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08.05.2014

13:35 Uhr

Tool der Woche

Hochzeit für Hochzeiten

VonMatthias von Arnim

Viele Unternehmen wissen nicht wohin mit ihrer Liquidität und gehen deshalb auf Einkaufstour. Das Fusionskarussell dreht sich immer schneller und treibt die Börsenkurse. So können auch private Anleger davon profitieren.

Nicht nur bei chinesischen Paaren ist Heiraten angesagt. Auch viele Unternehmen schließen sich zusammen. ap

Nicht nur bei chinesischen Paaren ist Heiraten angesagt. Auch viele Unternehmen schließen sich zusammen.

Wenn sich das Übernahmekarussell immer schneller zu drehen beginnt, wird es an der Börse spannend. Denn der Effekt von Fusionsgerüchten ist immer derselbe: Die Aktienkurse der Übernahmeziele schießen meist schon im Vorfeld, spätestens aber kurz nach der offiziellen Meldung, in die Höhe. Kurszuwächse im zweistelligen Prozentbereich sind dabei eher die Regel als die Ausnahme. Solche Entwicklungen sind auch aktuell wieder zu beobachten.

Als Mitte April das Gerücht aufkam, dass der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer den britischen Konkurrenten Astra-Zeneca übernehmen würde, stieg dessen Aktienkurs innerhalb weniger Tage von 45 auf mittlerweile über 57 Euro. Auch General Electric (GE) hat ein Auge auf ein europäisches Unternehmen geworfen: GE liefert sich mit Siemens einen Bieterkampf um die Energiesparte von Alstom. Seit Bekanntwerden des GE-Interesses an dem kränkelnden französischen Konzern ist der Kurs der Alstom-Aktie um 50 Prozent in die Höhe geschnellt.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Die Liste lässt sich fortsetzen. Allergan, Forest Labs, Lafarge und Time Warner stehen ebenfalls auf den Kaufzetteln verschiedener Bieter. Laut Bloomberg werden derzeit Übernahmen und Fusionen im Wert von rund 1,3 Billionen Dollar verhandelt. Das entspricht einem Volumenanstieg von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist der höchste Wert für die ersten vier Monate eines Jahres seit 2007, dem Jahr der Mega-Fusionen. Selbst hoch profitable Konzerne, die schon alleine aufgrund ihrer Börsenkapitalisierung als unangreifbar galten, kamen vor sieben Jahren unter die Räder, wie beispielsweise der damals größte US-Immobilienkonzern Equity Office Property Trust, der vom Finanzinvestor Blackstone für 39 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro) übernommen wurde.

Oder der kanadische Bergbaukonzern Alcan, der für ebenfalls rund 39 Milliarden US-Dollar in den Besitz des Konkurrenten Rio Tinto überging. Der niederländische Bankenkonzern ABN Amro ging 2007 gar für 70 Milliarden Euro über den Tisch und wurde unter den Bietern Royal Bank of Scotland, Banco Santander und Fortis aufgeteilt. Es war die bis dahin größte Bankenübernahme weltweit. In allen drei genannten Fällen stiegen die Börsenkurse nach Bekanntwerden der Übernahmegerüchte innerhalb kurzer Zeit um 30 bis 40 Prozent.

Die Mega-Deals waren eine Sensation. Die Übernahmewelle trieb allgemein die Börsenkurse, die Aktienindizes erreichten neue Rekordhöchststände – allerdings folgte dem Boom ein böses Erwachen. Bereits im Herbst 2007 brachen die Aktienmärkte ein. Zwölf Monate später hatte der S&P 500 Index die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

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