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07.01.2003

08:13 Uhr

Finanzplatz verteidigt seine internationale Bedeutung

Schweizer Banken setzen auf Privatkunden

VonHeinz-Egon Feislachen

Die eidgenössischen Geldhäuser fühlen sich für den Wettbewerb gewappnet. Nach Fusionen sind von fünf Schweizer Großbanken lediglich zwei übrig geblieben. Obwohl im Filialgeschäft Regionalbanken für starke Konkurrenz sorgen, gilt eine weitere Konzentration in der Bankenlandschaft als ausgeschlossen.

ZÜRICH. In der Schweiz ist der Konsolidierungsprozess unter den Banken weitgehend abgeschlossen. Lediglich kleinere Korrekturen dürften in den nächsten Jahren noch anstehen. Bereits in den neunziger Jahren hatten verschärfter Kostendruck und mangelnde Ertragskraft die Branche kräftig umgepflügt. So wurden beispielsweise die Schweizerische Volksbank und Bank Leu durch die Schweizerische Kreditanstalt übernommen. Diese wurde durch die Übernahme der Winterthur Versicherungen zum Allfinanzkonzern Credit Suisse Group (CSG).

Zusammengeschlossen haben sich auch die zuvor an erster und dritter Stelle rangierenden Großbanken Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS. Nach Überwindung der anfänglichen Schwierigkeiten und Übernahme der Führung durch Marcel Ospel zählt die UBS heute zu den weltweit erfolgreichsten Banken. So ist sie heute der weltweit größte Vermögensverwalter und besitzt mit UBS Warburg eine gute Stellung im Investmentbanking.

Ospel erkannte früh, dass das Allfinanzkonzept nicht der Schlüssel zu höherem Wachstum und steigenden Erträgen ist. So verkaufte er zu exzellenten Bedingungen die Beteiligung an der Rentenanstalt. Die ertragsstarke UBS hat zudem eine kerngesunde Bilanz. Trotzdem will Ospel auch künftig nur sehr gezielt die Stärken der Bank ausbauen. Die Übernahme schwacher Filialbanken gehört nicht dazu.

Dies gilt auch für die Credit Suisse Group, die sich wie der größere Nachbar im Filialgeschäft auf den heimischen Markt beschränkt. Beide Institute erzielen durch ihre restriktive Kreditvergabe im Geschäft mit der mittelständischen Wirtschaft wieder nachhaltig Gewinne. Nach Lösung der Ertragsprobleme bei der Winterthur und im Investmentbanking sehen Beobachter die Chance, dass das neue CSG-Führungsduo, Oswald Grübel und John Mack, den Allfinanzkonzern wieder an das frühere Ertragsniveau heranführt.

Seine internationale Bedeutung verdankt der Finanzplatz Schweiz indessen nicht der Konzentration auf wenige Großbanken, sondern nach wie vor dem Private Banking, also der Betreuung und Verwaltung bedeutender in- und ausländischer Privatvermögen. Daran dürfte sich auch künftig nicht viel ändern, da die Trutzburg des eidgenössischen Bankgeheimnisses dem Ansturm der EU-Finanzminister weiter Stand halten dürfte. Die Regierung, eine klare Parlamentsmehrheit und die Bevölkerung, die eine Änderung des entsprechenden Gesetzes in einem Referendum billigen müsste, verteidigen das Bankgeheimnis vehement.

Gleichwohl wird nicht ausgeschlossen, dass einiges Kapital aus der Schweiz abfließen könnte. Die Steueramnestie der Regierung Berlusconi in Italien hat gezeigt, dass steuermüde Bürger mit entsprechenden Anreizen zur Rückführung ihres Vermögens bewegt werden können. Nach der Amnestie dürften rund 40 Mrd. sfr nach Italien zurück geflossen sein. Die Schweizer Banken haben zum Teil mit Erfolg versucht, diese Gelder auch südlich der Alpen durch die Eröffnung eigener Niederlassungen oder durch Kooperationen mit italienischen Instituten in ihren Kassen zu halten.

Der Schachzug der deutschen Regierung, Schwarzgeld durch die Gewährung von Straffreiheit zurück zu holen, wird allerdings kaum als Bedrohung des Finanzplatzes Schweiz empfunden. Die Besteuerung des zurückgeführten Kapitals mit 25 % gilt als deutlich zu hoch. Zudem hat die anhaltende Diskussion in Deutschland über die künftige Steuerbelastung der Bürger wenig dazu beigetragen, den deutschen Steuerflüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat schmackhaft zu machen. Deutsche mit großen Vermögen haben der Bundesrepublik bereits ganz den Rücken gekehrt oder stehen gerade im Begriff, dies zu tun.

Um für Veränderungen im Privatkundengeschäft gewappnet zu sein, haben UBS und Credit Suisse Group, aber auch andere Schweizer Institute, ihre Private-Banking-Präsenz in den westeuropäischen Märkten bedeutend ausgebaut. Darüber hinaus haben Schweizer Banken an ausländischen Märkten nur selektives Interesse. Neben der Vermögensverwaltung interessiert sie vor allem das Investmentbanking.

Das Private Banking zählt trotz der Baisse der letzten drei Jahre zu den stabilen Ertragssäulen der Schweizer Banken. Deshalb haben in den vergangenen Jahren nahezu alle Institute versucht, sich ein Stück dieses Kuchens abzuschneiden. Während vor zehn Jahren die Vermögensverwaltung noch fast ausschließlich eine Domäne der Groß- und Privatbanken in den Zentren Zürich, Basel, Genf und Lugano war, haben in den letzten Jahren auch Kantonal-, Regional- und Raiffeisenbanken in dieses Geschäft investiert. Auch ausländische Banken haben in den letzten Jahrzehnten diesen speziellen Reiz des Finanzplatzes Schweiz entdeckt.

Verwaltete Vermögen von 75 Mrd. sfr gelten bei den spezialisierten Banken als Mindestgröße, um ihren Kunden die erwarteten Dienstleistungen speziell im Research und in der Produktentwicklung bieten zu können. Diese Größenordnung erreichen nur eine Handvoll der Spezialbanken. Für die übrigen gilt, entweder in einer Nische zu überleben oder durch Fusionen - wie zuletzt Lombard Odier und Darier Hentsch - zu wachsen. Auch die Anlehnung an große Auslandsbanken, wie im Falle von Sarasins Anlehnung an die niederländische Rabobank, kann mehr Gewicht am Markt bringen. Im klassischen Filialgeschäft hat die restriktivere Kreditvergabe der Großbanken den durch Fusionen gewachsenen Regionalbanken, aber auch den Kantonal- und Raiffeisenbanken zusätzliche Chancen eröffnet.

Quelle: Handelsblatt

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