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19.02.2016

14:51 Uhr

Zinswende

Notenbanker sieht Fed auf dem richtigen Weg

Im Gegenteil zu vielen anderen Experten und Investoren, sieht US-Notenbanker John Williams die Fed auf Kurs. Kleinere Zinsanhebungen seien trotz der derzeitigen Marktturbulenzen auf lange Sicht die richtige Maßnahme.

Der US-Notenbanker hält Zinserhöhungen durch die EZB für die richtige Methode. Reuters

John Williams

Der US-Notenbanker hält Zinserhöhungen durch die EZB für die richtige Methode.

Los AngelesDer US-Notenbanker John Williams würde auch nach den jüngsten Marktturbulenzen an weiteren kleineren Zinsanhebungen der Fed festhalten. Er gehe weiterhin davon aus, dass einer graduelle Normalisierung der Zinspolitik richtig und kleine Zinsschritte der beste Weg dorthin seien, sagte der Präsident der regionalen Notenbank von San Francisco am Donnerstag laut Redetext. Er erwarte zudem, dass die Arbeitslosenquote zum Jahresende Richtung 4,5 Prozent tendieren und die Inflationsrate in zwei Jahren bei zwei Prozent liegen werde.

Mit seinen Aussagen zu den Zinsanhebung liegt Williams konträr zu den Einschätzungen vieler Volkswirte und Investoren, die von einer Verschlechterung der Weltkonjunktur ausgehen und daher von weiteren Zinsanhebungen zunächst nichts wissen wollen.

Gleichwohl zeigt sich in einer Umfrage unter Händlern, dass eine weitere Zinsanhebung durch die Fed für wesentlich wahrscheinlicher gehalten wird als eine Zinssenkung.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Notenbank selbst hat angesichts der Konjunkturabkühlung in China und der Turbulenzen an den Finanzmärkten bei Zinsanhebungen ein langsameres Tempo als bislang geplant signalisiert. Manche Experten fürchten gar, dass es in den USA zu einer Rezession kommen könnte.

Von

rtr

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