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05.10.2011

12:09 Uhr

Sparkassen und Comdirect

Banken verführen Kleinanleger zum Zocken

VonJessica Schwarzer, Oliver Stock

Die Commerzbank-Tochter Comdirect bietet jetzt hochspekulative Wetten an. Auch der Online-Broker der Sparkassen mischt mit. Dabei können Kunden viel gewinnen – oder alles verlieren. Die Banken stört nicht, dass sie zum Handlanger der Zocker werden.

Roulette-Spiel: CFDs sind hoch spekulativ. Kritiker vergleichen Investments mit Zockerei im Casino. dapd

Roulette-Spiel: CFDs sind hoch spekulativ. Kritiker vergleichen Investments mit Zockerei im Casino.

DüsseldorfSie wollen die Guten sein. Die Commerzbank beispielsweise, die noch zu einem Viertel in Staatshand ist. Oder die Sparkassen-Gruppe, öffentlich-rechtlich geführt – und von kommunalen Würdenträgern mitbestimmt. Ihre Vorstände lassen keine Gelegenheit aus, um die Unmoral der Finanzmärkte anzuprangern. „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, zu sagen, Banken hätten nichts aus der Krise gelernt. Natürlich haben wir das“, sagt etwa Commerzbank-Vorstand Martin Blessing. Und Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis betont, wie sehr jene Banken, die er vertritt, der „dienenden Funktion für die Kunden“ nachkommen. „Probleme machen diejenigen, die Geschäfte ohne Bezug zu realen Kunden machen“, fügt er hinzu.

Was die Chefs erzählen, gilt nicht – zumindest nicht immer

Doch was die Bankenchefs erzählen, gilt nicht, wenn es um den Umgang mit Kunden geht. Nach S-Broker, dem Onlineableger der Sparkassen-Gruppe, bietet jetzt auch die Commerzbank-Tochter Comdirect ein Produkt an, bei dem es nur um eines geht: Zocken wie im Casino.

„Contracts for difference“ – auf Deutsch: Differenzkontrakte – nennen sich die Produkte, die bislang nur von ausländischen Banken angeboten worden waren. Dabei handelt es sich um Wetten auf die Entwicklung an den Aktien-, Devisen- oder Rohstoffmärkten. Ihnen liegt kein realer Wert, also keine Aktie, kein Rohstoff- oder Devisendepot zugrunde. Der Gewinn oder Verlust einer solchen Wette entspricht der Differenz zwischen dem Eröffnungs- und dem Schlusspreis einer CFD-Transaktion. Anleger können sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse des jeweiligen Basiswerts setzen – und das mit teils enormem Hebel und geringem Kapitaleinsatz. Das verspricht nicht nur satte Gewinne, wenn die Wette aufgeht. Es kann auch schwer danebengehen und Anlegern hohe Verluste bescheren.

Interview: „Ein Ritterschlag für CFDs“

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Spekulieren mit hohem Hebel hat nichts mit Kasino zu tun, sagt René Diehl. Der Vorstand der Wertpapierhandelsbank Cefdex erklärt, warum CFDs besser sind als ihr Ruf und was der Markteintritt der Comdirect bedeutet.

Comdirect bietet die Differenzkontrakte seit September 2011 an. Der Sparkassen-Ableger S-Broker ging schon im Februar an den Start. Spekulationen, dass auch die Deutsche Bank mit ihrem Online-Broker Maxblue in diesem Jahr mit einem entsprechenden Angebot an den Start geht, dementiert die Bank: Man habe sich den Markt angeschaut und tue dies auch weiter, es sei aber nichts geplant.

Einer, der den Markt ganz genau beobachtet, ist Jens Kleine vom Steinbeis Research Center for Financial Services. Er spricht vom „Image des reinen Zockerprodukts“, wenn er das Thema CFD erwähnt. Ausländische Anbieter tummeln sich bereits seit Jahren auf dem deutschen Markt. 60000 CFD-Konten dürfte es seiner Schätzung nach inzwischen in Deutschland geben. Bei den Kunden stellt Kleine eine besondere Börsenaffinität fest. Der Markteinstieg von Comdirect und des S-Brokers werde der Branche „sicherlich einen weiteren positiven Impuls geben“.

Kommentare (11)

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JR10

05.10.2011, 12:52 Uhr

wer keine ahnung von hebelpapieren hat sollte einfach die pfoten davon lassen. wenn jemand sein geld verzockt haben nicht immer die banken schuld. mehr eigenverantwortung fürs geld!

Account gelöscht!

05.10.2011, 13:30 Uhr

Edeka und Aldi verführen Kunden zum Alkoholismus!

Der Titel "Banken verführen Kleinanleger zum Zocken" hat mich doch sehr irritiert. Ich sollte vorweg schicken, dass ich in keinerlei professionellen Beziehung zu Banken stehe.
Spontan ging mir die alternative Headline " Edeka und Aldi verführen Kunden zum Alkoholismus!" durch den Kopf ...... gut gefüllte Regale mit hochprozentigen Spirituosen in Reichweite und das auch bereits vor den Augen der nächsten Generation. Anderer Gedanke.... der Staat, der seine Bürger zum Glücksspiel verführt, um dann kräftig an den Steuern zu verdienen.
Banken haben sicher viele Fehler, haben viele Fehler gemacht, aber die Berichterstattung wird zunehmend einseitig. Von den genannten Banken wird kein Ruheständler oder Kleinanleger in riskante Geschäfte hereingezogen oder beschwatzt. Es ist lediglich ein Angebot, dass auf eine gewisse Klientel trifft. Nicht mehr und nicht weniger. Ich möchte frei entscheiden können, wie ich mein Geld investiere. Die genannten Produkte sind halt keine klassischen Anlageprodukte und werden auch nicht so beworben. Trotzdem möchte ich als Bankkunde die Möglichkeit haben, auch ein solches Produkt nutzen zu können (aus sehr freien Stücken!). Es ist doch viel besser, wenn ich das bei einem "seriösen" deutschen Broker tun kann, als dafür ausländische Handelsplattformen zu bemühen.

Noch eine Anmerkung..... auf der Internetseite des Handeslblattes erscheint regelmäßig Werbung für eben solche CFD`s oder anderer sehr spekulativer Produkte. Sollten Banken verführen wollen, sitzen Sie dann nicht sogar mit im Boot und verdienen daran?

Account gelöscht!

05.10.2011, 13:37 Uhr

"Die Banken stört nicht, dass sie zum Handlanger der Zocker werden."
Das hat sie doch noch nie gestört. Hauptsache die eigene Kasse stimmt!

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