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23.01.2015

06:27 Uhr

Schweizer Franken

Chancen nach dem Crash

VonMatthias von Arnim

Die Aufhebung der Koppelung des Franken an den Euro hat viele Investoren kalt erwischt. Für die Schweizer Nationalbank war es ein Befreiungsschlag. Für Anleger, die einen kühlen Kopf bewahren, könnte es eine Chance sein.

Auf dem Gipfel angelangt: Der Franken. Getty Images

Auf dem Gipfel angelangt: Der Franken.

Der Schweizer an sich ist nicht bekannt dafür, hektisch oder aus dem Affekt heraus zu agieren. Eher bedacht. Oft langsam. Oder? Umso überraschter war die Finanzwelt am vergangenen Donnerstag, als die Schweizer Notenbank (SNB) ohne Vorwarnung die Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro bekannt gab. Es war ein Paukenschlag, der die Devisen- und Börsenkurse in Europa an diesem Tag durcheinanderwirbelte.

Selbst die Entscheidung der SNB, die Negativzinsen um 0,5 Punkte auf 0,75 Prozent zu senken, um eine Flucht in den Franken weniger attraktiv zu machen, konnte das scheinbar Unvermeidliche nicht verhindern: Die schweizerische Währung legte innerhalb kürzester Zeit fast 35 Prozent an Wert gegenüber dem Euro zu, gleichzeitig brachen die Aktienkurse an der Schweizer Börse im zweistelligen Prozentbereich ein.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

Der Swiss Market Index (SMI), der die Kursentwicklung der 20 liquidesten Titel abbildet, fiel innerhalb von zwei Stunden von 9.252 auf ein Tagestief von 8.095 Punkten. Anleger aus der Schweiz traf es gleich doppelt hart: Nicht nur die schweizerischen Aktienkurse sanken. Wer Teile seines Vermögens im Euro-Raum angelegt hatte, musste mit europäischen Aktien und Anleihen auch noch Währungsverluste in seinem Depot hinnehmen. Der Dax beispielsweise gewann zwar am Donnerstag etwas an Wert. Das glich die Währungsverluste gegenüber dem Franken aber bei weitem nicht aus.

Die schlechte Nachricht: Bis heute hat sich der Markt für Schweizer Aktien nicht erholt. Der SMI notiert immer noch unter 8.200 Punkten. Die gute Nachricht aber lautet: Die Kurse sind nicht weiter eingebrochen

Europäische Aktienindizes haben sogar zugelegt. Und wer als deutscher Anleger Schweizer Aktien im Depot hat, verbucht aufgrund der Währungsgewinne, die die Kursverluste übersteigen, derzeit unter dem Strich einen Gewinn. Der Kurs des Euro gegenüber dem Schweizer Franken hat sich bei etwa eins zu eins eingependelt. Es scheint fast so, als ob nach einem kurzen Schock und einer schnellen Anpassungsphase der Franken seinen fairen Wert gefunden zu haben scheint. Ist nun Alles gut? Zurück zur Tagesordnung? Mitnichten.

Kommentare (2)

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Robert Langer

23.01.2015, 10:38 Uhr

Die Schweizer haben das Richtige richtig gemacht! Ohne Vorankündigung, ohne großes Blabla und bevor die EZB gestern ihr offenes Geheimnis bekanntgab. Gut gemacht!

Herr Thomas Behrends

23.01.2015, 11:25 Uhr

Ich persönlich verstehe die Hysterie bei den Finanzmärkten aufgrund der von der Schweizer Nationalbank getroffenen Entscheidung nicht.

Die Ausschläge beim SMI sind erst recht nicht nachvollziehbar, denn bei den dort gelisteten Aktien (u.a. auch Schwergewichte wie Nestlé) handelt es sich um solide aufgestellte Unternehmen.

Da würde ich mir zuerst einmal die aufgeblähten (gefälschten) Bilanzen der EU-Aktienunternehmen anschauen und deren Performance unter die Lupe nehmen.

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