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07.08.2011

13:58 Uhr

Wachstumsmarkt Thailand

Die Börse feiert – egal, wer regiert

VonUrs Wälterlin

Die politische Lage in Thailand gilt auch nach der Wahl als instabil. Trotzdem ist das Land einer der attraktivsten Standorte für Unternehmen in Asien.

Im traditionsbewussten Thailand mangelt es nicht an Drang zur Modernisierung. Quelle: Reuters

Im traditionsbewussten Thailand mangelt es nicht an Drang zur Modernisierung.

BangkokEs war ein Erdrutschsieg, wie ihn nur wenige für möglich gehalten hatten: Bei den Parlamentswahlen am 3. Juli in Thailand erzielte die Oppositionspolitikerin Yingluck Shinawatra gegen den Premierminister Abhisit Vejjajiva einen überwältigenden Erfolg. Ihre Partei gewann 265 der 500 Parlamentssitze. Shinawatra, die jüngere Schwester des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra, wird damit die erste Premierministerin Thailands. Die thailändische Börse reagierte enthusiastisch. Die Anleger, die in den letzten Jahren von den anhaltenden politischen Querelen verschreckt wurden, kehrten in Scharen zurück.

Auch wenn in Bangkok derzeit ein fast euphorisches Klima herrscht: Die politischen Risiken werden in der nach Indonesien zweitgrößten Volkswirtschaft Südostasiens wohl noch auf absehbare Zeit groß bleiben. Über seine Schwester dürfte Thaksin Shinawatra erneut die Geschicke des Landes leiten - wenn nicht offen, dann verdeckt. Dass der 2006 vom Militär abgesetzte, später wegen Korruption verurteilte und ins Ausland geflohene Multimillionär erneut die Fäden zieht, werden seine Gegner langfristig kaum akzeptieren.

Thailands Stärken und Schwächen

Neue Regierung

Gelingt es Premierministerin Yingluck Shinawatra, das Land zu versöhnen, wird sich das stimulierend auf das Anlegervertrauen auswirken.

Junge Bevölkerung

Viele Thais sind jung und kauffreudig. Der Binnenmarkt bietet vor allem im Konsumsektor große Chancen.

Lage

Das moderne Bangkok ist als Ausgangsort für Geschäfte mit den Ländern der kommenden Wirtschaftsgemeinschaft Asian Economic Community (AEC) ein sehr guter Standort.

Einfluss der alten Regierung

Yingluck Shinawatra steht unter dem Einfluss ihres Bruders Thaksin. Kehrt der verurteilte Ex-Premier in einflussreicher Position zurück, könnte das die politische Lage verschärfen.

König Bhumibol Adulyadej

Was geschieht, wenn der greise Monarch stirbt, ist unklar. Keines seiner Kinder hat den Beliebtheitsgrad des amtsältesten Regenten der Welt.

Thailand hat sich schnell von den politischen Unruhen erholt

Und doch: Erfahrenen Wirtschaftsvertretern raubt das unstete Politklima kaum den Schlaf. Denn die Vergangenheit zeigt, dass die Wirtschaft in Thailand auch in Zeiten innenpolitischer Krisen bestens funktioniert. Wie Alexander Hirschle von Germany Trade & Invest in Bangkok erklärt, hat sich die thailändische Wirtschaft „überraschend schnell aus der Wirtschaftskrise und den Folgewirkungen der politischen Unruhen von 2010 herausgekämpft“.

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Damals kam es in Bangkok zu blutigen Krawallen, die mindestens 90 Menschen das Leben kosteten. Trotzdem litt praktisch nur der Tourismussektor, und das auch nur zeitweise. „Die thailändische Börse war in den letzten zwölf Monaten die rentabelste in Asien. 75 der 100 größten gelisteten Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren regelmäßig Dividenden bezahlt“, sagt die thailändische Wirtschaftskommentatorin Tientip Suhanij. Der Präsident der Deutsch-Thailändischen Handelskammer AHK und Chef des Schreibwarenherstellers Staedtler Thailand, Rolf-Dieter Daniel, relativiert die dramatischen Fernsehbilder aus Bangkok vom letzten Jahr. „Während der Demonstrationen haben wir keine einzige Produktionsstunde verloren“.

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