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13.02.2014

16:32 Uhr

Währungen

Die Euro-Dollar-Chance

VonMatthias von Arnim

Die Anzeichen mehren sich, dass die Zinsen in den USA wieder moderat steigen werden. Die EZB strebt den umgekehrten Weg an. Dollar rauf, Euro runter ist also ein wahrscheinliches Szenario. Wie Anleger profitieren können.

Euro und Dollar: Da die Zinsen sich in den USA und EU vermutlich gegensätzlich entwickeln, dürfte auch der Greenback im Verhältnis zur Gemeinschaftswährung steigen. ap

Euro und Dollar: Da die Zinsen sich in den USA und EU vermutlich gegensätzlich entwickeln, dürfte auch der Greenback im Verhältnis zur Gemeinschaftswährung steigen.

DüsseldorfAls EZB-Präsident Mario Draghi Donnerstag vergangener Woche verkündete, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen diesmal nicht senkt, legte der Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar spontan um einen Cent zu. Diese Reaktion ist als Indiz dafür zu werten, was einige Marktteilnehmer über kurz oder lang erwarten, nämlich eine Zinssenkung. Der Cent-Sprung ist als leichtes Aufatmen zu verstehen, vielleicht als die letzte Verschnaufpause vor dem, was in den kommenden Monaten letztlich doch passieren wird.

„Die Europäische Zentralbank fürchtet nichts mehr als eine Deflation in den Südländern der Euro-Zone“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Die EZB wird tendenziell also in den kommenden Monaten die Entwicklung sehr genau beobachten und im Zweifelsfall offensiv agieren“, so Halver. Sprich, Draghi wird die Zinsen senken und/oder tatsächlich das wahrmachen, was er bei Erkennen einer Gefahr des erneuten Abrutschens der Euro-Südzone in die Rezession schon früher versprochen hat: Er wird die vielzitierte „Bazooka“ herausholen und Staatsanleihen gefährdeter europäischer Staaten aufkaufen.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

Die Chancen für dieses Szenario sind gestiegen. Denn insbesondere die exportorientierten Unternehmen in der Euro-Zone kämpfen an mehreren Fronten gleichzeitig. Eines der Probleme, mit der die Exportwirtschaft zu kämpfen hat, ist die aktuelle Krise der Schwellenländer. „Die Emerging Markets sind wichtige Abnehmer europäischer Waren. Schwächelt dort die Wirtschaft und werten die eigenen Währungen gegenüber dem Euro ab, dann importieren diese Länder auch weniger europäische Güter. Somit sinkt auch die Bereitschaft der Banken, Export-Kredite in diese Länder abzusichern“, erklärt Robert Halver.

Zudem befinde sich der Euro in Asien im Wettbewerb mit China und Japan, die gezielt die Abwertung ihrer Währungen betreiben und sich so Vorteile für ihre Exportwirtschaft erhoffen. Schon allein dieser Abwertungswettlauf liefert einen guten Grund, den Euro mit noch niedrigeren Zinsen international zu schwächen.

Auch die Entwicklungen in der Euro-Zone selbst liefern Mario Draghi die Argumente für den Einsatz seiner „Bazooka“: Griechenland wird auf jeden Fall ein weiteres Hilfspaket benötigen. Die Konjunktur im äußersten Südosten der Euro-Zone steht auf tönernen Füßen. Besserung ist nach Meinung vieler Euro-Experten langfristig nicht in Sicht. Und ob Präsident Hollande in Frankreich die Kehrtwende schafft und mit mutigen Reformen ein Abgleiten der Grande Nation in die Rezession verhindern kann, bleibt abzuwarten. Höhere Zinsen sind hier auf jeden Fall nicht hilfreich. „Die EZB ist im Zugzwang, sie muss für renditesenkende Liquidität sorgen“, so Halver.

Kommentare (5)

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Michl

13.02.2014, 16:40 Uhr

Zertifikate sind Wetten gegen die Bank, wobei die Bank keine Sicherheiten bietet, den sofortigen Wetteinsatz kassiert und nachträglich die Wettregeln ändern kann!
Gier frisst Hirn!

mmnews_de

13.02.2014, 17:08 Uhr

Dollar oder Euro gibt es da wirklich einen Unterschied?

Die Bevölkerung hätte nie freiwillig die solide D-Mark geopfert. Inzwischen hat also keine Währung der Welt noch irgendeine reale Wertgrundlage, hat sich das Kreditgeld der Welt von jedem zugrundeliegenden Sachwert gelöst, wird es als Papier hemmungslos neu gedruckt und durch ständige Vermehrung ständig entwertet.

Dass die Leute immer noch glauben, das Kreditgeldpapier, welches sie in der Hand haben, habe einen festen Wert, liegt daran, dass durch geschickte Manipulation der Devisenkurse ein scheinbares Wertverhältnis vorgespiegelt wird.

Diese Devisenkurse werden nämlich von genau den gleichen Gruppen manipuliert, die auch die Geldmengenvermehrung produzieren. Praktisch hat inzwischen das von der US-Hochfinanz gesteuerte und ihnen gehörende private Federal-Reserve-System Welt-Geldbedeutung erlangt: Das FED-Privatgeld Dollar ist schon von der Geldmenge her in der Welt dominierend.

Mehr als 75 Prozent aller Geldquantitäten sind Dollars.
Die US-Hochfinanz hat auch die von ihnen kontrollierten Rohstoffmärkte weltweit gezwungen, nur in Dollars zu verkaufen!

Wer sein Öl nicht gegen wertlose Dollar, sondern gegen Euro verkaufen will, wird von ihren kontrollierten Westmedien zum Terroristen erklärt ( Saddam Hussein , Hugo Chavez, Gaddafi, Ahmadinedschad ) und von der Nato "befreit"!
Auch die Zentralbanken der übrigen Länder werden gezwungen, die Dollars in immer stärkerem Maße (Euro-Bank über 90 Prozent) als Währungsreserven anzunehmen. Die übrigen Währungen, wie zum Beispiel der Euro, beruhen also in ihrem Wert zu über 90 Prozent auf wertlosen, nur durch die Macht und den Willen der US-Hochfinanz gehaltenen Dollar-Papieren.

norbert

13.02.2014, 17:13 Uhr

Es gewinnt nur einer: die Bank.

Aber wahrscheinlich ist die Katastrophe sowieso nicht mehr aufzuhalten.

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