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17.09.2014

15:21 Uhr

Üppiges Angebot

Ölpreise weiterhin im freien Fall

Quelle:Börse am Sonntag

Die Ölpreise können sich bislang nicht erholen. Trotz geopolitischer Krisen sinken die Preise angesichts der extrem hohen Fördermengen. Was Anleger beachten sollten, falls es doch zum Richtungswechsel kommt.

Die Fördertürme pumpen, was das Zeug hält – doch das Öl wird derzeit kaum gebraucht. Reuters

Die Fördertürme pumpen, was das Zeug hält – doch das Öl wird derzeit kaum gebraucht.

DüsseldorfIn den vergangenen Wochen knirschte es geopolitisch gewaltig, insbesondere im Zusammenhang mit Ländern und Regionen, die zu den wichtigsten Ölförderern gehören, wie Russland, Irak und generell der Nahe Osten. Eigentlich Faktoren, die kurstreibend für die Ölpreise sind. Davon war diesmal jedoch nichts zu spüren, wie die Entwicklung an den Terminmärkten offenbart. Mit den jüngsten Verlusten hat der Oktober-Future der Nordseesorte Brent in der Spitze um mehr als 15 Prozent nachgegeben. Das Pendent für das US-Öl WTI rutschte mehr als 14 Prozent ab.

Die geopolitischen Spannungen werden von den profanen fundamentalen Faktoren überlagert. Das Angebot ist derzeit äußerst üppig. Zu den dafür verantwortlichen Faktoren zählt der derzeitige Öl-Boom in den USA (Stichwort: Fracking). Dort wurde im August mit durchschnittlich 8,6 Millionen Barrel pro Tag so viel des schwarzen Goldes aus dem Boden geholt wie seit Juli 1986 nicht mehr, berichtete jüngst die U.S. Energy Information Administration (EIA). Im Gesamtjahr 2013 waren es rund 7,5 Millionen Barrel pro Tag. Für 2014 werden im Durchschnitt 8,5 Millionen prognostiziert. Im nächsten Jahr sollen es dann schon 9,5 Millionen Barrel pro Tag sein. Bewahrheitet sich diese Vermutung, wäre es die größte Fördermenge seit 1970.

Es drückte jedoch nicht allein die komfortable weltweite Versorgungslage auf den Preis. Hinzu kommt die sich verstärkende Annahme, einer global nachlassenden Dynamik beim Wachstum der Ölnachfrage, angesichts der konjunkturellen Risiken. Die Gemengelage aus solidem Angebot bei gleichzeitig moderatem Bedarf könnte auch weiterhin belastend auf die Entwicklung der Rohölpreise wirken. Gleichwohl bleibt das Risiko, eines plötzlichen und kräftigen Richtungswechsels, zum Beispiel, wenn sich die geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit Russland verschärfen.

Anleger, die auf einen plötzlichen Richtungswechsel beim Ölpreis setzen wollen, sollten sich des Risikos eines derartigen Investments bewusst sein. Denn passende Index-Zertifikate oder ETCs (Exchange Traded Commodities) haben einen Nachteil: In vielen Phasen entstehen für Anleger sogenannte Rollverluste.

Der Grund dafür liegt in der grundsätzlichen Struktur: Zertifikate und ETCs auf Rohstoffe investieren nämlich nicht in die Rohstoffe selbst, sondern in Rohstoff-Futures. Denn anders wie bei Rohstoffen Gold oder Silber kann Rohöl allein schon aus Kapazitätsgründen nicht einfach gelagert werden. Und diese Futures müssen jeden Monat ausgetauscht werden, denn anders als die betreffenden Open-End-Zertifikate haben Futures immer ein Laufzeitende.

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