Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2011

14:44 Uhr

Zwei Szenarien

Wohin entwickelt sich der Dax?

VonUlf Sommer

Sollten sich die Dax-Konzerne auch 2012 auf ähnlichem Gewinnniveau bewegen wie in diesem Jahr, läge ein „fairer“ Dax weiterhin bei 9000 Punkten. Doch schon ein leichter Rückgang könnte dramatische Folgen haben.

Wo es für den Dax hingeht, hängt vor allem an den Optimisten und Pessimisten unter den Anlegern. dpa

Wo es für den Dax hingeht, hängt vor allem an den Optimisten und Pessimisten unter den Anlegern.

DüsseldorfNoch im Frühherbst schien es, als ob die Weltwirtschaft bald in eine Rezession fällt. Die Frühindikatoren der Industrie- und Schwellenländer schwächten sich dramatisch ab. Davon ist in den vergangenen Wochen nicht ganz so viel übrig geblieben. Die US-Wirtschaft wächst, die Nachfrage aus den asiatischen Märkten boomt, und die Firmen verdienen prächtig.

Angenommen, die Dax-Konzerne verdienen im nächsten Jahr so viel wie 2011, dann bleiben die Aktien, wie schon jetzt, um knapp 35 Prozent niedriger bewertet als im historischen Mittel. Das heißt: Um „fair“ bewertet zu sein, müsste der Dax um gut 50 Prozent steigen. Weiter angenommen, die Gewinne der Dax-Konzerne steigen 2012 moderat um sieben bis zehn Prozent, genauso viel, wie es dem historischen Mittel entspricht, dann hätte der Dax sogar noch weitere zehn Prozent Luft nach oben – also auf über 9000 Punkte.

Preiswerte Aktien: Dax-Konzerne sind günstig wie selten

Preiswerte Aktien

Dax-Konzerne sind günstig wie selten

Dank hoher Gewinne und schleppender Kursentwicklungen sind die Börsenwerte einiger Dax-Unternehmen im Verhältnis zum Index heute deutlich preiswerter als in den vergangenen Jahren. Den Anlegern winken hohe Renditen.

Voraussetzung dafür ist aber, dass die Aktionäre auch für 2013 und 2014 kein Ende des Aufschwungs erwarten. Denn Anleger setzen nur dann auf Aktien, wenn sie davon ausgehen, dass die Firmen auch morgen und übermorgen ihre Gewinne von heute wiederholen oder steigern. Diese Grundzuversicht fehlt seit langem. Deshalb ist der Dax seit Jahren niedrig bewertet.

Es bedarf manchmal nur einer Mini-Rezession, damit die Erträge einbrechen. 2001, als Deutschlands Wirtschaft auf der Stelle trat, waren die Nettogewinne der Dax-Konzerne gegenüber dem Boomjahr 2000 um 60 Prozent gesunken. Ursache für die hohen Gewinnschwankungen sind die vielen konjunkturempfindlichen Konzerne im Dax. Sie profitieren stark vom Aufschwung, leiden aber sehr unter globalen Nachfragerückgängen, weil dadurch das weltweite Angebot steigt und die Preise sinken.

Dax 30: Welche Aktien nach den Börsenturbulenzen billig sind

Dax 30

Welche Aktien nach den Börsenturbulenzen billig sind

Sind Aktien nun billig oder teuer? Ein Bewertungsvergleich.

Bei einem angenommenen 60-prozentigen Gewinnrückgang im kommenden Jahr, so wie es den Unternehmen 2001 und auch in der Rezession 2008/09 widerfuhr, würden die 30 Dax-Konzerne nicht wie jetzt den neuneinhalbfachen Jahresgewinn kosten, sondern den 24-fachen. Der Dax wäre damit um 70 Prozent gegenüber dem langfristigen Durchschnitt überbewertet.

Das heißt: Wiederholt sich 2012 die Geschichte von 2001 oder 2008/09, dann hat der Dax reichlich Abwärtspotenzial. Mit knapp 3000 Punkten wäre er „fair“ bewertet. So tief wird er aber wohl nur dann fallen, wenn Anleger 2012 davon ausgehen, dass sich die jäh eingebrochenen Firmenerträge für lange Zeit nicht erholen werden. Denn so wie Anleger jetzt auf das nächste Jahr spekulieren, so werden sie 2012 versuchen, auf das Jahr 2013 zu handeln. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×