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10.10.2013

20:39 Uhr

US-Haushaltsstreit

„Ami-Land“ ist abgebrannt

VonMatthias von Arnim

Die USA stehen mit 16,7 Billionen Dollar Schulden kurz vor der offiziellen Pleite. Keine neue Situation – doch eine mit bisher völlig gegensätzlichen Auswirkungen auf die Börsen. Was die Geschichte Anleger lehren sollte.

Wenn sich Republikaner und Demokraten nicht rechtzeitig auf eine höhere Schuldenobergrenze einigen, gerät der US-Staatsapparat ins Schlingern. Bereits jetzt kostet die Einschränkung des Staatsdienstes die Wirtschaft rund 300 Millionen US-Dollar täglich. Getty Images

Wenn sich Republikaner und Demokraten nicht rechtzeitig auf eine höhere Schuldenobergrenze einigen, gerät der US-Staatsapparat ins Schlingern. Bereits jetzt kostet die Einschränkung des Staatsdienstes die Wirtschaft rund 300 Millionen US-Dollar täglich.

FrankfurtIm Land der fast unbegrenzten Möglichkeiten ist die gesetzlich festgeschriebene Schuldenobergrenze von aktuell 16,7 Billionen US-Dollar erreicht. Der US-Staatshaushalt steht deshalb kurz vor dem Kollaps. Und das alles, weil die Republikanische Partei einer Erhöhung des Schuldenlimits nur dann zustimmen will, wenn Präsident Obama Kompromisse bei der gesetzlichen Krankenversicherung eingeht. Die knappe Zeit bis zum 17. Oktober nutzen die Republikaner als politischen Hebel, den sie vermutlich bis zur letzten Sekunde ausspielen: Denn bis zu diesem Datum muss die Heraufsetzung der Schuldenobergrenze beschlossen werden. Ansonsten dürfen die USA zur weiteren Finanzierung ihrer Ausgaben keine weiteren Kredite mehr aufnehmen.

Einher mit dem Kampf um die Schuldenobergrenze geht der sogenannte Shutdown, der das öffentliche Leben in den USA seit Anfang des Monats behindert. Dabei verweigerten die Republikaner Obama die Genehmigung des neuen Haushalts. Auch bei dieser Abstimmung sollte der US-Präsident als Gegenleistung Teile seiner Gesundheitsreform opfern. Doch Obama weigerte sich. Die Folge: Die USA haben keinen verabschiedeten Haushalt und zahlreiche Staatsbedienstete mussten umgehend in Zwangsurlaub.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Die Kosten für dieses Spiel sind schon jetzt unverhältnismäßig hoch: „An den Zollstellen in den Häfen und Flughäfen, in denen Waren umgeschlagen werden, wird nur noch mit halber Kraft gearbeitet. Genehmigungsverfahren in den Behörden werden aufgeschoben, Gerichtsentscheide vertagt, zu prüfende Unterlagen für anstehende Bahntransporte bleiben liegen. Die Einschränkung des Staatsdienstes kostet die Wirtschaft schon jetzt rund 300 Millionen US-Dollar täglich“, rechnet Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, vor.

Düster nehmen sich auch die Prognosen des US-Finanzdienstes Macroeconomic Advisers aus: Eine Woche Stillstand würden demnach im vierten Jahresquartal rund 25 Milliarden US-Dollar kosten – das entspräche 550 Millionen US-Dollar pro Tag. Beißen sich Republikaner und Demokraten im Kongress ineinander fest, und kommt es zu keiner Lösung, drohen den USA und auch der Weltwirtschaft unabsehbare Folgen.

Kommentare (36)

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Republikaner

10.10.2013, 21:11 Uhr

Irrtum! Ami Land wird nie abbrennen, weil Dollars in unbegrenzter Menge verfügbar.

Fuck_You

10.10.2013, 21:14 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Ratlos

10.10.2013, 21:40 Uhr

http://www.usdebtclock.org/#

das ist was für die augen....mir wird dabei schwindlig...

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