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11.07.2000

13:22 Uhr

Finanzplatz Schweiz erhofft sich Vorteile durch neue Börse

Virt-X will führende europäische Börse für Blue Chips werden

Der Kampf um die Liquidität im Handel mit europäischen Blue Chips wird härter. Neue internationale Börsen forcieren den Wettbewerbsdruck. Die britische Tradepoint und die Schweizer Börse SWX hoffen, mit ihrem Gemeinschaftsmarkt Virt-X zu den Gewinnern zu zählen.

ef ZÜRICH. Mit Virt-X geht im ersten Quartal 2001 eine weitere internationale Börse an den Start. Mit diesem Gemeinschaftsunternehmen der britischen Tradepoint und der Schweizer Börse (SWX) hat damit ein weiterer Wettbewerber um den Handel in europäischen Blue-Chips seinen Hut in den Ring geworfen. Neben Virt-X ringen noch die aus der Fusion der Börsen in London und Frankfurt hervor gehende iX sowie Euronext, der Zusammenschluss der Börsen in Paris, Brüssel und Amsterdam, um die Vormachtstellung im europäischen Blue-Chip-Markt. Virt-X strebt bis Ende 2001 einen Marktanteil von rund 20 % an.

Mit sichtlichem Stolz berichtete Jörg Fischer, Präsident der Schweizer Börse SWX, dass die bisher noch ungebundenen Börsen in Mailand und Madrid ernsthaftes Interesse an Virt-X gezeigt hätten. Virt-X will jedenfalls weiteren Partnern offen stehen. Nach Abschluss verschiedener Kapitalmaßnahmen werden SWX und Tradepoint je 38 % des Virt-X-Kapitals kontrollieren. Der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz. Als wesentliche Vorteile von Virt-X nannte Fischer die Übernahme der vollelektronischen Plattform der Schweizer Börse, die weiter von Zürich aus entwickelt und betrieben werden soll.

Auch dass die Elektronische Börse Schweiz (EBS) Handel, Reporting, Clearing und Settlement bereits voll integriert hat, sieht Fischer positiv. Das System sei so ausgelegt, dass auch sehr große Handelsmengen bewältigt werden können. Zudem seien Abschlüsse in verschiedenen Währungen möglich. Konkret sei an Abschlüsse in Euro, britischem Pfund, US-Dollar, Schweizer Franken, aber auch in Yen und schwedischer Krone zu denken.

Verlagerung der Schweizer Werte nach London Als zentrale Gegenpartei wird das London Clearing Haus (LCH) fungieren. Die Swiss Financial Services Group (FSG) ist als General Clearing Member bei LCH eingeplant. Ferner ist die Settlement-Flexibilität durch die Anbindung an Crest, SIS und Euroclear gewährleistet. Für Abschlüsse an der Virt-X wird eine Abwicklungsfrist von drei Tagen gelten.

Abgedeckt werden sollen alle europäischen Märkte. Neben den rund dreihundert britischen Aktien, die bisher an der Tradepoint gehandelt werden, sollen eine etwa gleich große Zahl kontinentaleuropäischer Blue Chips treten. Die Schweizer Standardwerte, also die Aktien von Nestlé über Roche und Novartis bis zu UBS oder der Zurich Financial Services sollen ab dem Start der Virt-X in London gehandelt werden. Während der Handel britischem Gesetz unterstehen wird, ist geplant, dass für die eidgenössischen Emittenten ansonsten weiter Schweizer Recht gilt. Deshalb soll eine Verlagerung wichtiger Funktionen von Zürich und Genf nach London nicht erfolgen, meinte Fischer.

Bisher ist Tradepoint auf Grund des recht geringen Handelsvolumens als einzige europäische Börse direkt für US-Marktteilnehmer zugänglich. Die Virt-X-Verantwortlichen verhandeln gegenwärtig mit der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC darüber, dass dieses Privileg beibehalten werden kann.

Mit der Schaffung der Virt-X komme die Schweizer Börse den Forderungen von wichtigen Investmentbanken entgegen, die ein effizientes und einheitliches Börsenhandelssystem mit einfachem Zugang zu den europäischen Blue Chips fordern. Auch die integrierte Lösung werde die neue Börse bieten können.

Mit dem Tradepoint-Konsortium, das 54 % des Kapitals dieser britischen Börse kontrolliere, steht nach Ansicht von Fischer der Virt-X ein wichtiger Partner zur Verfügung, der als Market Maker und Liquiditätslieferant fungiere. Neben den drei elektronischen Netzwerken Instinet, Archipelago und American Century zählen auch namhafte Investmentbanken wie UBS Warburg, Credit Suisse First Boston oder J.P. Morgan zum Konsortium.

Schließlich äußerte der Schweizer Börsenpräsident die Überzeugung, dass die internationale Stellung des Finanzplatzes Schweiz durch Virt-X gestärkt werde. Mit einem Marktanteil von 7 % am europäischen Blue-Chip-Markt habe die SWX auf Dauer nicht die notwendige Masse auf die Waage gebracht, um erfolgreich sein zu können. Der große Erfolg der Derivatebörse Eurex, an der die SWX und die Deutsche Börse zu je 50 % beteiligt sind, unterstreiche die Erfolgschancen.

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