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“. Das Spiel geht im Fall des neuen Zertifikats am 15. Juni los, der Schlusskurs der Aktien an diesem Tag setzt dann den Maßstab über die gesamte Laufzeit von fünf Jahren. An zwölf Terminen im Jahr – immer zum elften des Monats – wird die prozentuale Veränderung jedes Kurses zum Starttag beobachtet.

Verliert nur eine Aktie mehr als 25 Prozent (die erste Barriere), geht für das laufende Jahr der Zins des Zertifikats auf drei Prozent runter. Und verliert nur eine Aktie an einem einzigen Beobachtungstag mehr als 40 Prozent, schrumpft der Zins in dem betreffenden Jahr auf nur noch 1,5 Prozent.

Da braucht man schon Geschick im Umgang mit Excel-Tabellen und viel Zeit, um so viele Kurse im Blick zu behalten. Die Aktien sind schließlich an den unterschiedlichsten Börsen von Frankfurt bis New York und Stockholm notiert. In vier verschiedenen Währungen. Zur Erinnerung: Es ist ein Produkt für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken.

Kommentare (5)

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Philosoph

16.06.2011, 12:03 Uhr

Korrekt! RISIKOSTREUUNG ist das nicht, sondern das Risiko vervielfacht sich. Mein Rat ist und bleibt: Ein Produkt mit einer (mikrigen) Zinsrendite (hier um die 5%) und einem Aktienmarktrisiko ist Käse und sollte von niemandem gekauft werden. Das die Leute trotzdem in sowas investieren, bleibt wohl der Verdienst gut geschulter Bank-Verkäufer

Petra

16.06.2011, 12:51 Uhr

Wer nach Lehmann noch Zertifikate kauft ist selbst schuld!

Zertifikate sind nichts anderes als Wetten gegen die Bank, wobei diese den Wetteinsatz sofort erhält, selbst keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln nach Bedarf ändern kann.

Wie gesagt, selbst schuld, aber wie so oft: Gier frisst Hirn

Account gelöscht!

16.06.2011, 14:21 Uhr

Zitat: Zur Erinnerung: Es ist ein Produkt für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken. Welchen Schluss darf man aus dieser Aussage der Autorin treffen? Kunden dieser Bankengruppe sind geistig nicht in der Lage Finanzprodukte zu verstehen? Oder sind es ländlich lebende Bürger, die außer einem Sparbuch nichts anderes kennen? Zertifikate sind Schuldverschreibungen einer Bank. Daher ist auch die Bonität der Bank wichtig. Zertifikate der DZ Bank unterliegen der Einlagensicherung der Volks- und Raiffeisenbanken. Diese Bankengruppe ist m.E. sehr gut durch die Bankenkrise gekommen. Im Vergleich zu den großen öffentlich rechtlichen Landesbanken bzw. einigen Großbanken habe ich im Verlauf der letzten drei Jahre wesentlich weniger negative Schlagzeilen gelesen. Im Jahr 2003 hatte ich auch solch ein Zertifikat mit dieser Anlagestruktur und war sehr zufrieden mit dem Ertrag. Wie die zukünftigen Ertragschancen sind kann niemand genau beantworten. Der mündige Kunde darf sich mit den gesetzlich geregelten Produktinformationen informieren und entscheidet dann, ob er neben der Kapitalgarantie das Risiko der Zinserträge tragen möchte. Die Autorin scheint eine höhere Risikoneigung zu haben und damit verbunden eine höhere Ertragserwartung. Sie sollte die Anlageform lieber aus neutraler Position beurteilen. Alternativ gibt es ja auch tolle (?) Festgelder z.B. bei der Bank of Scotland (war mal Royal Bank of Scotland) - diese Bank genießt die staatliche Unterstützung in Britanien mit ein paar Milliarden um weiter zu überleben !

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