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13.01.2013

12:08 Uhr

Zertifikate

Die Spreu vom Weizen

VonJürgen Röder

Früher galten sogenannte Deep Discounter als Ersatz für Termingeld. Doch die Renditehoffnungen gehen meist nicht auf. Welche Produkte die Ratingagenturen trotzdem empfehlen.

Unberechenbar: Die Dax-Kurve. AFP

Unberechenbar: Die Dax-Kurve.

Die Renditen von Discountern auf den Dax sind auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Gerade noch sechs Prozent jährlich bieten Produkte mit einem Rabatt von mindestens zehn Prozent, Deep-Discountern mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr lohnen sich gar nicht mehr.

Bei Deep Discountern beträgt der Abstand vom aktuellen Dax-Kurs bis zum Cap (Puffer) in der Regel mehr als 30 Prozent (siehe Tabellen auf den folgenden Seiten). Der Kurs müsste folglich bis zum Ende der Laufzeit um mehr als ein 30 Prozent einbrechen, damit die Rendite schwindet. Doch von Rendite ist bei Produkten mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr kaum die Rede.  Sie liegt derzeit bei unter 1,5 Prozent. Da sind Fest- und Termingeld-Angebote von Banken  einfach besser. Zumal diese Angebot der Kreditinstitute kein zusätzliches Aktienmarktrisiko wie ein Discounter besitzen.

Zertifikate-Typen

Was sind Bonuszertifikate?

Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

Wie funktionieren Bonuspapiere?

Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

Kann der Bonus verloren gehen?

Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

Wie funktionieren Discountzertifikate?

Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

Wann profitieren Discounter?

Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

Wie funktionieren Indexzertifikate?

Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

Wie hoch ist der Kapitalschutz?

Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

Was sind Aktien- und Indexanleihen?

Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

Wann punkten Expresszertifikate?

Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

Was passiert bei stark steigenden Kursen?

Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Auf diesem Grund hat die Ratingagentur EDG bei ihrer Auswertung ganz auf entsprechende Produkte mit einem Abschlag von mindestens 30 Prozent verzichtet. Mittbewerber Scope ist auf längere Laufzeiten ausgewichen, um attraktive Renditen darzustellen. Regelmäßig veröffentlicht Handelsblatt Online in Zusammenarbeit mit der Ratingagentur Scope und der European Derivatives Group (EDG) die attraktivsten Discountzertifikate auf den Dax.

In der ersten Tabelle stammen die Rabattpapiere aus der Grundmenge aller in Deutschland gehandelten Discountzertifikate. In die zweite Tabelle schaffen es dagegen nur Papiere, deren Emittenten über eine Bonität verfügen, die im oberen Drittel der Bonitätsliste aller Banken liegt.

Die Bonität der Bank wird aufgrund der Höhe der Kreditausfallversicherung (CDS = Credit Default Swaps) eingestuft. Je höher der CDS, also je höher die Kosten für die Absicherung europäischer Bankanleihen gegen einen Zahlungsausfall sind, desto geringer ist die Bonität. Mit Credit Default Swaps sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein.

Kommentare (2)

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Gast44

13.01.2013, 20:04 Uhr

Es gibt kein Weizen unter den Derivaten.
Falls das Ergebnis für den Anleger doch mal positiv ausfällt, hat man einfach Glück gehabt.
Man hätte genauso gut blind irgendeine Aktie kaufen können.

Derivate werden von Experten kreiert, die sämliche Hilfmittel und Infos haben wie sie aus dem Papier den maximalen Gewinn rausziehen können.
Diese Leute haben studiert, können auf alle Daten der Vergangenheit und Gegenwart zugreifen und sind erstklassig in Finanzmathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Welcher normale Mensch wäre so dumm sein Geld gegen den Weltmeister 2012 im Pokerspielen zu setzen?

Aber bei Derivaten finden sich leider immer noch genug Opfer...

Rechner

13.01.2013, 22:56 Uhr

Stimmt.

Die Derivate werden übrigens von den Emmitenten sowieso soweit wie möglich mit "richtigen" börsengängigen Optionen oder Terminkontrakten abgesichert.

Es werden also defakto Kombinationen derartiger Kontrakte mot Aufschlag weiterverkauft, weshalb man bei vielen "Scheinen" besser dran ist, die an den Termin- und Optionsbörsen selbst "nachzubauen".

Insofern als Termine nicht exakt nachgebildet werden können werden Annahmen gemacht darüber was beispilsweise eine zweijährige Option kosten dürfte bei einem gegebenen Preis einer einjährigen Option. Da der Emittent sich hier nicht 1:1 absichern kann, baut er einen EINEN HOHEN RISOKOZUSCHLAG in den Preis seines Derivats ein.

...

NUR bei Produkten, die exakt nachbildbar sind - z.B knockout "Calls" - kann es vorkommen, daß die Aufschläge die ein Emittent auf seinen GROSSHANDELSPREIS berechnet geringer sind als der EINZELHANDELSAUFSCHLAG den der Kleinanleger selbst für einen Terminkontrakt nebst Finanzierungskosten der Marge zu zahlen hätte.

Das ist selten, und der erzielbare Preisvorteil ist so minimal daß ich "Scheine" überhaupt nicht mehr berücksichtige und bei Bedarf nach z.B. Seitwärtsrendite eben börsengängige Optionen schreibe. Bei vielen Brokern ist das auch "nackt" als Margengeschäft möglich.

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