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31.05.2013

17:03 Uhr

Zyperns Notenbankchef

Der Buhmann der Nation

Zypern hat den Sündenbock für seine Misere ausgemacht: Notenbankchef Demetriades. Für den Banker läuft es derzeit gar nicht gut. Im Parlament laufen Untersuchungen gegen ihn – und privat erhält er Morddrohungen.

Der zyprische Notenbankchef Panicos Demetriades steht beruflich unter Beschuss. Zurücktreten will er aber nicht. ap

Der zyprische Notenbankchef Panicos Demetriades steht beruflich unter Beschuss. Zurücktreten will er aber nicht.

Als am 16. März gegen sieben Uhr morgens das Telefon von Panicos Demetriades klingelte, hatte der zypriotische Notenbank-Chef, der sein Land auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) vertritt, die schlechten Nachrichten schon gelesen.

Am anderen Ende der Leitung war sein damaliger Vize Spyros Stavrinakis. Er informierte seinen Chef darüber, dass der Staatspräsident in der Nacht im über 3000 Kilometer entfernten Brüssel als Gegenleistung für ein Rettungspaket zugestimmt hatte, jedes Konto im Inselstaat mit einer Abgabe zu belasten.

Die Bedingungen der Rettung wurden zwar später gelockert, doch für Demetriades wurde das Leben nicht leichter. Ein Jahr, nachdem der 54-Jährige seinen Lehrstuhl an einer englischen Universität aufgegeben hat, steht der Notenbank-Chef immer noch im Schatten der Affäre – einschließlich Todesdrohungen und einer Untersuchung im Parlament.

„Als Akademiker hat man diese Art von Druck in aller Regel eigentlich nicht“, sagt Professor Stephen Hall, ein früherer Kollege von Demetriades an der Universität Leicester und zudem Berater der griechischen Notenbank.

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Demetriades gibt nicht auf und steht zu seinem Vorgehen. Nach mehreren Morddrohungen hat er aber sicherheitshalber seine Frau, die auch Akademikerin ist, und die Kinder außer Landes geschafft. Sie leben jetzt quasi im Exil. Eine der Drohungen kam von der „Einlagen-Rettungs-Gruppe“.

Die Geschichte von Demetriades ist die Geschichte eines Mannes, der mehr als zwei Jahrzehnte an englischen Universitäten unterrichtete und sich plötzlich inmitten der größten Krise seines Heimatlandes seit der türkischen Invasion, die das Land 1974 in zwei Teile aufspaltete, wiederfand.

Den Posten als Zentralbank-Chef hatte er im Mai vergangenen Jahres angetreten, nachdem ihn die vorherige Regierung für die Stelle verpflichten konnte. Er übernahm Verantwortung für eine Volkswirtschaft, die mit ausufernden Haushaltsdefiziten und einem Ausschluss von den internationalen Anleihe-Märkten zu kämpfen hatte.

Die zypriotischen Geschäftsbanken, die in der Vergangenheit voll auf griechische Anleihen gesetzt hatten, bluteten aus. Ihre Verluste addierten sich auf bis zu 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Kommentare (2)

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Eurowahn

31.05.2013, 18:33 Uhr

Jemandem zu bedrohen ist normalerweise ein abscheulicher und zu verachtender Vorgang. Aber offensichtlich sind die Menschen in Zypern so verzweifetl und voller Hass und Wut. Kein Wunder, werden die Banker doch generell von den Politikern protegiert und beschützt. Was wurde uns nicht alles versprochen, man will diejenigen zur Rechenschaft ziehen (BANKEN) die die Krise verursacht haben. Und man will sie an der Sanierung beteiligen. Nichts ist geschehen - Finanztransaktiossteuer ist vom Tisch und auch sonst werden die Banken nicht an den Folgen der Krise beteiligt !! Ihnen geht es wieder besser als noch vor der Krise. Die Banken haben gerade in den USA wieder Rekordzahlen geshrieben und das Geld, mit dem sie von uns Steuerzahlern gerettet wurden, mit dem zocken sie wieder an der Börse. Es herrscht Anlagenotstand sagen die Banker. Man wisse nicht, wo man das viele Geld anlegen soll. DAS VIELE GELD ??? Während in ganz Europa die Menschen verarmen und die Arbeitslosigkeit versinkt, baden die Banker wie Dagobert Duck im vielen Geld. Ich verstehe nicht warum die Völker nicht aufstehen und diese korrupten Bankenlobbyisten von Politikern stürzen in den Krisenländern. Von Morddrohungen halte ich nichts und verurteile sie. Aber offensichtlich denken die Menschen in Zypern, nur so kann man die Verantwortlichen in Angst versetzen, damit sie ihr handeln ändern. Da she tihr wo die hunderte von Rettungsmilliarden gelandet sind für die Staaten. Unser Steuergeld haben die Banken bekommen mit ausdrücklicher Unterstützung der Politiker !!!

OnlyHuman

31.05.2013, 18:51 Uhr

Tja, falls der Schein nicht trügt, werden nicht nur Freitode von verzweifelten Menschen zunehmen, sondern auch Laternenpfähle warten und zwar trotz Panzerlimousinen, Polizei und Sicherheitspersonal.

Politische rote Linien wurden zigfach überschritten, keinerlei Regel gilt für diejenigen, die sie selbst als Gesetz verfassen und verabschieden.

So böse es auch klingen mag: Es liegt etwas in der Luft - nicht nur Regenwetter.

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