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07.10.2011

12:27 Uhr

Zertifikate

Vorsicht bei Hebelzertifikaten

Hebelzertifikate gelten auch in Krisenzeiten als Gewinnbringer. Zahlreiche Emittenten und hohe Marketing-Kosten sind die Folge. Für die Anbieter lohnt sich das oft nicht.

Bei den diversen Hebel-Zertifikaten kann man schnell den Durchblick verlieren. dapd

Bei den diversen Hebel-Zertifikaten kann man schnell den Durchblick verlieren.

FrankfurtDer Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und der anschließende Börsen-Crash haben gezeigt, dass auf ein Segment scheinbar immer Verlass ist: Hebelzertifikate werden auch dann viel gehandelt, wenn es kracht. In turbulenten Zeiten lässt sich sogar besonders gut zocken. Die kurzfristig orientierten Day-Trader sind dann in ihrem Element. Daraus haben viele Emittenten offenbar dieselbe Lehre gezogen: Wer langfristig bestehen will, so die Annahme, muss im Hebel-Zertifikate-Segment besonders breit und gut aufgestellt sein.

Die Folge war in den zurückliegenden zwei Jahren eine Produktflut und ein überproportionaler Werbe-Aufwand in diesem Bereich. Doch wenn in der Trockenzeit zu viele Elefanten ihren Rüssel in das letzte Wasserloch halten, wird aus dem kühlen Teich schnell eine Schlammgrube.

Hebelprodukte

Contracts for Difference (CFD)

Mit CFDs – auch Differenzkontrakte genannt – partizipieren Anleger an steigenden und fallenden Kursen unterschiedlicher Basiswerte. Über einen Hebel, der weit über 100 Prozent sein kann, können sie dabei ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals gewinnen – oder auch verlieren. CFDs sind keine Wertpapiere, CFD-Anleger haben keine Rechte an dem Basisinstrument.

Optionsschein

Ein Optionsschein ist ein derivatives Finanzinstrument, mit dem Anleger gehebelt von der Kursbewegung eines Basiswerts profitieren können. Optionsscheine sind verbriefte Wertpapiere. Ein Kaufoptionsschein (Call) verbrieft das Recht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einer festgelegten Zeit beziehen zu können. Der Verkaufsoptionsschein (Put) verbrieft dagegen das Recht, den Basiswert zu einem bestimmten Preis zu einem festgelegten Zeitpunkt zu verkaufen.

Hebelzertifikat

Mit einem Hebelzertifikat können Investoren einen Basiswert, beispielsweise eine Aktie, zu einem günstigeren Preis kaufen. Hebelzertifikate werden auch unter dem Begriff Knock-out-Produkte angeboten, die je nach Emittent Waves, Mini-Futures, Classic/Unlimited/BEST oder Smart Turbos oder einfach nur Turbos heißen. Hebelzertifikate haben eine Knock-out-Grenze, bei der das Zertifikat wertlos wird. Durch den Hebel partizipieren Anleger stärker an den Kursschwankungen des zugrunde liegenden Basiswerts. Verlieren können Anleger nur den eingesetzten Betrag.

Hebel-ETF

Auch börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF), die die Entwicklung eines Index eins zu eins nachbilden, gibt es mit Hebel. Diese Hebel-ETFs gibt es als Long- und als Short-Version. Verlieren können Anleger nur den eingesetzten Betrag.

Der Effekt ist im übertragenen Sinne in der Zertifikate-Branche derzeit gut zu besichtigen. Mit ihrer Entscheidung, sich mit Verve auf den Hebel-Produkte-Markt zu stürzen, können insbesondere die Herausforderer aus der zweiten Reihe nicht zufrieden sein. Umsätze und Marktanteile stiegen bei einigen Anbietern zwischenzeitlich zwar merklich an, gingen aber sofort wieder zurück, wenn die Werbemaßnahmen und Preis-Offensiven zurückgefahren wurden. Wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Es gibt auch Emittenten, deren Investition in Werbung, Personal und Technik gänzlich ohne spürbare Wirkung blieben. Umso bitterer ist nun die Erkenntnis, dass das Geschäft mit Hebelzertifikaten in Krisenzeiten offenbar doch nicht immer ein sicherer Profitbringer ist. Wenn sich zu viele Anbieter mit zu vielen Produkten und aggressiver Preispolitik in diesem Bereich tummeln, geht die Rechnung einfach nicht mehr auf.

Kommentare (1)

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Petra

07.10.2011, 13:37 Uhr

Zertifikate sind Wetten gegen die Bank (Die Bank gewinnt immer!), wobei die Bank sofort 100% des Wetteinsatzes kassiert und keine Sicherheiten bietet. Zudem kann die Bank die Wettregeln ändern!

Wer dennoch Zertifikate kauft ist selbst schuld! GIER FRISST HIRN!

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