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19.01.2017

07:32 Uhr

Zinserhöhungen

US-Notenbank kündigt aggressiven Kurs an

Schluss mit der Behutsamkeit: Die US-Notenbankchefin Janet Yellen kündigt bis ins Jahr 2019 mehrere Zinserhöhungen an. Sie warnte davor, dass sich ein zögerlicher Kurs „bitter rächen “ könne.

Tag an den Börsen

Yellen will Straffung der Geldpolitik beschleunigen

Tag an den Börsen: Yellen will Straffung der Geldpolitik beschleunigen

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San FranciscoNach behutsamen Leitzinserhöhungen in den vergangenen Jahren will US-Notenbankchefin Janet Yellen das Tempo verschärfen. Es sei sinnvoll, die Zinsen schrittweise anzuheben, sagte die Währungshüterin am Mittwochabend in San Francisco. Die Notenbank Fed sei ihren Zielen - Vollbeschäftigung und stabile Preise - nahe. Die Zentralbank hatte im Dezember den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben und drei Schritte nach oben für 2017 in Aussicht gestellt. Yellen sagte dazu, sie habe im vorigen Monat „mehrere Zinserhöhungen pro Jahr bis ins Jahr 2019 hinein ins Auge gefasst.

Ende des Jahrzehnts könne der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld dann bei drei Prozent liegen. 2015 und auch 2016 hatte die Notenbank nur jeweils einen Schritt nach oben gewagt. Der Euro fiel nach Veröffentlichung der Rede Yellens zur US-Devise auf ein Tagestief von 1,0630 Dollar. Yellen sagte, sie gehe davon aus, dass der Höhenflug des Dollar den Exporteuren weiter zu schaffen machen werde. Dennoch gehe die Fed von einem anhaltenden Aufschwung aus.

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Sie warnte zugleich davor, dass sich ein zu zögerlicher geldpolitischer Kurs „bitter rächen" könne. Dann sei die Notenbank wahrscheinlich gezwungen, aggressiver ans Werk zu gehen. Dies könne letztlich dazu führen, dass die USA in eine Rezession abrutschten. „Dennoch bleibt unser Fuß auf dem Gaspedal, da wir sichergehen wollen, dass der Aufschwung stark genug bleibt, um Störfeuer von außen zu widerstehen", betonte Yellen. Dieses Vorgehen empfehle sich auch deshalb, da es kaum Spielraum für Zinssenkungen gebe.

Zur Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, der am Freitag vereidigt wird, äußerte sich Yellen nicht. Viele Anleger erwarten, dass die von Trump geplanten Steuersenkungen und Ausgaben in die Infrastruktur die Konjunktur zusätzlich anheizen werden. Laut dem Chef des Fed-Ablegers San Francisco, John Williams, gibt es „gute Argumente für drei Zinserhöhungen im Jahr 2017, selbst wenn ein zusätzlicher Konjunkturschub durch die Politik ausbleiben sollte.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

19.01.2017, 09:18 Uhr

Trumps Politik von Great Again holt endlich den US Zins aus seinen Dauertiefschlaf in den Obama ihn gehalten hat.
Die europäischen Finanz- und Wirtschaftsmärkte werden sich warm anziehen müssen. Auch der Euro wird dadurch weiter unter Druck geraten. Der Dollar macht sich auf, wieder zu einer starken (wirtschaftlich Mehrwertschaffenden) Weltwährung zu werden.

Anno Nymicus

19.01.2017, 10:11 Uhr

Positive Entwicklung im US-Arbeitsmarkt, so so ...

... hier der Chart zu NOT IN LABOR FORCE (St. Louis FED):
https://fred.stlouisfed.org/series/LNS15000000
-> Tendenz der Ausgemusterten: weiterhin steigend schlecht

wie sieht's mit den Total Nonfarm pPayrolls aus:
https://fred.stlouisfed.org/series/PAYEMS

-> Tendenz: leichte Besserung bei den neuen Jobs. Stellt sich die frage: welche Jobs?
Antwort: "Job growth occurred in health care and social assistance."
http://www.tradingeconomics.com/united-states/non-farm-payrolls

So positiv ist diese Entwicklung also keineswegs - höhere Zinsen könnten das zarte Pflänzchen der Erholung schnell wieder abzuwürgen - insbesondere wenn klar ist, dass durch die Abschaffung von Obamacare nun wohl keine neuen Stellen im Gesundheitswesen mehr geschaffen werden ...

Nö. Das System steckt in der Liquiditätsfalle, steht mit dem Rücken zur Wand - und von dieser Wand möchte die Yellen ein wenig Abstand gewinnen um wieder Handlungsfähiger zu werden. Das sagt sie ja auch: "Dieses Vorgehen empfehle sich auch deshalb, da es kaum Spielraum für Zinssenkungen gebe."

Aber im Gegensatz zu den treudoofen Deutschen werden sich die US-Amerikaner keine Schuldenbremse in die Verfassung schreiben,
sondern sich mit der "Druckerpresse" die Konjunkturpakete finanzieren, sich die Infrastruktur aufbauen und Handelsverträge & Beschränkungen zu ihren Gunsten festlegen.

Für die Masse des Volkes wird dies wohl dennoch keine nennenswerte Verbesserung ihrer Lebensumstände bringen - per capita sind im aritmethischen Mittel die Lebenshaltungskosten im Vergleich der Leistungsfähigkeit für den Weltmarkt einfach zu hoch. Neue Produkte mit neuer Technologie werden hoch-automatisiert von Facharbeitern hergestellt - all zu viele sind das aber nicht. Und die Wasserköpfe obendrauf, die "Verwaltung" wird auch immer kleiner, und immer standortverteilter (Kundenhotline in Manila, Software aus Indien, F&E in virtuellen teams mit standortverteilten Mitarbeitern...)

Herr Percy Stuart

19.01.2017, 10:19 Uhr

Dann wird natürlich massiv Kapital aus Europa abgezogen werden.
Ich glaube nicht, dass der Euro und die EU überleben.

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