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25.02.2012

12:09 Uhr

Nachhaltigkeit

Öko-Zertifikate im Minus

VonGeorgios Kokologiannis

Nachhaltige Geldanlagen schützen vor dem Börsentief nicht, wie die Aktionäre und Investoren von Solarenergie und Windkraft zu spüren bekommen. Aber Kapitalschutz-Zertifikate können die Verluste eindämmen.

Mit blauen Netzen abgedeckte Solarpanels dpa

Mit blauen Netzen abgedeckte Solarpanels

FrankfurtNachhaltige Geldanlagen können zwar für ein gutes Gewissen sorgen – Schutz vor dem nervenaufreibenden Auf und Ab an der Börse bieten sie aber nicht. Das haben in den vergangenen Monaten nicht nur Aktionäre und Fondsinvestoren zu spüren bekommen. Auch viele Zertifikate, mit denen Anleger gezielt auf Solarenergie und Windkraft oder sozial engagierte Firmen setzen, konnten sich den Verwerfungen an den Märkten nicht entziehen. Denn die Wertentwicklung dieser Produkte orientiert sich an speziellen Nachhaltigkeitsaktienindizes – und die verbuchten zuletzt mehrheitlich Verluste. Ein besonders drastisches Beispiel ist der „Öko-Dax“, der Aktien aus der Branche der erneuerbaren Energien zusammenfasst. Seit Mitte 2007 berechnet die Deutsche Börse den Index, auf den sich mehrere Anlagezertifikate beziehen. Das Öko-Barometer befindet sich seitdem fast ununterbrochen im Rückwärtsgang. Allein in den vergangenen drei Jahren büße es fast die Hälfte seines Wertes ein. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex (Dax) der 30 größten börsennotierten Unternehmen legte im gleichen Zeitraum rund 80 Prozent zu.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

In den Angebotspaletten der Zertifikate-Emittenten sind allerdings auch Papiere zu finden, auf die der Kursrückgang ihres Basisindex nicht mit voller Wucht durchgeschlagen hat. Hintergrund: Nur etwa ein Drittel von momentan über 300 verfügbaren Nachhaltigkeitszertifikaten – die sogenannten Indexzertifikate – zeichnen die Entwicklung ihrer Messlatte ein zu eins nach. Daneben gibt es auch Varianten mit Schutzmechanismen, die Verluste eindämmen können – wenn auch auf Kosten der erzielbaren Rendite. Die defensivsten Papiere mit eingebautem Airbag heißen „Kapitalschutz-Zertifikate“ und sind beliebt: „Mit Blick auf die heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten fokussieren sich Privatanleger auch in Bezug auf nachhaltige Anlagen vor allem auf den Sicherheitsaspekt“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbands. „Wenn es zu heftigen Sturzflügen an den Börsen kommt, erhält der Anleger – anders als bei Aktien oder Fonds – am Laufzeitende der nachhaltigen Kapitalschutz-Zertifikate zumindest den Nennwert zurück.“ Allerdings sind hier zum einen die Ertragschancen auch besonders stark beschnitten. Und zum anderen können selbst kapitalgeschützte Zertifikate vorübergehend in den roten Bereich rutschen. So hat die BayernLB vor einem Dreivierteljahr ein Kapitalschutz-Produkt auf den Öko-Dax auf den Markt gebracht. Mittlerweile notiert es leicht im Minus. Doch es hat Anleger vor größerem Ungemach bewahrt: Der Referenzindex verlor seitdem fast 40 Prozent.

Die meisten Menschen bringen zwar „Nachhaltigkeit“ vor allem mit erneuerbaren Energien in Verbindung. Allerdings wählen die Anbieter oft einen breiteren Ansatz für ihre Produkte. Solche Zertifikate haben sich in den vergangenen drei Jahren deutlich besser geschlagen als die reinen Öko-Produkte (siehe Tabelle). So bietet die WestLB ein Zertifikat auf den „Euro Stoxx Sustainabililty“ an. In dem Index sind Aktien europäischer Unternehmen zusammengefasst, die nicht nur ökonomische Ziele verfolgen, sondern auch ökologische und soziale Grundsätze.

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