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08.01.2008

14:32 Uhr

Neuer Verband

Europäische Derivate-Emittenten schließen sich zusammen

VonRalf Drescher

Die europäischen Derivate-Emittenten wollen sich in einem gemeinsamen Verband zusammenschließen, um einer strengeren Regulierung durch die Europäische Union entgegenzuwirken. Der Start soll zeitnah erfolgen, denn die Sorgen der Beteiligten werden konkreter.

FRANKFURT. Der neue Verband soll noch im ersten Halbjahr 2008 gegründet werden. Das teilten die nationalen Branchenverbände aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz am Montag mit. Ziel sei es, "die Transparenz und Verständlichkeit der Produkte zu erhöhen", gleichzeitig aber "attraktive und faire Rahmenbedingungen in Europa zu erhalten", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Hintergrund des Vorstoßes ist eine Initiative der Europäischen Union, die sich den Markt für Anlagezertifikate bzw. strukturierte Produkte, wie sie in anderen Ländern heißen, genauer anschauen will. Die synthetischen Wertpapiere, die mit Hilfe von Optionen die Kursentwicklung beispielsweise von Aktien oder Rohstoffen abbilden, verbreiten sich rapide. Vor allem in Deutschland ist ein gewaltiger Markt mit gut 140 Mrd. Euro Volumen und fast 300 000 börsennotierten Produkten entstanden. In der Schweiz ist das investierte Vermögen sogar noch größer, allerdings gibt es hier aufgrund höherer Listinggebühren deutlich weniger Produkte.

Als wichtiger Grund für den Siegeszug der Zertifikate gilt eine vergleichsweise liberale Regulierung. Neue Zertifikate lassen sich binnen weniger Tage auflegen, während etwa die Genehmigung eines Fonds mehrere Monate dauert. Kritiker monieren aber, dass die Emittenten hinter den komplexen Zertifikatestrukturen hohe Gebühren verstecken. Um dies zu prüfen, hat die EU-Kommission im Rahmen eines sogenannten "Call for Evidence" einen Fragenkatalog verschickt, um sich einen Überblick zu verschaffen. Der Call for Evidence ist die erste Stufe einer Untersuchung der Kommission, häufig folgen ihm weitere Schritte bis hin zu einer EU-Richtlinie.

Diese wollen die Emittenten verhindern. Sie setzen stattdessen auf eine Selbstregulierung der Branche. "Dafür müssen wir uns aber europaweit einig sein und mit einer Stimme sprechen", sagt Hartmut Knüppel, designierter geschäftsführender Vorstand des Deutschen Derivate Verbandes (DDV). Ehe ein europaweiter Verband gegründet werden kann, muss jedoch der DDV selbst, in dem die beiden bisher konkurrierenden deutschen Verbände DDI und Derivate Forum aufgehen sollen, zunächst offiziell starten. Dies soll Knüppel zufolge Mitte Februar geschehen. Die europäische Lösung werde dann "zeitnah" folgen.

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