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06.02.2015

06:34 Uhr

Risikopuffer

Anleger im Dividendenrausch

VonMatthias von Arnim

Zinsen wird es in den kommenden Jahren quasi nicht mehr geben. Das ist ausgemachte Sache. Selbst Anleger, die bisher lediglich auf den Werterhalt ihres Vermögens geachtet haben, müssen deshalb umdenken.

Dividendenrekordjahr 2015: Wo liegen die Risiken?

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DüsseldorfIn guten wie in schlechten Börsenzeiten – auf Dividendenzahlungen können sich Anleger bei vielen Unternehmen verlassen. Sie wirken für die Aktionäre als Risikopuffer und bescheren ihnen auch in Zeiten von Niedrigzinsen einen regelmäßigen Kapitalfluss.

Erst vor wenigen Wochen hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Katze aus dem Sack gelassen: Sie belässt nicht nur die Zinsen niedrig, sondern kauft nun monatlich Staatsanleihen im Wert von sagenhaften 60 Milliarden Euro. Mario Draghi mag damit nicht überall auf Verständnis stoßen – doch Aktionäre lieben ihn, denn er sorgt für gute Laune an Europas Börsen. Die Schattenseite: Billiges Geld ist ein Graus für Zinssparer. Bundesanleihen bringen derzeit nach Steuern und Inflation unter dem Strich negative Erträge. Selbst rumänische oder bulgarische Staatsanleihen mit 18 bis 30 Monaten Restlaufzeit rentieren mit weniger als einem Prozent Rendite per annum.

Wer wenigstens zwei oder drei Prozent Rendite einfahren will, muss schon auf Anleihen von Unternehmen mit niedriger Bonität ausweichen. „Wer als konservativer Investor Wert auf regelmäßigen Kapitalfluss aus festverzinslichen Anlagen legt und gleichzeitig ruhig schlafen möchte, kommt angesichts solcher sich bietenden Anlagealternativen ins Grübeln“, sagt Jakob Penndorf, Vermögensverwalter bei Gebser & Partner in Frankfurt. „Auch Kunden, die vornehmlich den Wert ihres Vermögens erhalten wollen, müssen umdenken.

Als Alternative zu Zinsstrategien bieten sich da zunehmend Dividendenstrategien an“, so Penndorf. Dividendenstarke Aktien gibt es noch genug: Im laufenden Jahr bieten die 30 Dax-Konzerne eine durchschnittliche Dividendenrendite von etwa drei Prozent, Euro Stoxx 50-Aktien warten mit durchschnittlich 3,5 Prozent per annum auf.

Was dividendenstarke Aktien zusätzlich attraktiv macht: „In der Vergangenheit haben sich solche Papiere in der Regel besser entwickelt als der Marktdurchschnitt“, so Penndorf. So ist es kein Zufall, dass in den zurückliegenden Jahren immer wieder Fonds und Finanzprodukte auf den Markt kamen, die sich auf die Dividenden-Stars unter den Aktien konzentrieren. Ein Beispiel dafür ist der der ETF Euro Stoxx Select Dividend 30 von iShares (WKN 263528), der die Wertentwicklung der 30 dividendenstärksten Aktien aus den Ländern der Euro-Zone nachvollzieht.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Der Index, der dem ETF als Basiswert dient, enthält ausschließlich Unternehmen, deren Dividende in den vergangenen fünf Jahren nicht gesunken ist und bei denen das Verhältnis von Dividende zu Gewinn je Aktie höchstens 60 Prozent beträgt. In den zurückliegenden zwei Jahren ist der Wert des Index um 29 Prozent gestiegen. Für Dividendenjäger ist das ein sehr angenehmer Nebeneffekt. Wichtiger für sie: Der ETF schüttet regelmäßig die Dividenden der im Index enthaltenen Aktien aus. So kann der ETF in einem Portfolio zu regelmäßigen Kapitalflüssen beitragen.

Kommentare (5)

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Herr Peter Lorenz

06.02.2015, 10:35 Uhr

"Zinsen wird es in den kommenden Jahren quasi nicht mehr geben." Liebes HB, es gibt neben BUndesanleihen auch Anleihen von Unternehmen, die sehr wohl Zinsen zahlen. Könnte man erfahren, wer der Auftraggeber für die Aktienwerbung ist? Warum wird ein Aktienfonds mit wesentlich höherem Risiko beworben, während ETFs mit Unternehmensanleihen bei vergleichbarer Rendite aber weniger Risiki unerwähnt bleiben?

Herr Peter Spiegel

06.02.2015, 11:36 Uhr

Für Fonds gilt. Es steht jeden Tag ein Dummer auf nur finden muß man ihn.
Daher die Werbung.

Herr Christian Blank

06.02.2015, 14:12 Uhr

Eine interessante Rendite-Alternative können die neuen KAGB-regulierten Immobilienfonds mit Spezialisierung auf Wohnimmobilienentwicklung sein. Sie sind aufgrund eines ausgeglichenen Rendite/Risiko-Profils meiner Meinung nach planbarer als Aktien. Es kommt jedoch auf den Anbieter an. Hier ist sorgsam zu selektieren, wie die Investitionen erfolgen, z.B. reine Eigenkapitalbasis, möglichst hoher Streuungsgrad in mehrere Objektentwicklungen und Konzentration auf die stark nachgefragten Metropolregionen (insbesondere Berlin). Wichtig ist dabei auch der Exit: Ein Immobilienfonds mit Bestandshaltung, der die Rendite durch die Vermietung von Immobilien erzielt, wird sich sicher schwerer tun, als ein Beteiligungsangebot, bei dem die Wohnungen zum Zeitpunkt der höchsten Wertschöpfungsphase im Leben einer Immobilien sofort verkauft werden. Bei letzterem ist jedoch der Exit sicherzustellen.

Als Anleger sollte man in seinem Portfolio ohnehin nicht einseitig auf Aktien setzen - es geht auch wieder genauso schnell bergab und dann ist das Gejammer groß. Insofern Sachwertanlagen in jedem Fall einbeziehen in die Anlageentscheidung. Es wäre begrüßenswert, wenn der Autor im Rahmen eines weiteren Artikels auf seriöse Anlage-Alternativen hinweisen würde, die ebenso Rendite liefern, ohne die Risiken zu forcieren.

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