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25.10.2013

17:58 Uhr

Weniger Rendite

Teure Kapitalgarantie

VonJürgen Röder, Georgios Kokologiannis

Garantiezertifikate auf Investmentfonds mit außergewöhnlicher Wertentwicklung werden ständig neu auf den Markt gebracht. Doch machen diese Produkte Sinn? Für die Anleger nur in seltenen Fällen.

Kapitalschutzzertifikate mit Investmentfonds als Basiswerte werden verstärkt angeboten: Doch der Schutz vor Verlusten geht deutlich zu Lasten der Rendite. gms

Kapitalschutzzertifikate mit Investmentfonds als Basiswerte werden verstärkt angeboten: Doch der Schutz vor Verlusten geht deutlich zu Lasten der Rendite.

DüsseldorfDie Beliebtheit des französischen Ausnahmefonds Carmignac Patrimoine A sorgt auch für Umsatz in der Zertifikatebranche. Mehr als 20 klassische Garantieprodukte haben die Emittenten auf den mittlerweile 30 Milliarden schweren Mischfonds als Basiswert auf den Markt gebracht – allen voran Hypo-Vereinsbank, DZ Bank, Landesbank Berlin und früher auch die WestLB.  Die Derivate sind in erster Linie für sicherheitsorientierte Anleger geeignet, weil Kapitalgarantie auf einen außergewöhnlichen Fonds gegeben wird.

Der in internationale Anleihen, Aktien und Devisen anlegende Investmentfonds erzielte in den vergangenen zehn Jahren ein Plus von im Schnitt rund acht Prozent. Selbst als die Aktienmärkte 2002 weltweit einbrachen, verbuchte der Fonds eine Wertsteigerung von fünf Prozent. Und im Crash-Jahr 2008, als die Weltbörsen um mehr als ein Drittel abstürzten, büßte der Patrimoine nicht einmal ein Prozent ein. Daher ist das Portfolio vor allem bei konservativen Anlegern populär.

Doch was, wenn auch diese Erfolgsgeschichte irgendwann abrupt endet und es mit dem Fonds für längere Zeit abwärtsgeht?  Denn zuletzt ließ die Performance zu wünschen übrig. So erzielten Anleger in den vergangenen drei Jahren mit dem Fonds nur durchschnittlich 2,1 Prozent Plus und lagen somit um 5,1 Prozent schlechter als der Vergleichsindex.

Eine Lösung stellen sogenannte Kapitalschutz-Zertifikate in Aussicht, die auf dem Fonds basieren. Die Funktionsweise der Anlagepapiere: Die Käufer sollen an der Wertentwicklung des Carmignac Patrimoine A teilhaben und am Ende der Laufzeit ihren Einsatz zu mindestens hundert Prozent zurückerhalten.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Diesen Schutz gibt es aber nicht umsonst: Zum einen sind die Ertragschancen im Vergleich zur Direktinvestition in den Fonds beschnitten. Denn die Entwicklung des Fonds wird nicht eins zu eins nachvollzogen, sondern anhand einer sogenannten „Durchschnittswertbildung“. Vereinfacht gesagt führt das dazu, dass die Zertifikate von stark steigenden Fondskursen nur unterproportional profitieren.

Um einen Eindruck davon zu erhalten, welche Auswirkungen das haben kann, genügt schon ein Blick auf die Entwicklung vergleichbarer Zertifikate, die schon länger auf dem Markt sind. Beispielsweise eine Variante der der DZ Bank (WKN DZ0R71), die bereits im April 2010 emittiert wurde. Obwohl das Zertifikat die Gewinne des Fonds mit dem Faktor 1,2 hebelt, hinkt es dem französischen Fonds mittlerweile satte sieben Prozentpunkte hinterher. Ein Vorteil hätte die Durchschnittsbildung nur, wenn die Wertentwicklung des Fonds zum Ende der Zertifikatelaufzeit einbrechen würde. 

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