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08.06.2012

12:21 Uhr

Stephan Albrech

„Es ist an der Zeit, Aktien zu kaufen“

VonJessica Schwarzer

Aktien sind langfristig alternativlos, sagt Stephan Albrech. Der Vorstand der gleichnamigen Vermögensverwaltung ist überzeugt, dass aktuell ein guter Zeitpunkt ist, um unterbewertete Standardwerte einzusammeln.

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung . Pressesfoto

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung .

An den Märkten reicht derzeit die kleinste Negativmeldung, schon brechen Angst oder sogar Panik aus. Führt das nicht unweigerlich zu Fehlentscheidungen?

Ganz klar, die Angst der Anleger ist groß, die Abneigung gegenüber Aktien wächst – und das genau zum falschen Zeitpunkt.

Falscher Zeitpunkt?

Ja, es ist an der Zeit zu kaufen, nicht zu verkaufen. In der Schuldenkrise sind Qualitätspapiere mit ordentlicher Dividende unverzichtbar.  Je nach eigener Risikobereitschaft und Anlagehorizont sollten Investoren jetzt neue Positionen aufbauen und bestehende aufstocken. Schließlich kann man viele Aktien nach dem Kursrutsch günstig, oft sogar unterbewertet einsammeln.

Gerade Privatanleger tun sich damit aber schwer, bringen Ihr Geld lieber in Sicherheit. Wie reagieren Ihre Kunden?

Unsere Kunden behalten die Ruhe. Das verwundert mich auch nicht, denn wir informieren sie regelmäßig über die Lage an den Märkten und wie wir diese einschätzen. Unsere Aktienquote hatten wir bereits vor Wochen zurückgefahren, das wussten unsere Kunden.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Trotzdem ist es doch beunruhigend, wenn man tagtäglich neue Wasserstandsmeldungen zur Schuldenkrise und die Verlustmeldungen von den Börsen hört und liest…

Natürlich, aber wer eine langfristige Strategie hat, kann solche Turbulenzen aussitzen. Außerdem ist das Aktiendepot ja immer nur ein Teil des Vermögens unserer Kunden. Hinzu kommen oft Immobilien, Edelmetalle wie Gold oder andere Werte.  Man darf nicht nur auf das Aktiendepot schauen, sondern muss das ganze Vermögen berücksichtigen. Dann relativiert sich vieles und die Schwankungen an den Aktienmärkten sind schon gar nicht mehr so schmerzhaft  – auch wenn der Absturz in den vergangenen Wochen natürlich sehr heftig war.

Kam die Korrektur für Sie überraschend?

Nein, damit habe ich gerechnet. Der Dax ist zum Jahresbeginn viel zu schnell und zu stark gestiegen, das konnte nicht gutgehen. Allerdings habe ich nicht mit einer solch heftigen Korrektur gerechnet. Seit Mitte März hat der Dax rund 40 Prozent des vorherigen 2000-Punkte-Anstiegs wieder verloren. Eine solche Korrektur ist – wenn auch nicht so heftig – übrigens typisch in einem neu etablierten Aufwärtstrend. 

Die goldenen Regeln des Value-Investors Warren Buffett

Gezielt auswählen

Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden.

Weniger ist mehr

Beschränken Sie sich auf Unternehmen, die Sie wirklich verstehen können. Zehn bis 20 sind in Ordnung, ab 20 ist Ärger vorprogrammiert.

Viel auf Wenige setzen

Suchen Sie sich unter Ihren guten Unternehmen die besten aus und stecken Sie den größten Teil Ihrer Investments in diese.

Langfristig denken

Denken Sie langfristig: mindestens fünf bis zehn Jahre.

Keine Panik

Volatilität kommt vor. Bleiben Sie dran.

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Sie glauben also, dass es bald wieder aufwärts geht?

Ja, wir erleben gerade eine kurzfristige Korrektur, aber nicht den Beginn einer monatelangen Durststrecke. Was dafür spricht, dass es bald nach oben gehen kann, ist die hohe Liquidität in den Märkten. Wir brauchen aber auf jeden Fall auch klare politische Signale. Grundsätzlich bin ich aber optimistisch.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

08.06.2012, 12:46 Uhr

Zertifikate?

Das sind doch die Papiere, die eine Blase bzw. einen Crash noch schneller hebeln, oder

Das ganze derivative Zeugs für den zumeist Retail-Kunden sollte ernsthaft überdacht werden.

Entweder ich bin von einem Unternehmen/Land/Währung/Rohstoff überzeugt, dann kaufe/halte ich oder überlege mir, dass es überbewertet ist, so steige ich aus bzw. warte bis es (durch Verkauf anderer) einen für mich attraktiv ist.

Daher ist das FinMin/ Bafin mit dem Verbot des Leerverkaufs eine uneffektiv im Kampf gg. die bösen Heuschrecken und Spekulaten/Banken.
Nur ein klares Verbot von (OTC) Derivaten führt zu einer "gesunden Normalität".

Account gelöscht!

08.06.2012, 12:49 Uhr

Aktien werden wie die anderen Werte es noch richtig abrauchen, bislang ist ja fast noch gar nichts passiert....der richtige Knall kommt ja erst noch...wenn der kommt und sich bessert, DANN würde ich richtig in aktien investieren, vorher sicher nicht mehr, es sei denn zum zocken.

Account gelöscht!

08.06.2012, 14:28 Uhr

Sehen sie sich diesen Typ doch nur an!
Das ist der Prototyp desjenigen,dem wir die Finanzkrise verdanken.

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