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21.01.2003

09:45 Uhr

Finanzkonzern will reinen Tisch machen

CS Group macht Rekordverlust

Der Schweizer Finanzkonzern CS Group wird das Jahr 2002 mit einem Rekordverlust von 3,4 Milliarden Franken abschliessen. Für das vierte Quartal allein wird ein Verlust von einer Milliarde Franken ausgewiesen.

Reuters ZÜRICH. Der Verlust geht laut CS-Angaben vom Dienstag zu einem guten Teil auf das Konto der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB), die noch allerlei Sünden der Vergangenheit zu bereinigen hat. So muss CSFB 450 Millionen Dollar vor Steuern oder 293 Millionen Dollar nach Steuern für private Rechtsstreitigkeiten in der Frage der Unabhängigkeit von Analysten und gewissen Zuteilungspraktiken bei Börsengängen zurückstellen.

Diese Summe sei im Moment nach einer sorgfältigen Einschätzung festgelegt worden, hiess es in der englischsprachigen Version der Medienmitteilung. CSFB glaube auch gute Argumente zu ihrer Verteidigung in dieser Sache zu haben. Doch möglicherweise müssten die Rückstellungen in Zukunft noch revidiert werden. Neben den Rückstellungen für mögliche privatrechtliche Schadenersatzklagen muss CSFB noch Zahlungen aus Vergleichen mit den Aufsichtsbehörden der USA leisten. Alles in allem summieren sich die Rückstellungen und Aufwendungen in diesem Zusammenhang nach Steuern auf etwas mehr als 400 Millionen Dollar.

Den Verlust von 250 Millionen Dollar nach Steuern für den Verkauf des Clearing-Systems Pershing verbuche CSFB im vierten Quartal. Und auch die Kostensenkungsinitiative kostet erst einmal Geld. In der Summe muss CSFB einmalige Sonderbelastungen und Spezialrückstellungen vornehmen, die sich nach Steuern auf insgesamt 810 Millionen Dollar im vierten Quartal belaufen.

Entgegen manchen Marktbefürchtungen nahm CSFB für 2002 kein Goodwill-Impairment vor. Marktbeobachter hatten nicht ausschliessen wollen, dass im Zusammenhang mit der Übernahme der Investmentbank DLJ für fast 20 Milliarden Franken eine solcher Schritt hätte nötig werden können.

Nach den Worten von CSG-Finanzchef Phil Ryan befindet sich die Gruppe für das laufende Jahr wieder auf Gewinnkurs. "Unser Bestreben war es, eine Struktur zu errichten, die uns für 2003 wieder Gewinne ermöglicht", sagte Ryan im Gespräch mit Reuters. Im Jahr 2001 erzielte der Finanzkonzern einen Gewinn von 1,6 Milliarden Franken.

Nach Angaben von Analysten lag der Verlust im Rahmen der Erwartungen. Die Zürcher Kantonalbank hatte rund drei Milliarden Franken Verlust erwartet nach einem Reinverlust von rund 2,15 Milliarden Franken nach neun Monaten. Allerdings hatten noch nicht alle Analysten ihre Schätzungen fertig, da CS den Abschluss für den 25. Februar angekündigt hatte. Die CS-Aktie legte im frühen Handel dann 1,15 Franken oder 3,65 Prozent auf 32,75 Franken zu. Wenn man die Sonderbelastungen abziehe, dann falle das operative Ergebnis der Gruppe besser als erwartet aus, sagte Georg Kanders, Bankenanalyst bei WestLB Panmure, der die Aktie von Credit Suisse mit "kaufen" einstuft mit einem Kursziel von 48 Franken.

Von dem Verlust von 3,4 Milliarden Franken entfallen 1,8 Milliarden Franken auf die von dem Amerikaner John Mack geführte CSFB. Credit Suisse Financial Services, die von Oswald Grübel geleitet wird, schloss das Jahr mit einem Reinverlust von etwa 220 Millionen Franken ab. Die Erträge aus dem traditionellen Bankgeschäft und der Vermögensverwaltung reichten fast aus, um die Verluste bei der Winterthur Versicherung abzudecken. Dabei half, dass die Winterthur Gruppe bessere Anlageergebnisse erwirtschaften konnte als zunächst erwartet und daher im vierten Quartal 2002 wieder in die Gewinnzone zurückkehrte. Winterthur war nach neun Monaten auf einen operativen Verlust von fast 2,5 Milliarden Franken gekommen und musste mit Kapitalspritzen in Milliardenhöhe wieder flott gemacht werden.

Die weiteren Verluste, die die Gruppe unter der Rubrik Corporate Center verbucht, waren in der Mitteilung zum vorläufigen Abschluss noch nicht angesprochen. Dort schlagen dann vermutlich die Beteiligungen an Swiss Life und an der Swissair-Nachfolgegesellschaft Swiss zu Buche.

Für 2003 rechnet der Co-CEO John Mack mit weiterhin anspruchsvollen Marktbedingungen. Das Unternehmen arbeite daran, wieder profitabel zu werden und die Kerngeschäfte weiter auszubauen, hiess es in der Medienmitteilung. Oswald Grübel wurde mit den Worten zitiert, die bessere Ertragslage mit schwarzen Zahlen im vierten Quartal stimme ihn zuversichtlich.

Finanzchef Ryan sagte in dem Gespräch mit Reuters, Mack werde sich bei CSFB weiter auf die Kostenfrage konzentrieren und Anpassungen an die Marktlage vornehmen. Mit einem merklichen Marktaufschwung sei dieses Jahr wohl kaum zu rechnen, sagte der Finanzchef weiter.

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