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05.01.2005

09:41 Uhr

Zinsanstieg in den USA:

Short-Spekulationen auf Häuslebauer

VonChristian W. Röhl und Werner H. Heussinger (Zertifikatejournal)

Die Präsidentschaftswahlen in den USA sind „verdaut“ und die US-Notenbank ist endlich aktiv geworden: Nachdem George W. Bush weiterhin keinerlei Anstalten macht, die ausufernden Defizite in seinem Haushalt und in der Leistungsbilanz anzugehen, hat der Offenmarkt-Ausschuss des „Federal Reserve Board“ (Fed) am 14. Dezember ihren Leitzins auf 2,25 Prozent angehoben.

Damit ist das Zinsniveau jenseits des Atlantiks erstmals seit 2001 wieder höher als in der Euro-Zone; die Europäische Zentralbank hält ihren Hauptrefinanzierungssatz seit Mitte 2003 konstant bei 2,00 Prozent. Streng volkswirtschaftlich gesehen sind Dollar-Engagements damit nun attraktiver als Euro-Anlagen, die Märkte lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken – zumindest kurzfristig ist auch der jetzige Zinsschritt genauso verpufft wie die vier vorausgegangenen Anhebungen; statt zu fallen nahm die Gemeinschaftswährung weiter Kurs in Richtung 1,40.

Der Verfall des „Greenback“ scheint also nur durch zweierlei aufzuhalten zu sein – Stützungskäufe der internationalen Notenbanken oder weitere Zinserhöhungen. Die erste Alternative scheint noch ein bisschen entfernt (viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass erst ab einem Niveau von 1,40 massiv interveniert wird), so dass Alan Greenspan wohl nichts anderes übrig bleiben wird als weiter an der Zinsschraube zu drehen. Das erscheint auch unter binnenwirtschaftlichen Aspekten geboten: Das Wachstum der Löhne und Gehälter hat sich zuletzt deutlich beschleunigt, die Produktivität steigt kaum noch und der schwache Dollar verteuert die Importe. Inflationäre Tendenzen sind damit nicht zu leugnen und es ist durchaus vorstellbar, dass die Fed ihre „Overnight Rate“ im Laufe des Jahres 2005 auf bis zu vier Prozent anhebt.

Das könnte dann auch den Immobilienmarkt beinträchtigen, der seit 2000 förmlich explodiert ist. Marginale Anzeichen für eine Konsolidierung gibt es schon jetzt: Die Zahl der Baubeginne ist seit Jahresanfang leicht gesunken, bei den Bauausgaben hat sich der Anstieg in den letzten Monaten spürbar verlangsamt. Nur bei den Baugenehmigungen ergibt sich auf Jahressicht ein deutliches Plus, doch ob diese Projekte alle realisiert werden, steht auf einem anderen Blatt. Bei den Häuslebauer-Aktien ist von solchen Bremsspuren allerdings noch nichts zu spüren. Im Gegenteil, nachdem einige große Konzerne wie DR Horton und Centex blendende Zahlen vermeldet haben, konnte der S&P Homebuilding Index allein in den letzten zwei Monaten um gut 35 (!) Prozent auf aktuell 761,93 Punkte zulegen.

Im Falle weiterer Zinsanstiege werden viele der in den USA traditionell „auf Kante genähten“ Immobilienfinanzierungen zusammenkrachen und neben einem stockenden Neugeschäft dürften die Häuslebauer dann auch unter verstärkten Forderungsausfällen leiden. Problematisch ist indes das „Timing“ für eine Investment-Strategie darauf, da momentan weder fundamental noch technisch valide Trendumkehrsignale vorliegen und man darüber hinaus befürchten muss, dass derartige Signale auch in Zukunft ausbleiben werden – wahrscheinlicher als ein allmähliches Abschmelzen des Abstands zwischen S&P Homebuilding und S&P 500 erscheint eine scharfe Abwärtsreaktion aus „heiterem Himmel“. Sobald der erste der (auf Basis der Analystenschätzungen lustigerweise immer noch fair bewerteten) Häuslebauer mit einer schlechten Meldung an den Markt kommt, sollte das wie beim „Domino Day“ sofort auch alle anderen Titel herunterziehen. Nur sehr wagemutige Anleger, die zur Not Zwischenverluste von 50 Prozent und mehr verkraften können, lassen sich deshalb jetzt auf das „Spiel auf Zeit“ ein und setzen jetzt mit dem geringsten aller verfügbaren Hebel (1,53) auf fallende Kurse im Homebuilding-Sektor. Andere Anleger warten zunächst ab und setzen den entsprechenden „Mini Future Short“ (ISIN NL 000 030 793 2, 40 Prozent Abstand zur Barriere) vorerst auf die Watchlist.

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