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16.04.2015

15:14 Uhr

Russland

Der Bär ist wieder erwacht

VonJürgen Röder

Noch vor einigen Monaten haben Experten einen Crash an der Börse in Russland erwartet. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Ein Experte für solch Turnaround-Märkte rät bereits wieder zum Einstieg. Das Tool der Woche.

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DüsseldorfIm September 2014 hatten die Strategen der weltgrößten US-Investmentbank JP Morgan einen Russland-Crash vorausgesagt. Die Moskauer Börse könnte um 50 Prozent einbrechen, sagte der JP-Morgan-Chefstratege Alex Kantarovich: „Herausforderungen und Risiken durch Sanktionen des Westens könnten für Aktien 'unbegrenzt' sein.“.

Das Interessante: Diesen Kurssturz gab es – auch wenn er einige Monate gedauert hat. Gegenüber dem Kurs während der Ankündigung im September fiel der russische Aktienindex RTS, der in Dollar notiert, im Dezember um mehr als 50 Prozent. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere: In den vergangenen drei Monaten ist dieser Index bereits wieder um mehr als 30 Prozent gestiegen.

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Und der russische Aktienmarkt soll nach Meinung des Hedgefondsmanagers Jim Rogers noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben. „Ich bin sehr optimistisch für die Zukunft Russlands. Das ist für mich derzeit der attraktivste Aktienmarkt der Welt“, meint der Experte für Turnaround-Märkte. In Dollar gerechnet stieg der RTS seit Beginn des Jahres um mehr als 20 Prozent. Und das soll seiner Meinung nach so weitergehen.

Jim Rogers gilt als Experte für derartige Turnaround-Situationen. Er hat in den 70er Jahren gemeinsam mit George Soros den Quantum Fonds gegründet, den vermutlich berühmtesten Hegdefonds der Welt. Damals waren Hedgfonds noch ein Fremdwort. 1998 wiederum startete er den Rohstoffindex Rogers International Commodity Index (RICI) - und profitierte so von der Rohstoffbegeisterung der Investoren.

Nach Rogers Meinung sei auch der Boden für den Ölpreis erreicht. Denn während der niedrige Ölpreis für viele Länder ein Segen war, erwies der sich im vergangenen Jahr für Russland als ein Fluch. Zudem setzten die Sanktionen der westlichen Welt der russischen Wirtschaft zu.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Der drastische Preisverfall des Ölpreises potenzierte den Abwärtstrend. „Die Wirtschaft wird vom Energiesektor dominiert und leidet entsprechend“, erläuterte Daniel Schär, Analyst bei der Weberbank, Anfang des Jahres.

Sollte der Ölpreis wieder steigen, so werden auch die Kurse von russischen Energie-Konzernen weiter im Wert steigen – und damit auch die relevanten russischen Börsenindizes, die von diesen Aktien dominiert werden.
Anleger, die auf einen mittelfristigen Turnaround hoffen, sollten möglichst breit gestreut investieren und Einzelinvestments meiden.

Kommentare (11)

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Herr Herbert Maier

16.04.2015, 15:25 Uhr

Und was will der Westen dagegen jetzt tun? Die Sanktionen haben ja nichts gebracht, sondern das ist eher nach hinten losgegangen. Oder sollte man vielleicht mal drüber nachdenken, lieber friedlich zusammen zu arbeiten - wenn Russland das überhaupt noch möchte - anstatt sich zu bekämpfen?

Frau Ursula Neumann

16.04.2015, 15:37 Uhr

Wie, Herr Maier, und den Überfall auf die Krim nicken wir freundlich ab und vergessen das mal ganz schnell?
So viel zum "friedlich zusammenleben". Von der direkten Einmischung des Bären in der Ukraine wollen wir da mal gar nicht reden.

Frau Helga Trauen

16.04.2015, 15:45 Uhr

Es gab keinen "Überfall auf die Krim", "Micheline". Es gibt aber das Selbstbestimmungsrecht der Völker, und eine Referendum mit überwältigenden Stimmen für den (Wieder-)Anschluß an Russland, wo es schon viele Jahrhunderte zugehörig war und erst von Chruschtschow in nebulösen diktatorischen Größenwahn der Ukraine "zugeschlagen" wurden in der zwischenzeitlich kollabierten USSR.
In der Ostukraine wohnen russische Ethnien, deren Zivilisten von der mit Faschisten durchsetzen Kiewer Regierung zu Tausenden ermordert werden durch Artilleriebeschuß der Großstädte Donesk und Lugansk.
[...] Aber Wahrheit bleibt Wahrheit. Da ist es sogar wurscht, wenn es RT berichtete. Die westliche Propaganda, die mit zweierlei Maß misst, widert mich nur ein - so wie Ihr Beitrag auch!
Und nein, mit Putin habe ich nichts zu tun, sondern ich bin eine westdeutsche Liberale, die diesem widerlichen Mediengetrommel, das mich an schlimmste Zeiten in Deutschland erinnert, nicht auf den Leim geht!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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