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22.03.2012

07:49 Uhr

Zwölf Prozent und mehr

Die grüne Rendite-Verlockung

VonKatharina Schneider

Zweistellige Renditen einfahren und gleichzeitig den Regenwald retten – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Handelsblatt Online zeigt, was hinter den Versprechen steckt. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Mit Slogans wie „Nachhaltige Geldanlage“,„Grüne Rendite“ oder „Den Regenwaldschützen“ ködern Investmentanbieter umweltbewusste Anleger. dpa

Mit Slogans wie „Nachhaltige Geldanlage“,„Grüne Rendite“ oder „Den Regenwaldschützen“ ködern Investmentanbieter umweltbewusste Anleger.

DüsseldorfEs klingt zu schön, um wahr zu sein: 12, 13 oder sogar 14 Prozent jährliche Rendite erzielen und gleichzeitig etwas Gutes für Mensch und Umwelt tun. Wer im Internet surft, stößt schnell auf diese blinkenden Anzeigen, die mit zweistelligen Renditeversprechen und Slogans wie „Nachhaltige Geldanlage“, „Grüne Rendite“ oder „Den Regenwald schützen“ werben.

Handelsblatt Online hat sich in einer Stichprobe fünf solcher Angebote näher angeschaut. Zwei der zufällig ausgewählten Unternehmen bieten Direktinvestitionen in Teakholz-Plantagen an, eines setzt auf Ölpalmen. Mit Genussrechten lockt ein Pellet-Produzent und ein geschlossener Fonds sammelt Geld für eine Kunststoff-Recycling-Anlage.

Geldanlagen in ökologische und nachhaltige Projekte liegen im Trend. „Allein in Deutschland gibt es Hunderte Öko-Anbieter. Manche Angebote sind solide Langfristinvestitionen, andere sind sehr riskant, aber im Erfolgsfall hochrentabel“, sagt Max Deml, Herausgeber des Börsendienstes Öko-Invest. Von den Öko-Versprechen alleine sollte sich aber niemand blenden lassen. „Oft entscheiden sich die Anleger aus tiefer Überzeugung für die Sache für ein Investment und übersehen dabei das Risiko“, sagt Deml.

Darauf müssen Anleger achten

Wie hoch sind die Erträge?

In den Anzeigen für Rohstoffinvestments mit Megarendite werden häufig die Renditeprognosen des Best Case-Szenarios genannt oder die Spitzenwerte einzelner Jahre.

Wann werden die Erträge gezahlt?

Hinter der angeblichen jährlichen Rendite verbirgt sich oft die IRR (Internal Rate of Return). Dabei handelt es sich aber nur um eine theoretische mittlere jährliche Rendite. Diese Angabe bedeutet nicht, dass der Anleger tatsächlich jedes Jahr eine Auszahlung bekommt.

Wie lange läuft die Beteiligung?

Investments in Holz laufen häufig zwanzig Jahre. Aber auch bei Genussscheinen sind Laufzeiten von mindestens fünf Jahren üblich. Eine frühzeitige Kündigung ist häufig nicht möglich oder mit finanziellen Einbußen verbunden.

Welche Erfahrungen haben die Initiatoren?

Ein Anhaltspunkt um die Seriosität eines Anbieters zu beurteilen, sind die bereits umgesetzten Projekte.

Wie qualifiziert ist die Geschäftsführung?

Wenn die Geschäftsführer in der Vergangenheit in Branchen tätig waren, die nichts mit dem beworbenen Projekt gemein haben, ist besondere Skepsis angebracht. Seriöse Unternehmen sollten die Vita ihrer Führungskräfte veröffentlichen.

Wie entwickelt sich die Branche?

Trotz Energiewende gibt es keinen durchgängigen Aufwärtstrend bei Erneuerbaren und ökologischen Energien. Vor einem Investment sollten sich Anleger genau über die entsprechende Branche informieren.

Die blinkenden Anzeigen verraten zunächst nicht, welche Unternehmen und welches Konzept hinter dem Renditeversprechen stecken. Wenn der potenzielle Anleger auf die Anzeigen klickt, wird er auf eine Werbe-Website weitergeleitet. Hier werden einige Eckpunkte des Angebots grob umrissen: Wie hoch ist die Mindesteinlage, wie hoch die versprochene Rendite, wann erfolgt die erste Auszahlung? Zudem gibt es meist eine kleine Statistik, die die Entwicklung der Kapitalanlage belegen soll.

Wichtigstes Element auf den Seiten ist aber das Kontaktformular. Um nähere Informationen per Post zu erhalten, muss der Interessierte hier seine Anschrift samt Telefonnummer und E-Mail-Adresse angeben. „Allein das halte ich schon für unseriös“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Der Verbraucher muss schon beim ersten Kontakt viele Daten preisgeben, um überhaupt erst Zugang zu den wesentlichen Informationen des Produkts zu erhalten.“ Die Anbieter dagegen halten sich auf den Werbeseiten bedeckt.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

22.03.2012, 08:09 Uhr

Mein Vorschlag: Anstatt solchen windigen Angeboten Geld hinterher zu schmeißen, lieber die Euros direkt in Teakholzmöbel investieren und sich dann 20 Jahre lang daran erfreuen. Während dieser Zeit kann man dann laufend beobachten, ob all diese "Anbieter" noch am Markt sind. Der Spuk hört erst dann auf, wenn solch ein Quark nicht mehr angeboten wird und Anleger nicht mehr für dumm verkauft werden. Rendite ist doch nicht alles im Leben, oder?

Account gelöscht!

22.03.2012, 08:17 Uhr

Jedes mal wieder rege ich mich bei solch langen Artikeln über diese kleinen ausklappbaren Boxen mit Zusatzinfos auf. Weder beim simplen Ansichtsdruck, noch bei Ausdruck über die angebotene Druckfunktion werden diese Boxen vollständig mit ausgegeben. Immer nur der erste Punkt. Wie soll man sich die Artikel da vernünftig ausdrucken und für später zur Seite legen können? Man bleibt zwangsweise auf der Online-Darstellung sitzen!

Bitte ändern, liebe RedaktioN!

Anonymikus

22.03.2012, 10:03 Uhr

Ganz meine Meinung! Früher konnte ich den gesamten Artikel öffnen und alles lesen; heute muss ich jede Seite einzeln öffnen und lesen und die Zusatzinfos aus den Klapptabellen darf ich mir per Hand abschreiben - oder per "copy and paste" in ein eigenes Dokument übertragen und dann ausdrucken, um den gesamten Artikel auf Papier zu haben. >>> Ja ich bin noch so altmodisch und archiviere auf Papier. Außerdem sind die Handelsblattartikel - zumindest war es so - nach einigen Jahren nicht mehr aufrufbar.
Hier sollte die Redaktion wirklich nachbessern.

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