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17.01.2008

11:36 Uhr

Zertifikate

Express auf Dividendentitel

VonJürgen Röder

Die schwache Entwicklung an den Aktienmärkten ist auch an Express-Zertifikaten nicht spurlos vorübergegangen. Risikobereiten Anlegern winken nun aber höhere Renditen.

Quelle: Handelsblatt

DÜSSELDORF. Noch im Oktober 2007 hatte die Hypo-Vereinsbank (HVB) eine Studie über ihre Expresss-Zertifikate vorgestellt. Die Kernaussage: Alle HVB-Express-Produkte seit Ende 2003 wurden vorzeitig zurückgezahlt, keines davon hat dem Anleger einen Verlust beschert. Lediglich acht der damals 179 noch auf dem Markt verfügbaren Express-Derivate hatten ihren ersten Stichtag überschritten. Doch falls die Entwicklung an den Aktienmärkten weiterhin so schwach bleiben sollte, dürfte eine weitere Studie den Anlegern ein anderes, schlechteres Ergebnis präsentieren.

Denn bei Express-Zertifikaten muss der Basiswert an einem Beobachtungstag (meist aus steuerlichen Gründen 13 Monate nach der Erstnotiz) auf oder über einem vorher festgelegten Niveau notieren. Bewegt sich der Basiswert an diesem Stichtag unterhalb des Niveaus, geht das Produkt in die Verlängerung. Die kann je nach Ausstattung bis zu viermal erfolgen, falls an mehreren Stichtagen das Zielniveau nicht erreicht wurde.

Die schwache Entwicklung an den Aktienmärkten bietet im Express-Bereich natürlich auch Chancen. So sind die Kurse einiger Zertifikate deutlich gefallen. Ein Beispiel ist das Express-Papier auf die zehn Dividendenstars, das die Hypo-Vereinsbank im Oktober des vergangenen Jahres auf den Markt gebracht hat (WKN: HV5S6X).

Noch am vergangenen Dienstag notierten alle zehn Basiswerte deutlich oberhalb der 60-prozentigen Schwelle, die für die Rückzahlung an den jeweiligen Stichtagen maßgeblich ist. Doch nach dem 30-prozentigen Kursrutsch von Hypo Real Estate fiel die Notierung des Produktes von 86 auf rund 72 Euro, weil die Aktie des Immobilienfinanzierers plötzlich unter der maßgeblichen Schwelle von 23,93 Euro liegt.

Dadurch ist der Kauf eines solchen Produktes zum einen eine kurzfristig riskante Wette mit hohen Renditechancen auf eine Erholung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate bis zum ersten Stichtag. Aber auch wenn diese Aktie in den kommenden Wochen nicht weiter verlieren sollte, dürfte der Wert des Zertifikats wieder steigen.

Das Unternehmen hat am vergangen Dienstag mit seinem plötzlichen Abschreibungsbedarf aufgrund der Subprime-Krise und der geplanten Dividendenkürzung viel Vertrauen an der Börse verspielt. Doch die Chancen für dieses Produkt können Anleger auch langfristig sehen, weil die Schwelle insgesamt an vier Stichtagen überprüft wird. Voraussetzung ist natürlich eine positive Meinung zu deutschen Aktien für die kommenden Jahre.

Erstmalig am 27. Oktober wird überprüft, ob die zehn dividendenstärksten Aktien die Schwelle gerissen haben. Im Erfolgsfall werden 113 Euro zurückgezahlt, was einer Jahresrendite von mehr als 70 Prozent entspricht. Dieser Gewinn müsste aber versteuert oder mit Verlustvorträgen verrechnet werden, weil dann die Haltefrist des Zertifikates unter einem Jahr liegt.

Aus steuerlichen Aspekten wäre es besser, wenn die Bedingungen für eine Rückzahlung erst im nächsten Jahr erfüllt würden. Stichtag ist dann der 19. Juni 2009. Im Falle einer Rückzahlung an diesem Termin von dann 126 Euro (Rendite von rund 45 Prozent p.a.) wäre der Gewinn steuerfrei, falls das vor dem 18. Juni 2008 gekauft worden wäre. Die pauschale Abgeltungsteuer für Zertifikate tritt erst am 1. Juli 2009 vollständig in Kraft, für das Produkt also nach einer möglichen Rückzahlung am dritten Beobachtungstag (27. Oktober 2010). Fällig wird das Produkt am 27. Oktober 2011. Dann gibt es drei Szenarien:

1.: Rückzahlung zu 152 Euro (Rendite von 21 Prozent p.a.), wenn an diesem Tag keine der zehn Aktien unterhalb der 60-prozentigen Schwelle notiert.

2.: Rückzahlung des Nennwertes von 100 Euro, wenn keine der zehn Aktien an diesem Tag unterhalb 50 Prozent ihres Ausgangsniveaus notiert.

3.: Falls eine der Aktien an diesem Tag unterhalb der 50-Prozent-Schwelle notiert, wird das Zertifikat entsprechend dem Wert der Aktie mit der schlechtesten Entwicklung zurückgezahlt. Auf jeden Fall aber zu weniger als 50 Euro.

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