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08.05.2015

08:35 Uhr

Renditestarke Aktien

Diese Exoten brauchen keine Dax-Rally

Quelle:Börse am Sonntag

Die Aktienmarktrally hat die Indizes in schwindelerregende Höhen gehievt. Kurzfristige Profite mit Dax-Einzelwerten sind deswegen kaum noch möglich. Sogenannte Stay-Low-Optionsscheine könnten hier Abhilfe schaffen.

Kein Bulle, keine Rally. Mit speziellen Zertifikaten lässt sich auch ohne Dax-Hausse Geld verdienen. Reuters

Stay-Low-Optionsscheine

Kein Bulle, keine Rally. Mit speziellen Zertifikaten lässt sich auch ohne Dax-Hausse Geld verdienen.

DüsseldorfAuf die Euphorie folgte die Ernüchterung – so lässt sich die diesjährige Entwicklung an den Aktienmärkten in Europa und Amerika treffend beschreiben. Und es ist völlig normal, dass sich Indizes wie der Dax oder der S&P-500 nun eine Verschnaufpause gönnen. Denn nach der dynamischen Rally im ersten Quartal 2015 sind viele Aktien keine Schnäppchen mehr. Des Weiteren gibt es nach wie vor einige Risikofaktoren wie zum Beispiel das ungelöste Schuldenproblem in Griechenland und eine zu erwartende Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China.

Vor diesem Hintergrund ist es riskant, mit Hebelprodukten auf eine Fortsetzung der Rally der Aktienmärkte in Europa und den USA zu setzen. Eine starke Abwärtsbewegung ist allerdings aufgrund der reichlich vorhandenen Liquidität auch nicht zu erwarten. Eine interessante Alternative zu klassischen Optionsscheinen und Knock-Out-Zertifikaten sind die Stay-Low-Optionsscheine vom französischen Bankhaus Société Générale.

Wie Indexzertifikate funktionieren

Funktionsweise

Indexzertifikate sind die älteste Form der Strukturierten Zertifikate und wurden im Jahr 1989 von der Dresdner Bank erstmalig emittiert. Inzwischen sind Indexzertifikate im Produktangebot fast jedes Emittenten zu finden. Im Vergleich zu anderen Zertifikatearten ist die Funktionsweise von Indexzertifikaten, auch als Delta-1- oder Tracker-Zertifikate bezeichnet, denkbar einfach. Sie bieten dem Inhaber eine preiswerte und unkomplizierte Möglichkeit, an der Entwicklung eines bestimmten Börsenbarometers zu partizipieren. Dabei sind nicht nur Produkte auf Standardindizes wie Dax oder Euro Stoxx 50 zu finden, sondern auch auf eigens von Emittenten entwickelte Indizes.

Wie Anleger profitieren

Anleger profitieren mithilfe von Indexzertifikaten direkt von der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Index. Kursgewinne des Zertifikats sind auf die Entwicklung des Index begrenzt sind und die Partizipation bei einer negativen Indexentwicklung nicht durch eine Absicherung oder Kapitalgarantien verringert werden kann. Gleichzeitig ist die Preisfeststellung einfach und transparent und kann vom Anleger mit einem Blick auf den Indexstand jederzeit nachvollzogen werden. Durch den fortlaufenden Börsenhandel sind Indexzertifikate sehr liquide Anlagen.

Das Währungsrisiko ausschalten

Sollte der zugrundliegende Index nicht in Euro notieren, können sich Anleger gegen ein solches Fremdwährungsrisiko mit dem Kauf sogenannter Quanto-Zertifikate schützen. Diese sorgen dafür, dass der Punktestand des Referenzindex eins zu eins in Euro umgerechnet wird. Die Kosten dieser Währungsabsicherung sind unterschiedlich und werden in der Regel über eine Absicherungs- oder Managementgebühr im Zertifikat abgebildet.

Wie Absicherungskosten berechnet werden

Entscheidende Rolle bei diesen Absicherungskosten spielt der Zinsunterschied zwischen den Währungszonen. Ist das Zinsniveau der Indexwährung höher als das Zinsniveau in der Eurozone, entstehen effektive Kosten für die Währungssicherung. Ist das Zinsniveau niedriger als in der Eurozone entstehen keine Kosten durch die Währungsabsicherung. In der Folge sollte ein solches Indexzertifikat auch keine weiteren Kosten enthalten. Vielmehr müssten Emittenten hier sogar zusätzliche Absicherungsgewinne im Zertifikat widerspiegeln, was aber in der Praxis meist nicht geschieht. In der Regel enthalten die Bedingungen solcher Quanto-Indexzertifikate eine variable Absicherungsgebühr, die an sich verändernde Zinsniveaus angepasst werden kann.

