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27.01.2010

06:30 Uhr

Zinsloch

Alternativen zum Festgeld

VonMatthias von Arnim

Zurzeit herrscht an den Börsen wenig Aufregung. Die Folge: Die Volatilitäten sinken und damit auch die Renditeperspektiven von Discountzertifikaten. Mit bestimmten Produkten lassen sich aber dennoch respektable Gewinne erzielen.

Für Anleger sind die Zinsen im Moment dürftig. dpa

Für Anleger sind die Zinsen im Moment dürftig.

DÜSSELDORF. Investoren, die ein hohes Risiko scheuen, legen ihr Kapital gern festverzinslich an. Doch die Zinsen sind so niedrig wie noch nie. Der Begriff Festgeld erinnert derzeit eher an die alte Währung Rai auf der mikronesischen Insel Ulithi. Dort werden große runde Steinscheiben mit einem Loch in der Mitte seit Urzeiten als Zahlungsmittel benutzt. Ein Diebstahl des zum Teil mehrere Tonnen schweren Steingeldes ist zwar ausgeschlossen, Zinsen in Form von beispielsweise Kieseln aber leider auch. So liegt die Rendite eines Geldsteins auf Ulithi seit Jahrzehnten unter null.

Zwar sind noch keine Rai-Zertifikate auf dem Markt, doch beim Blick auf die Renditen bei Index-Discountzertifikaten scheint selbst eine Investition in runde Steinscheiben derzeit sinnvoller als der Kauf von Rabatt-Produkten. So lässt sich mit sogenannten Deep-Discountern, die in der Vergangenheit gerne als Festgeld-Ersatz angepriesen wurden, derzeit kaum mehr verdienen als die Gebühren, die beim Kauf und Verkauf der Papiere anfallen. Beispiel: Discounter mit dem Dax als Basiswert, einem Cap von 2 500 Punkten und einer Laufzeit bis Ende 2010. Das renditestärkste Produkt mit diesen Kennzahlen kommt derzeit von der Commerzbank (WKN: DR00G4). Maximaler Ertrag: 1,13 Prozent.

Je nach Investitionssumme bleibt nach Abzug von Spread und Börsengebühren unter dem Strich ein garantiertes Minus im Depot stehen. Der Begriff Investment im Sinne einer Geldvermehrung ist hier nicht mehr angebracht. Schon seit Wochen zeichnet sich der Trend in den Tabellen ab, die in jeder Ausgabe von ZertifkateNews in Zusammenarbeit mit den Ratingagenturen Scope und EDG erstellt werden.

Grund für den Renditeniedergang ist vor allem die niedrige Volatilität am Aktienmarkt. Der VDax New Index, der die Schwankungsintensität des Dax misst, steht so niedrig wie schon lange nicht mehr. Rund 20 Punkte zeigte der Index noch in der vergangenen Woche an, der als Kurs-Schwankungs-Gradmesser gleichsam als Barometer für die Nervosität und Angst der Anleger gilt. Diese Woche ging es für den VDax New etwas nach oben. Aber von einstigen Rekordwerten ist er meilenweit entfernt: Im Oktober 2008 stand er bei 80, vor einem Jahr bei 50 Punkten. Die lässige Zuversicht der Aktionäre hat für die Renditeaussichten bei Discountern einen unangenehmen Nebeneffekt: Je niedriger die Volatilität, desto weniger Rendite lässt sich mit Discountern erzielen.

Hintergrund: "Bei Discountzertifikaten verkauft der Emittent eine Call-Option auf den jeweiligen Basiswert. Zusammen mit der prognostizierten Dividende für die Restlaufzeit wird der erzielte Options-Verkaufspreis als Rabatt an den Käufer eines Discountzertifikats weitergegeben. So entsteht der Rabatt", erklärt Gregoire Toublanc von BNP Paribas. Der Effekt: Je niedriger die Volatilität, desto preiswerter werden Optionen, und desto weniger Rabatt bieten neue Discountzertifikate.

Anleger, die nach renditestärkeren Alternativen zu niedrig verzinslichen Festgeld-Anlagen suchen, sollten trotzdem nicht zum Steingeld greifen. Schließlich bietet der Markt mehr als nur Deep-Discounter auf Indizes. So lässt sich mit Discountern auf einzelne Aktien noch Geld verdienen. Denn die Volatilität vieler einzelner Werte ist oft deutlich höher als die von Indizes. Beispiele sind Discounter auf Dax-Werte wie Infineon oder Commerzbank. So bietet ein Papier auf Infineon mit Laufzeit bis Dezember und einem Rabatt von rund 42 Prozent eine Rendite von 7,4 Prozent (WKN: BN3T3H). Mit einem Discounter auf die Commerzbank (WKN: UB4SSW) lassen sich bei einem Rabatt von fast 30 Prozent fast zehn Prozent Rendite p.a. erzielen. Grundsätzlich gilt: Je geringer der Rabatt und je höher die Volatilität des Basiswertes, desto höher ist die mit dem Discountzertifikat erzielbare Rendite.

Kommentare (3)

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Micha

27.01.2010, 12:08 Uhr

Wer in Zertifikate investiert ist selber schuld!
Zertifikate sind Wetten, bei denen der Wettgegner sofort den gesamten Wetteinsatz erhält, er aber keine Sicherheit bietet und die Wettregeln ändern kann.

AJ

27.01.2010, 15:19 Uhr

ich kann Micha nur zustimmen. Das Risiko steht in diesem Fall auch in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag. Es gibt noch eine Alternative: Tagesgeldhopping. Man kann zur Zeit 2,5 - 4,0% bei diversen banken rausholen. Es handelt sich um Angebote für Neukunden, die zeitlich auf 6 - 12 Monate befristet sind. Danach muß man eben weiter hüpfen. Es ist ideal zum kurzfristigen Parken von Geldern und erfüllt auch die Sicherheitsapekte (Einlagensicherung). Einziger Nachteil: Etwas Aufwand einmal im Jahr. Aber als Anleger von heute muß man eben mobil und flexibel sein.

Schibbe Bauer

28.01.2010, 21:47 Uhr

...des kann awwer nit sei....de Glaser Vitus macht das nit.....der geht zum Woelfel esse....do es guuut ...un das Geld is guuut aangelegt...

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