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22.11.2013

06:18 Uhr

Reindustrialisierung in den USA

Go West

VonMatthias von Arnim

Die USA wollen ihr Land wieder zu einem der zentralen Industriestandorte weltweit machen. Dabei setzen sie vor allem auf billige Energie aus dem eigenen Boden. Wie Anleger davon profitieren können.

Ein Blick auf die Freiheitsstatue der Vereinigten Staaten: Die USA wollen wieder an die Spitze der Industrienationen. Getty Images

Ein Blick auf die Freiheitsstatue der Vereinigten Staaten: Die USA wollen wieder an die Spitze der Industrienationen.

DüsseldorfDie Vereinigten Staaten waren in den vergangenen Jahren: der größte Konsument, der größte Schuldner und der größte Energie-Importeur weltweit, während die Industrie auf ein Minimum schrumpfte. Erfolgreiche US-Unternehmen exportierten zuletzt vor allem zuckerhaltige Getränke und Frühstücks-Zerealien, Software und Waffen. Der Rest ist Dienstleistung oder Industrie-Geschichte. Die im Zerfall befindliche einstige Automobil-Metropole Detroit steht beispielhaft für den Niedergang der Industriestandorte in den USA. Die Fertigung von US-Produkten erfolgt weitgehend in Asien oder Mexiko.

So lässt zum Beispiel Apple seine i-Produkte heute in Taiwan zusammenbauen, und IBM verkaufte sein PC-Geschäft vor neun Jahren sogar komplett an den chinesischen IT-Konzern Lenovo. „Big Blue“ agiert seitdem in erster Linie als Beratungsunternehmen – ein typischer Fall für die Entwicklung des Landes. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet offiziellen Angaben zufolge heute etwa 77 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der USA, der Industriesektor dagegen nur noch 22 Prozent.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Lange Zeit schien es, als ob Made in USA keine Zukunft mehr hätte. Die ehemals größte Wirtschaftsnation hat in den vergangenen Jahren den Boden unter den Füßen verloren: Noch im Jahr 1990 betrug der Anteil der USA am Welthandel rund 12 Prozent, Chinas Anteil lag bei zwei Prozent. Heute ist China mit rund elf Prozent die Wirtschaftsnation Nummer eins, während die USA hinter Deutschland auf Platz drei zurückgefallen sind – mit einem Anteil am Welthandel von rund acht Prozent.
Doch das soll sich nun ändern. Die USA wollen wieder an die Spitze der Industrienationen. Und vieles spricht dafür, dass dies gelingen könnte. Der Hauptantreiber für die Reindustrialisierung hat einen Namen: „Fracking“. Darunter versteht man ein Verfahren, mit dem man unter hohem Druck Wasser und Chemikalien in die Erde presst und auf diese Weise bislang unzugängliche Gas- und Ölvorräte an die Oberfläche befördert. Fracking ist umstritten. Es gibt über die im Schiefergestein gebundenen vorhandenen Reserven unterschiedliche Ansichten.

Optimisten rechnen mit nachhaltigen Reserven, andere gehen davon aus, den Peak bereits überschritten zu haben. Umweltschützer warnen zudem vor den Gefahren. Das Grundwasser könnte verseucht werden. Langfristige Folgen für die Natur und auch den Menschen sind noch nicht erforscht. Doch das ficht die Fracking-Industrie nicht an. Sie hat Rückendeckung aus Washington. „Es ist der politische Wille der Regierung, die USA in absehbarer Zeit unabhängig von Energie-Importen zu machen. Deshalb sind die umweltpolitischen Auflagen für Fracking-Projekte lax“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

22.11.2013, 07:49 Uhr

...vielleicht wird 10-20 Jahren Europa zum größten Trink
wasserexporteur für Amerika.Fracking mag ja technich möglich sein, aber absolut schwachsinnig ohne Folgestudien zu kennen.

HofmannM

22.11.2013, 08:02 Uhr

So ist es halt...Deutschland-Europa verteuert durch das politisch-mediale Mantra eines menschengemachten CO2-Klimaerwärmungsmärchen seinen industriellen und privaten CO2-Ausstoss und verbietet sogar die Energieerzeugung aus Kern-und Kohlekraftwerken. Auch das Fracking ist als etwas böses verschrien! Weiterhin wird durch dieses politische Diktat einer merklischen Energiewende per EEG der Strom/Energie für Wirtschaft und Bürger immer unbezahlbarer (Luxusgut) und das ist der Todesstoss für unsere Wohlstandsgesellschaft!

Ideologiefeind

22.11.2013, 08:16 Uhr

@hofmannm
Sie scheinen ja ein toller Physiker zu sein. Deshalb empfehle ich Ihnen die Wirkungsweise der Kirchhoff'schen Adsorptionskonstanten sowie die Wien'sche Wellenlängen Verschiebung zu widerlegen.

Der Nobelpreis wäre Ihnen dann sicher und HB Leser könnten Ihnen mehr Glauben schenken.

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