Bezugsverhältnis

Das Bezugsverhältnis drückt die Höhe der Partizipation an der Indexentwicklung aus. Es gibt an, wie viele Zertifikate das jeweilige Kursbarometer widerspiegeln bzw. mit welchem Bruchteil ein Zertifikat den Basiswert abbildet. Gängige Bezugsverhältnisse sind 1 :1, 10 :1 und 100 :1 oder, je nach Darstellung, 1 :10 und 1 :100. Bei einem Dax-Stand von 10.000 Punkten kostet ein Indexzertifikat 10.000 Euro, wenn das Bezugsverhältnis 1 :1 ist. Bei einem Bezugsverhältnis von 10 :1 beziehungsweise 1:10 kostet es 1000 Euro, und bei einem Bezugsverhältnis von 100 : 1 beziehungsweise 1 : 100 kostet es 100 Euro. Steigt der Dax um 1.000 Punkte, kosten die Zertifikate, je nach Bezugsverhältnis, 10.000 Euro, 1000 Euro oder 100 Euro.

Laufzeit

Während die ersten Zertifikate noch eine feste Laufzeitbegrenzung und teilweise eine Option des Emittenten auf Laufzeitverlängerung hatten, hat sich in den letzten Jahren die Variante ohne Laufzeitbegrenzung, sogenannte OpenEnd-Zertifikate, durchgesetzt. Im Fall dieser Open-End-Zertifikate stehen sowohl Inhaber als auch Emittent ein Kündigungs- bzw. Rückgaberecht zu. Endet die Laufzeit eines Indexzertifikats oder wird es durch den Emittenten gekündigt, wird am Fälligkeitstag der dann gültige Indexstand unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses zurückgezahlt. Es erfolgt also ein Barausgleich und keine Lieferung von anderen Wertpapieren.

Auf die Dividenden achten

Indexzertifikaten haben sich aufgrund ihrer transparenten Berechnung bei Anlegern etabliert. Da Dividendenerträge einen großen Teil des langfristigen Vermögenszuwachses ausmachen, sollten Zertifikate auf Performanceindizes (Total-ReturnIndizes) bevorzugt werden, da diese die von den im Index enthaltenen Aktien ausgeschütteten Dividenden wieder in den Index reinvestieren. Bei Indexzertifikaten handelt es sich, im Vergleich zu gemanagten Investmentfonds, um eine passive Anlage. Bei schlechten Kursaussichten für den zugrunde liegenden Index sollte deshalb das Zertifikat in eine neue, aussichtsreichere Anlage getauscht werden.

Diese exotischen Finanzprodukte überzeugen mit einem einfachen Funktionsmechanismus: Notiert der jeweilige Basiswert während der Laufzeit stets unter einem von der Emittentin festgelegten Knock-Out-Level, erhalten die Anleger am Ende der Laufzeit eine Gutschrift von zehn Euro pro Optionsschein. Wird der Schein jedoch „ausgeknockt“, müssen dessen Besitzer einen Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals hinnehmen. Daher ist eine sorgfältige Auswahl bei Stay-Low-Optionsscheinen von großer Bedeutung.

Generell ist das Verlustrisiko bei teuren Scheinen, die zwischen acht und neun Euro kosten, meistens geringer als bei den günstigen Scheinen, die allerdings mit hohen Renditen glänzen. Des Weiteren sollten Anleger bevorzugt Scheine mit kurzen Laufzeiten ordern und diese bereits vor dem Laufzeitende verkaufen, wenn sich deren Kurse der 10-Euro-Marke annähern.

In Stay-Low-Optionsscheine sollten nur kleine Beträge investiert werden. Außerdem ist es sinnvoll nach dem Kauf Stopp-Kurse zu platzieren, um einen Totalverlust zu vermeiden. Wer diese Regeln beherzigt, kann sich beispielsweise einen Stay-Low-Schein (WKN: SG7 L3A, Knock-Out-Level: 13.000 Punkte) auf den Dax ins Depot legen. Damit lässt sich bis zum 24. Juli 2015 eine Rendite von rund 32 Prozent erzielen.

Etwas defensiver ist ein anderer Stay-Low-Schein (WKN: SG9 QKV, Knock-Out-Level: 13.500 Punkte) auf den deutschen Leitindex, der am 28. August 2015 fällig wird. Hier beträgt die erzielbare Rendite aber nur zwölf Prozent.

Ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis bietet auch ein Stay-Low-Schein (WKN: SG6 J1X, Knock-Out-Level: 2300 Punkte) auf den S&P 500. Dessen Laufzeit endet am 29. Dezember 2015. Zuletzt war dieser Schein für 8,30 Euro zu haben. Somit errechnet sich eine Rendite von 20,5 Prozent. Eine ähnlich hohe Rendite lässt sich mit einem Stay-Low- Schein (WKN: SG8 BAU, Knock-Out-Level: 17.500 Punkte) auf den Hang Seng China Enterprises-Index erzielen, der am 25. September 2015 fällig wird. Dieses Kursbarometer ist in den zurückliegenden Wochen deutlich gestiegen und infolgedessen reif für eine leichte Korrektur.

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