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08.06.2011

11:53 Uhr

Neue Anlageprodukte

Wie Sie den Dax (fast) immer schlagen

VonJessica Schwarzer

Immer besser abzuschneiden als der Dax, egal ob er steigt, fällt oder stagniert – es klingt zu schön, um wahr zu sein. Die Royal Bank of Scotland verspricht Anlegern aber genau das. Doch die Sache hat einen Haken.

Frühlingsblumen sprießen in einem Topf unter der Verlaufskurve des Dax. Quelle: dpa

Frühlingsblumen sprießen in einem Topf unter der Verlaufskurve des Dax.

DüsseldorfAn Anlageprodukten auf den Dax gibt es in Deutschland keinen Mangel. Anleger können mit Zertifikaten und ETFs auf verschiedenste Weise in den deutschen Leitindex investieren. Manche Produkte bilden den Index eins zu eins ab, andere hebeln Gewinne und Verluste, wieder andere ermöglichen eine Anlage mit Rabatt oder versprechen eine fixe Mindestrendite, wenn der Index bestimmte Kursmarken nicht unterschreitet.

Eine weitere Spielart bringt jetzt die Royal Bank of Scotland (RBS) auf den Markt – und die verspricht viel. Die RBS garantiert Anlegern, dass sie den Dax stets schlagen – egal, ob der Index steigt, fällt oder stagniert. Neben dem Dax gibt es die neuen Zertifikate auch auf Silber und Gold.

Anleger können zwischen zwei verschiedenen Varianten wählen, einem Zertifikat mit Rabatt und einem mit jährlicher Zinszahlung. Die erste Form funktioniert grundsätzlich wie ein klassisches Discount-Zertifikat: Anleger kaufen hierbei den Basiswert mit einem Abschlag auf den aktuellen Kurs, zum Emissionstag am 1. Juni waren das im Dax vier Prozent. Bei Gold und Silber gibt es mit fünf bzw. zehn Prozent noch etwas mehr Rabatt.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Anschließend nehmen die Investoren voll an der Kursentwicklung des Index teil. Im Gegensatz zu herkömmlichen Discount-Zertifikaten sind die Kursgewinne aber nicht begrenzt. Die Zertifikate haben keine Schwelle (Cap), das heißt egal wie hoch der Index steigt, der Anleger profitiert davon.

Die Schotten rechnen vor, wie sich das Uncapped Discount Zertifikat auf den Dax entwickeln würde: Bei einem Dax-Stand von 7.000 Punkten kostet das Zertifikat 64,98 Euro. Angenommen, der Dax steigt bis zum Ende der fünfjährigen Laufzeit auf 9.000 Punkte, würde das Zertifikat eine Rendite von 38,5 Prozent erzielen. Zum Vergleich: Der Dax käme lediglich auf ein Plus von 28,6 Prozent.

Auch wenn die Kurse fallen, entwickelt sich das Zertifikat besser als sein Basiswert, denn das Verlustrisiko ist im Vergleich zu einem Direktinvestment um den Discount reduziert. Sollte der Dax bis zum Laufzeitende auf 5.500 Punkte abrutschen – ein Minus von 21,4 Prozent, würde das Zertifikat lediglich 15,3 Prozent verlieren. Der Discount wirkt also als Puffer und kann kleine Verluste am Aktienmarkt sogar gänzlich kompensieren:. „Bei diesem Beispiel muss der Basiswert um ungefähr neun Prozent fallen, bevor der Zertifikateanleger einen Verlust am Laufzeitende realisiert“, rechnet Kemal Bagci von der RBS vor.

Kommentare (3)

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Spekulatius

08.06.2011, 14:06 Uhr

Erschreckend, dass hier nicht mehr die klassische Marktwette auf den Dax ins Kalkül gezogen wird, sondern auch Ratingproblemeund sogar eine Insolvenzgefahr, die wiederum durch Verweis auf staatliche Stützung geschmälert wird. Wenn ich solche Produkte sehe, bin ich mir nicht sicher, ob in der Finanzkrise die richtigen Signale und Anreize gesetzt worden sind.

JR9

08.06.2011, 15:07 Uhr

Schön zu sehen das die Finanzwelt und auch die Anleger (irgendeiner muss den Müll ja haben wollen) aus der Krise gelernt haben und endlich mal verständliche Anlageprodukte auf den Markt bringen. Traurig traurig...macht was ihr wollt aber ich bleib bei Aktien, Fonds und/oder etf´s...

schlafengehen

08.06.2011, 15:23 Uhr

Zu Weihnachten gibt es Kartoffelsalat(Renten) und Würstchen(Aktien), weil das aber nie reicht gibt es oben drauf noch was süßes einen kleinen Spekulatius(Discount-Zertifikat)....

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