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05.08.2012

09:19 Uhr

Rohstoffspekulation

Eine ganz heiße Wette

VonRegine Palm

Rohstoffe sind bei Spekulanten beliebt, aber nicht ungefährlich. Anleger, die mitmischen wollen, sollten deshalb einige Regeln unbedingt beachten. Und verschiedene Dinge besser ganz bleiben lassen. Ein kleiner Ratgeber.

Agrarrohstoffe wie Weizen standen zuletzt häufig im Fokus der Märkte. dpa

Agrarrohstoffe wie Weizen standen zuletzt häufig im Fokus der Märkte.

DüsseldorfWaldbrände in Russland, Jahrhundertdürre in den USA: In den vergangenen Wochen standen nicht wie so oft die Edelmetalle oder Rohöl im Mittelpunkt, sondern Agrarrohstoffe wie Weizen, Sojabohnen oder Mais. Das hat bei vielen Anlegern in Erinnerung gerufen, dass die verschiedenen Rohstoffe meist ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen, die für heftige Preisausschläge in die eine oder andere Richtung sorgen.

Bei den Agrargütern könnten die Turbulenzen in den kommenden Monaten noch anhalten. Denn in diesem Jahr wird das Klimaphänomen "El Nino" erwartet, das für extreme Wetterverhältnisse steht. "Einflüsse auf die Ernten sind im nächsten Jahr nicht auszuschließen, sollte es zu einem ausgeprägten El Nino kommen", bestätigt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank.

Die Rohstoff-Fonds der Staaten

So sichern sich Staaten den Zugriff auf Rohstoffe

Während Deutschland erst mühselig seine Versorgung mit Grundgütern wieder in die Hand nimmt, sind besonders die asiatischen Nationen deutlich weiter.

Japan

Japan gründete 1963 das Staatsunternehmen Jogmec. Dieses unterhält ein globales Beteiligungsportfolio für Öl, Gas und Metalle. Das Unternehmen ist ein etablierter Spezialist für die Exploration und Unterstützt Unternehmen wie Mitsubishi oder Toyota und sichert so die japanische Versorgungskette.

Südkorea

Das Staatsunternehmen Kores betreibt 30 Projekte in zehn Ländern. Die Südkoreaner richten den Fokus auf die Exploration und den Aufbau von strategischen Reserven. Im Jahr 2020 will Kores zu den 20 weltweit führenden Bergbauunternehmen zählen. Der 1967 gegründete Staatskonzern unterstützt heimische Konglomerate wie den Stahlkonzern Posco.

Frankreich

Die Franzosen gründeten 2011 ein Komitee für strategische Metalle, Comes. Gemeinsam mit der Regierung wird eine Rohstoffstrategie entwickelt. Das Ziel ist der Ausbau französischer Aktivitäten in Exploration und Bergbau.

Die Wetterkapriolen hätten bei Agrarrohstoffen immer heftige Auswirkungen. Bei schlechten Ernten steigen entsprechend stark die Preise, ergänzt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zudem seien oft starke Preisschwankungen zu beobachten.

Mitte Juni veröffentlichte das amerikanische Landwirtschaftsministerium die stärksten Ernteausfallprognosen für Mais, Soja und Weizen seit vielen Dekaden. Soja und Weizen legten seit Jahresanfang um 40 Prozent zu. Nach einer Reuters-Umfrage unter 13 Analysten dürfte etwa die Maisernte auf ein Sechsjahrestief fallen.

Gemessen am viel beachteten CRB-Rohstoffindex sind Agrarrohstoffe in den vergangenen zwölf Monaten die einzigen Grundstoffe gewesen, die starke Preissteigerungen verbucht haben. Ihre Verteuerung hat dem CRB insgesamt zuletzt einen Anstieg beschert.

Investitionen in Agrarrohstoffe sind allerdings ein heikles Thema und nicht unumstritten. Inzwischen nehmen immer mehr Banken Abstand davon. "Die Landesbank Baden-Württemberg wird den Vertrieb von Investmentprodukten mit Bezug zu Agrarrohstoffen einstellen. Die beiden Fonds 'LBBW Rohstoffe 1' und 'LBBW Rohstoffe 2 LS' werden künftig komplett auf Agrarrohstoffinvestments verzichten", teilte beispielsweise die Stuttgarter Landesbank Ende Juni mit. Im April hatte unter anderem die DekaBank angekündigt, in eigenen Fonds angebotene Wetten auf wichtige Agrarrohstoffe bis zum Jahresende aus dem Portfolio zu streichen.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

05.08.2012, 10:56 Uhr

Am Ende müssen, wie beim Rohöl seit Jahrzehnten, Menschen diese Spekulationsgewinne über den Preis bezahlen. Bei Agrarrohstoffen bedeutet das, dass manche Menschen diese sich nicht mehr leisten können. Also verhungern. Danke, Spekulanten. Danke!

pensionskonto

05.08.2012, 11:16 Uhr

Öl ist eine Domäne der amerikanischen Konzerne - die machen die Preise, genauso wie bei Silber oder Gold, DOW oder S&P. Der Dax hat bestenfalls eine Derivate-Funktion, jedenfalls eine irrsinnig große Korrelation zu den US Indexen, die schon lange hätte hinterfragt werden müssen.

Account gelöscht!

05.08.2012, 12:36 Uhr

Derivate auf Agrarrohstoffe sollten nur für Landwirte o.ä. zugelassen sein, um deren ursprünglicher Funtion der Preisabsicherung gerecht zu werden. Für Spekulanten, insbesondere private, sollte der Markt verschlossen bleiben. Davon mal abgesehen war der Artikel nicht sonderlich hilfreich, das übliche Bla Bla... ROhstoffe
folgen eigenen Gesetzen, Anleger sollten die Risiken beachten, usw. Eher Schwach diesen als Headliner zu verwenden liebes HB!
@Flashgordon: im allgemeinen ist das "Du" in Internetforen geläufig. Da stehst DU als ultraliberaler Hardcoretrader auch nicht drüber.

Viele Grüße von linkspopulitischen, schwächlichen Gerechtigkeitsspinner

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