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20.11.2013

18:39 Uhr

Zinspolitik

EZB erwägt negativen Einlagesatz

Droht bald ein Strafzins von -0,1 Prozent, wenn die Banken Geld bei der EZB parken, statt Kredite zu vergeben? Entsprechende Berichte will die EZB nicht kommentieren. Doch die Märkte reagieren nervös.

Die EZB in Frankfurt: Kritiker fürchten unerwünschte Nebenwirkungen einer negativen Einlagezins-Politik. dpa

Die EZB in Frankfurt: Kritiker fürchten unerwünschte Nebenwirkungen einer negativen Einlagezins-Politik.

Frankfurt/MainDie Europäische Zentralbank (EZB) erwägt einem Medienbericht zufolge erstmals in ihrer Geschichte ernsthaft einen negativen Zins. Wie die Agentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit den Debatten in der Notenbank vertrauten Personen berichtete, könnte der unter dem Leitzins liegende sogenannte Einlagesatz auf -0,1 Prozent von derzeit 0,0 Prozent gekappt werden.

Dies käme de facto einem Strafzins für jene Banken gleich, die Geld wegen der andauernden Vertrauenskrise im Finanzsektor lieber sicher bei der EZB parken anstatt Kredite an andere Institute oder Firmen und Haushalte zu vergeben. Eine Sprecherin der EZB wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Währungshüter hatten Anfang November ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Der EZB-Rat entscheidet Anfang Dezember das nächste Mal über die Zinsen. EZB-Chef Mario Draghi hatte kürzlich erklärt, die Zentralbank sei technisch bereit für negative Zinsen. Kritiker fürchten unerwünschte Nebenwirkungen eines solchen Schritts.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen hatte erst am Dienstag gesagt, negative Zinsen seien grundsätzlich eine Option, die die EZB einsetzen könne. „Aber ich wäre mit diesem Instrument in der Tat sehr sehr vorsichtig – will es aber nicht grundsätzlich ausschließen.“

Negativer Einlagezinsen hat sich in den vergangenen Jahren die dänische Zentralbank bedient, mit wenig Erfolg. Anstatt wie beabsichtigt den Kreditfluss zu beleben, passierte genau das Gegenteil, weil die Banken den Strafzins auf ihre Kreditzinsen, die sie von den Kreditnehmern verlangte, aufschlug.

In Kreisen des Eurosystems, also der EZB und der ihr angeschlossenen 17 Notenbanken der Euro-Länder, wurde deshalb am Mittwoch abermals vor unerwünschten Nebenwirkungen gewarnt. Die EZB, die nationalen Notenbanken und auch die Geschäftsbanken hätten ihre technischen Systeme zwar inzwischen für den möglichen Einsatz negativer EZB-Zinsen umgestellt, „aber im Gegensatz zum Frühjahr, als über diese Option heftig nachgedacht wurde, hat der Appetit darauf zuletzt abgenommen“, sagte ein Notenbanker.

Kommentare (8)

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wolfshund

20.11.2013, 18:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Analytiker

20.11.2013, 19:03 Uhr

Also sobald der Sollzins bei -0,5% liegt leihe ich mir sofort 10 Mio. EUR von der EZB. Die kriegen sie dann nach einem Jahr wieder und von den Zinsen lebe ich :-)

Eurowahn

20.11.2013, 19:20 Uhr

Das Geldsystem ist am Ende. Die Höchsstände am Aktienmarkt geben nicht die Situation der "Realwirtschaft" wider ! Realwirtschaft - ein gutes Wort. Da gibt es daneben dann auch eine Scheinwirtschaft - und so ist es auch. All das lockere Geld fliesst in Betongold und in die Aktienmärkte. Wie soll das auch anders funktioneiren. Sind die bei der EZB so verblödet. Wenn eine Firma schon keine Arbeit für ihre jetzigen Angestellten hat, Lagerhallen leer stehen, Maschinen unbenutzt dastehen. Soll der Unternehmer jetzt noch eine Lagerhalle bauen, die dann auch leer steht ?? Oder Leute einstellen, die mangels Arbeit Däumchen drehen. Was sind denn das für Wirrköpfe bei der EZB. Und wie soll eine Banken Kredite vergeben, wenn dieser Unternehmer keinerlei Sicherheiten bieten kann und vielleicht schon überschuldet ist. EZB - die müssen total weltfremd sein !!

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