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27.09.2011

12:22 Uhr

PIBs-Studie

Zertifikate-Beipackzettel sind unverständlich

Die neuen Infobroschüren, genannt PIBs, nützen Anlegern laut einer Studie beim Zertifikatekauf kaum. Die PIBs, die Berater seit dem 1. Juli Anlegern bei Verkaufsgesprächen vorlegen müssen, seien schwer verständlich.

Anlageberater müssen Poduktinformationsblätter vorlegen. Imago

Anlageberater müssen Poduktinformationsblätter vorlegen.

FrankfurtDie neuen Infobroschüren nützen Anlegern einer wissenschaftlichen Analyse zufolge beim Kauf von Zertifikaten wenig. Denn die auch als Produktinformationsblätter bekannten PIBs sind vielfach schwer verständlich, wie die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Hohenheim im Auftrag der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting zeigen. „Da herrscht noch erhebliches Verbesserungspotenzial“, sagte Unternehmensberater Stefan Naumann.

Seit dem 1. Juli 2011 müssen Berater Anlegern in Verkaufsgesprächen Produktinformationsblätter vorlegen. Diese Beibackzettel sollen Anleger auf maximal drei Seiten über die Funktionsweisen, Chancen und Risiken, Kosten und steuerliche Aspekte von Finanzprodukten informieren und verhindern, dass Anleger für sie unpassende Produkte kaufen. Wer die Dokumente für Zertifikate und Optionsscheine erstellen muss, lässt das Anlegerschutzgesetz offen. In der Praxis machen dies bislang mehrheitlich die Emittenten.

Die Universität hat alle Emittenten in die Analyse einbezogen, welche ihre PIBs frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Dabei hat sie je Emittent ein PIB ausgewertet, in der Regel für ein Bonus- oder Capped-Bonus-Zertifikat. Im Schnitt haben die 27 Emittenten 5,7 Punkte auf der Skala des Hohenheimer Verständlichkeitsindexes, der von Null bis 20 Punkten reicht, erlangt. Dabei bedeutet der Wert Null, dass ein Text überhaupt nicht verständlich ist und 20, dass er sehr gut verständlich ist. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Artikel aus dem Politikteil der „Bild-Zeitung“ liegt der Universität Hohenheim zufolge bei 18 Punkten. Im Gegensatz dazu käme eine politikwissenschaftliche Dissertation auf null Punkte.

Negativ wirken sich auf die Punktevergabe beim Hohenheimer Verständlichkeitsindex lange Wörter und Sätze aus. Auch Schachtelsätze, Substantivierungen, unbekannte Wörter sowie Fremdwörter sowie Anglizismen und Sätze mit passiven Verben oder mehr als zwei Informationseinheiten geben Minuspunkte.

Um als allgemein verständlich zu gelten, muss ein Text der Uni zufolge mindestens zehn Punkte erreichen. Auf diesen Wert kamen in der Analyse nur die Produktinformationsblätter der Commerzbank. Sie erreichten 9,5 Punkte. Dahinter folgten die ING Bank mit 7,8 Punkten und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit 7,7 Punkten. Der Branchenprimus Deutsche Bank landete mit 5,3 Punkten im Mittelfeld. Die übrigen großen Anbieter am deutschen Markt erreichten vier bis acht Punkte. Am schlechtesten schnitten die Bank of Amerika - Merrill Lynch mit 3,2 Punkten und Goldman Sachs mit 3,3 Punkten ab.

Unternehmensberater Naumann begründet die schlechten Ergebnisse damit, dass sich die Emittenten bei den PIBs in der Zwickmühle befänden: „Einerseits sollen sie auf drei Seiten verständliche Informationen bieten. Andererseits wollen sie sich rechtlich absichern und wählen daher Formulierungen, die juristisch möglichst wasserdicht sind.“ Das diene nicht gerade der Verständlichkeit. „Bei den PIBs versuchen sich die Emittenten an der Quadratur des Kreises“, sagte Naumann.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Petra

27.09.2011, 12:47 Uhr

"Zertifikate sind Wetten gegen die Bank ("Die Bank gewinnt immer!"), wobei die Bank sofort 100% des Wetteinsatzes erhält, keine Sicherheiten bietet und die Wettregel ändern kann."
Dieser Satz gehört auf jeden Zertifikate-Beipackzettel. Wer dann noch kauft ist selbst schuld. GIER FRISST HIRN!

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