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11.08.2011

11:53 Uhr

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Anleger küssen einen alten Index wach

VonStefan Schneider

Ein fast vergessener Aktienindex wird wiederentdeckt. Eine kleine, aber doch bedeutende Veränderung lässt den FAZ-Index ins Visier der Anleger rücken. Auch bei den Banken horchen die Experten auf - und reagieren.

Die Dax-Kurve: Der Deutsche Aktienindex schlägt sich besser als der FAZ-Index. Quelle: dpa

Die Dax-Kurve: Der Deutsche Aktienindex schlägt sich besser als der FAZ-Index.

DüsseldorfEs gibt nur noch wenige weiße Flecken auf der Index-Landkarte, die Zertifikateemittenten noch nicht mit passenden Papieren belegen konnten. Im Juni lief die Emissionsmaschinerie aber wieder an. Grund ist nicht ein neuer Index, sondern das „Revival“ eines alten Hasen. Denn seit wenigen Wochen wird der FAZ-Index der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht mehr nur einmal täglich, sondern zwischen neun und 17.30 Uhr sekündlich berechnet. „Mit der Realtime-Berechnung haben wir endlich die Möglichkeit, unterschiedliche Zertifikate auf den Index zu emittieren“, bestätigt Nicolai Tietze, Zertifikateexperte der Deutschen Bank.

Auch andere Emittenten wurden aktiv, sodass es inzwischen schon vier Indexzertifikate auf das 1961 aufgelegten Kursbarometer gibt. Neben dem Deutsche-Bank-Papier (WKN: DE1FAZ) bieten die Commerzbank (WKN: CK15Z5), die Société Générale (WKN: SG2FAZ), die Hypo-Vereinsbank (WKN: HV3FAZ) und neuerdings auch die UBS (ISIN: DE000UB9FAZ9) entsprechende Zertifikate an.

Anfang September bringt die Landesbank Baden-Württemberg ein Garantiezertifikat auf den FAZ-Index heraus (WKN: LB1FAZ), das bereits gezeichnet werden kann. Der Kapitalschutz greift – wie üblich – erst am Ende der Laufzeit, hierbei nach sechs Jahren. Im Gegenzug wurde die Teilnahme der Anleger an Kursgewinnen auf 150 Prozent des Startwertes, der am 2. September festgelegt wird, begrenzt.

Der FAZ-Index unterteilt die 100 Indexmitglieder in zwölf Branchen, das höchste Gewicht hat der Sektor Chemie & Pharma, danach folgen IT & Elektronik und Auto & Zulieferindustrie. Zwar wird er oftmals neben den
Dax gestellt, der ihn in punkto internationaler Bekanntheit längst abgehängt hat, doch ein Vergleich mit dem HDax wäre sinnvoller. Der HDax setzt sich aus den insgesamt 110 Unternehmen aus Dax, MDax und TecDax zusammen, deckt also einerseits die großen börsennotierten Konzerne, andererseits die mittelgroßen und die Technologiefirmen ab.

Der FAZ-Index

Historie

Der FAZ-Index wurde im Jahr 1961 von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ins Leben gerufen – lange bevor der Dax das Licht der Welt erblickte und den FAZ-Index als Barometer für die Entwicklung deutscher Aktien ablöste.

Branchen

Die 100 Unternehmen, deren Aktien für die Indexberechnung herangezogen werden, verteilen sich auf zwölf verschiedene Branchen. Am stärksten gewichtet sind Chemie und Pharma mit insgesamt 20,9 Prozent Indexanteil. Es folgen IT & Elektro (16,6 Prozent),  Auto & Zulieferer (15,4 Prozent).

Aktien

Unter den Einzeltiteln sind Siemens, BASF und SAP und weitere Dax-Titel Schwergewichte im FAZ-Index. Über die Zusammensetzung entscheidet ein Indexkomitee aus Mitgliedern der FAZ, der Baader Bank und der Structured Solutions, dem sogenannten Index-Provider.

Kriterien

Um in den FAZ-Index aufgenommen zu werden, muss eine Aktie drei Kriterien erfüllen: Erstens muss das Unternehmen über ein ausreichend großes Grundkapital beziehungsweise einen Börsenwert  (Marktkapitalisierung) verfügen. Zweitens darf der durchschnittliche tägliche Handelsumsatz nicht dauerhaft unter eine Million Euro fallen. Und drittens sollten sich Aktien, die neu aufgenommen werden, sinnvoll

einer der zwölf Branchen zuordnen lassen.

Neuerungen

Im Juni wurden einige Neuerungen für den FAZ-Index vorgenommen: Neben dem Mindesthandelsvolumen wurde die Berechnung, die bislang einmal täglich erfolgte, von einer sekündlichen Berechnung abgelöst. Außerdem wurden die beiden bisherigen Branchen „Geschäftsbanken“ und „Sonstige Finanzinstitute“ in den Sektor „Banken“ zusammengefasst. Dafür ergänzt die Branche „erneuerbare Energien“ die bisherige Einteilung der Sektoren.

Dabei gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen FAZ-Index, Dax und HDax: Alle 30 Dax-Konzerne sind Bestandteil des FAZ-Index und weitere 58 Unternehmen finden sich sowohl im FAZ-Index als auch im HDax wieder. Das heißt, unter dem Strich sind 88 Prozent der Unternehmen aus dem FAZ-Index im HDax enthalten.

FAZ Index 08 2011

Mit dem Pendant des FAZ-Index wären Anleger in den vergangenen Jahren erfolgreicher gewesen. Denn bei der Wertentwicklung schneidet der HDax besser als der FAZ-Index ab: Im Einjahresvergleich verbucht der HDax ein Minus von gut drei Prozent, knapp dahinter liegt der Dax und an dritter Stelle folgt der FAZ-Index mit einem Minus von etwas mehr als acht Prozent. Im Dreijahresvergleich wird der Unterschied noch deutlicher: Gut acht Prozent Minus bei HDax und Dax gegenüber einem Minus von mehr als 25 Prozent beim FAZ-Index (Stand: 10. August).

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.08.2011, 13:17 Uhr

Eins würde mich interessieren, falls jemand hier freundlicherweise die Frage beantworten könnte: Wenn bei Performance-Indices die Dividende mitgerechnet wird, dann dürften diese Indices, da die Dividende nicht zurückgefordert werden kann, selbst dann nicht auf Null fallen, wenn ALLE Aktien des Indices auf Null fallen. Es bliebe als Restwert das, was bereits ausgezahlt wurde. Welchen Wert hätte der DAX, wenn sämtliche 30 DAX-Werte auf Null fielen?
Was ich natürlich nicht wünsche! Es handelt sich um rein akademisches Interesse ;-)

ego.ich.moi

11.08.2011, 13:36 Uhr

der Index stünde bei Null.
Gezahlte Dividenden sind nicht "als Bargeld" enthalten sondern sie werden reinvestiert - sie erhöhen also die Im Index enthaltene Aktienstückzahl. Und wenn die Aktie bei Null steht, ist deren (erhöhte) Anzahl auch Null wert.

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