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06.08.2015

20:00 Uhr

Zinswende in den USA

Schnappt die US-Schuldenfalle zu?

VonMatthias von Arnim

Voraussichtlich im September wird die US-Notenbank Fed die Zinsen nach langer Zeit wieder leicht erhöhen. Es ist eher ein symbolischer Akt. Trotzdem könnte er für den Aktienmarkt fatale Folgen haben.

Dax im Minus

Kommt die US-Zinswende schon im September?

Dax im Minus: Kommt die US-Zinswende schon im September?

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DüsseldorfWenn Janet Yellen auf die Zinswende angesprochen wird, antwortet sie – für eine Notenbank-Chefin eher ungewöhnlich – wenig kryptisch: Falls sich die heimische Wirtschaft wie erwartet entwickle, sei eine geldpolitische Straffung noch 2015 angemessen, sagte sie im Juli vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses.

Es gilt als ausgemacht, dass die Fed im September die Zinsen um 0,25 Prozent anheben wird. Alles andere wäre eine Überraschung – schließlich würde es die Glaubwürdigkeit der Fed infrage stellen. Denn die Zinswende wurde schon über einen so langen Zeitraum angekündigt, dass Janet Yellen eigentlich nicht mehr zurück kann.

Was treibt die Börsen auf Rekordhoch?

Geldschwemme

Die wichtigste Triebfeder des Börsenbooms ist die Geldflut der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre ohnehin lockere Geldpolitik sogar nochmals dramatisch ausgeweitet: Seit 9. März kaufen die Währungshüter monatlich Vermögenswerte in Höhe von 60 Milliarden Euro. Ein Großteil des vielen Geldes fließt in Aktien.

Anlagenotstand

Weil die EZB gleichzeitig den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt hat, herrscht Anlagenotstand: Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld und Anleihen bringen kaum noch Renditen. Das treibt Anleger in riskantere Investitionen wie Aktien, aber auch in Immobilien.

Euroschwäche

Der Euro ist durch die Geldpolitik auf Talfahrt. Das hilft der Exportwirtschaft, weil deutsche Waren dadurch im Ausland günstiger werden. Aktien internationaler Unternehmen profitieren.

Unternehmensgewinne

Deutschlands Börsenschwergewichte haben schon 2014 glänzend verdient - trotz internationaler Krisen. Nach einer Auswertung der Unternehmensberatung EY stieg der operative Gewinn der ersten 15 Dax-Konzerne, die Zahlen für 2014 vorlegten, um fast ein Viertel.

Auf den ersten Blick kann Yellen eine Zinsanhebung gut begründen. Sie verweist auf die positive Entwicklung des US-Arbeitsmarktes und der amerikanischen Gesamtwirtschaft, die im zweiten Quartal um 2,3 Prozent gewachsen ist – trotz des erstarkten US-Dollars. Insgesamt sind die Unternehmensgewinne der im Dow Jones Index versammelten Unternehmen nach wie vor nicht schlecht, die Bewertungen sind nicht überzogen. Doch die Bilanzen der 30 Dow Jones-Unternehmen sind nur ein Teil der Wahrheit.

Deshalb lohnt ein zweiter, kritischer Blick auf den Gesamtmarkt. Und da sieht es nicht ganz so rosig aus. Der Grund: Viele Unternehmen haben die lange Zeit der Ultraleichtzins-Politik der Fed genutzt, um sich hoch zu verschulden. So hat die Ratingagentur Standard & Poors ausgerechnet, dass die gesamten Verbindlichkeiten von US-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors in den vergangenen fünf Jahren um zwei Billionen US-Dollar gestiegen sind.

Allein im vergangenen Jahr ist der Schuldenberg um 650 Milliarden US-Dollar auf 5,8 Billionen US-Dollar angewachsen. Abzüglich der Cash-Bestände summiert sich die Nettoverschuldung von US-Unternehmen derzeit auf schwindelerregende vier Billionen US-Dollar. Brenzlig daran: Während die 25 Unternehmen mit den höchsten Cash-Beständen noch solide finanziert sind, tun sich schon in der zweiten und dritten Reihe große Lücken auf.

Unterhalb der Top-25 stehen einem Dollar Cash im Durchschnitt fünf Dollar an Schulden gegenüber. Bei einem auch nur leichten Wirtschaftsabschwung könnten viele US-Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Das wäre auch an den Aktienmärkten zu spüren.

Denn nicht wenige börsennotierte Unternehmen haben eigene Aktien auf Pump zurückgekauft und ihre Aktienkurse damit in die Höhe getrieben: Laut S&P Dow Jones sind allein im vergangenen Jahr 550 Milliarden US-Dollar in Aktienrückkaufprogramme geflossen. Dieser Treibstoff könnte der Börse bald ausgehen – insbesondere dann, wenn die US-Notenbank weitere Zinsschritte nicht ausschließt.

Kommentare (6)

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Herr Peter Noack

07.08.2015, 09:12 Uhr

Anleger seid mutig!
Wer soll denn glauben, dass die Fed im September einen Zinserhöhungszyklus beginnt, der bis zur Wahl des/der neuen Präsidenten/Präsidentin bereits fünf Zinsschritte betreibt? Zum Amtsantritt im Januar 2017 folgt dann der nächste und so weiter. Bis Dezember 2017 sollen es dann bereits 10 Zinsschritte sein? Wer das glaubt, ...

Herr franz wanner

07.08.2015, 10:00 Uhr

"Viele Unternehmen haben die lange Zeit der Ultraleichtzins-Politik der Fed genutzt, um sich hoch zu verschulden. "
Die haben also das gemacht, was so die klugen Leute fortdauernd empfehlen. Mist aber auch.
Haben also geerntet, was nicht mal gesät war. Für die verfressene Ernte jetzt die Kosten des fiktiven Saatguts einzufordern, wäre wirklich nicht fair... Zumal, die Kreditgeber haben die Vertriebserfolge an Krediten auch schon längst als Boni ausgeschüttet. Und der Staat dafür Steuern kassiert.
Besser, die bisher Unbeteiligten tuen auch ihren Teil... und zahlen jetzt!

Herr wulff baer

07.08.2015, 10:21 Uhr

OMA Fed hält wieder die Tulpenzwiebel-Wertpapier-Käufer zum Narren.
Erhöhung des Zinsniveaus würde bedeuten, dass sich die lahme Wirtschaft der USA im Herbst auf Erholungskurs befindet.
Dem ist aber nicht so und wird es auch zukünftig nicht sein, genausowenig wie beim Auslaufmodell EU - dier Elends- und Transfer-Union

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