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08.08.2011

08:33 Uhr

Rohstoff-Investment

Silber-Wette mit Sicherheitsnetz

VonJessica Schwarzer

Ist der Silberpreis heiß gelaufen? Droht ein Rücksetzer? Mit einem neuen Produkt setzen Anleger mit Sicherheitspuffer auf das Edelmetall und erzielen trotzdem eine stattliche Rendite. Das Ganze hat aber einen Haken.

Ein Barren aus Feinsilber und Silberkörner Quelle: dpa

Ein Barren aus Feinsilber und Silberkörner

DüsseldorfSilber ist gefragt, nicht nur am Ringfinger. Auch Anleger hatten in den vergangenen Monaten ihre Freude an dem glänzenden Edelmetall. Erst Ende April hat der Silberpreis ein Hoch von fast 50 US-Dollar erreicht. Zwar ging es seither wieder etwas bergab mit der Notierung, auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Silberpreis aber dennoch mehr als verdoppelt. Nicht zuletzt die Schuldenkrise in Südeuropa und in den USA treibt die Anleger in Edelmetalle, die als sichere Häfen gelten.

Investoren, die mittelfristig nicht an zu große Rückschläge des Silberpreises glauben, will Barclays mit einem neuen Produkt locken. Das „9% Memory Express-Zertifikat auf Silber“ (WKN BC3ZHM) richtet sich an Anleger, die einen Rücksetzer des Silberpreises zwar nicht ausschließen, aber davon ausgehen, dass das Edelmetall in den kommenden drei Jahren nicht mehr als 30 Prozent an Wert verlieren wird. Denn dann lockt ein Kupon von jährlich neun Prozent.

Diesen Kupon gibt es aber nur, wenn der Silberpreis die sogenannte Tilgungsschwelle von 70 Prozent nicht unterschreitet. Das heißt: Der Silberpreis darf am Bewertungstag (jedes Jahr am 8. August) nicht unterhalb von 70 Prozent des Kurses am Auflagetag des Zertifikates notieren – also nicht mehr als 30 Prozent verloren haben. Notiert das Edelmetall unterhalb dieser Schwelle, wird kein Kupon gezahlt.

Meilensteine für Silber: Seit 1973

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

April 2011

Doch Ende April kommt die plötzliche Wende: Unmittelbar nachdem der Silberpreis den Rekordpreis geknackt hat und über 50 Dollar gestiegen ist, setzt eine scharfe Korrektur ein. Binnen einer Woche stürzt die Notierung um ein Drittel auf 33 Dollar ab. Vielen Anlegern ist die Rally offenbar zu heiß geworden, zudem verschärfen zahlreiche Börsen die Sicherheitsanforderungen für den Handel mit Silber-Kontrakten. Das schreckt Investoren zusätzlich ab.

Juni 2012

Der Silberpreis erreicht Ende Juni mit 26,16 Dollar den tiefsten Stand seit Jahren. Auf diesem Niveau stabilisiert sich der Preis, eine nachhaltige Erholung ist allerdings nicht in Sicht.

31.Dezember 2012

Der Silberpreis notiert am Ende des Jahres 2012 bei 29,10 Dollar. Auf Jahressicht legt Silber um knapp 9,0 Prozent zu. Gold schafft dagegen nur ein Plus von 6,6 Prozent.

Juli 2013

Der Silberpreis fällt bis Ende Juli 2013 um mehr als 35 Prozent auf 19 Dollar. Die massive Geldschwemme der weltweiten Notenbanken treibt die Anleger raus aus den als „sicher" geltenden Edelmetallen.

20. Dezember 2013

Der Silberpreis ist seit August von 24 Dollar auf gut 19 Dollar gefallen. Damit hat er fast wieder die Jahrestiefs erreicht.

Endgültig verloren ist die Zahlung aber nicht – dank des Memory-Effekts. Notiert Silber an einem späteren Bewertungstag auf oder oberhalb der Schwelle, werden alle bis dahin ausgefallenen Kupons nachgeholt. Das kann dazu führen, dass alle Kupons erst mit Fälligkeit des Zertifikats gezahlt werden. Natürlich nur dann, wenn der Silberpreis sich bis dahin soweit erholt hat, dass er 70 Prozent oder mehr des Kurses vom Auflagetag (also dem 8. August 2011) erreicht hat.

Setzt der Silberpreis seinen Höhenflug allerdings fort, greift der sogenannte Express-Mechanismus. Notiert das Edelmetall an einem der Bewertungstage bei 100 oder mehr Prozent, wird das Papier vorzeitig fällig und der Anleger erhält den ursprünglichen Nennwert, also 100 Prozent zuzüglich des Kupons.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

08.08.2011, 08:37 Uhr

ja, der Haken ist, dass es Papier ist!!! Nur physische Edelmetalle zählen...

goldstube24

08.08.2011, 09:16 Uhr

Tja, die Banken mögen die Edelmetall nicht besonders gerne. Denn Geld das in physischen Edelmetallen angelegt ist, entzieht sich ihrem Zugriff.

Wenn es denn sein muss, soll der brave Kunde lieber "Papier-Edelmetall" kaufen. Das liegt dann wenigstens im (Bank-Depot). Und vielleicht kann man den Kunden dazu bringen, das Papier-Metall gegen andere Papiere zu tauschen.

Dass Gewinne auf "Papier-Metall" auch nach längerer Haltedauer als einem Jahr der Steuerpflicht unterliegen (im Gegensatz zu physischem EM), hängt man nicht so gerne an die große Glocke.

Wenn Silber und Gold als langfristiger Vermögensschutz eingesetzt wird, dann sollte man auf phyische Auslieferung bestehen. Sonst tauscht man wieder nur Papier gegen Papier.

Und Papier ist bekanntlich geduldig...

petra

08.08.2011, 09:35 Uhr

Werbung für ein neues Zertifikat im Ticker! Die Qualität vom HB geht doch deutlich (!) zurück!

Zertifikate sind Wetten gegen die Bank, wobei die Bank sofort den vollen Wetteinsatz kassiert, keine Sicherheiten bietet und die Wettregeln nachträglich ändern kann (Verkaufsprospekt!).

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