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30.01.2002

21:47 Uhr

Firmen entwickeln erste Produkte unter dem MPEG-7-Standard

Suchmaschine findet digitale Bilder und Töne

VonUlrich von Löhneysen

Eine Beschreibungssprache, die für audiovisuelle Inhalte entwickelt wurde, soll das Auffinden von digitalisierten Film- und Musikstücken erleichtern. Dem Stück werden dazu so genannte Metadaten angehängt.

HAMBURG. Techniker des niederländischen Elektronikkonzerns Philips wollen bis Ende des Jahres eine neue Musik-Datenbank verwirklichen. Diese sucht nicht nach Titeln oder Interpreten, sondern nach Melodien. Das Vorspielen eines Musikstückes per Handy, ja sogar das Vorsingen oder Pfeifen eines Liedes soll genügen, damit die Suchmaschine das Stück findet.

In dem Projekt der Philips-Forscher wird eine der ersten Anwendungen weltweit entwickelt, die auf dem neuen Multimedia-Standard MPEG-7 basiert. Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Arbeitsgruppe der internationalen Standardisierungs-Organisation Iso - die Motion Picture Experts Group -, die bislang vorwiegend Normen für die Platz sparende Speicherung und Übertragung von Video- und Audio-Daten festgelegt hat.

Mit dem MPEG-Verfahren arbeiten die Filmscheibe DVD, das digitale Fernsehen, aber auch die MP3-Übertragung von Musik im Internet. MPEG-7 geht seit Anfang Dezember mit der Gründung einer Industrie-Allianz in Pattaya, Thailand, aus den Forschungslabors in die Entwicklung konkreter Anwendungen - wie das Beispiel der Philips-Datenbank zeigt. Mit der Beschreibungssprache können charakteristische Merkmale festgehalten werden, so dass sich bestimmte Inhalte schnell finden lassen. Schließlich kann auf einer heute üblichen Festplatte von 20 Giga-Byte Musik für mehrere Wochen gespeichert werden oder mehrere Tausend digitale Fotos. Schon Ende 2002 wird es Festplatten mit 200 Giga-Byte und mehr geben. Diese Menge an Inhalten muss irgendwie verwaltet und aufbereitet werden.

Code erleichtert das finden von Filmen

Beim digitalen Fernsehen ermöglichen MPEG-7-Zusatzdaten zum Beispiel das "Trailer Recording". Für das Aufzeichnen einer Sendung auf einen digitalen Speicher genügt es, einen Vorspann zu markieren. Anhand der mitgesendeten "Content Reference Identification (Crids)" kann der Recorder dann herausfinden, wann und auf welchem Kanal der Beitrag ausgestrahlt wird. Diese Crids sollen etwas Ähnliches für audiovisuelle Inhalte werden wie heute ISBN-Kennungen für Bücher oder URL für Webseiten.

Damit wird es dann in Zukunft möglich sein, alle Sendungen zur Aufnahme zu programmieren, in denen ein bestimmter Schauspieler vertreten ist. Genauso wie die Bildsignale lassen sich auch die Töne nach bestimmten Rastern durchforsten. Besonders fortgeschrittene Systeme sollen sogar mit Stimmerkennung arbeiten, also Sprecher oder Sänger identifizieren können. Auch an der Erkennung von bestimmten Begriffen wird gearbeitet, so dass sich Geräte bauen lassen, die alle Sendungen aufzeichnen, in denen beispielsweise ein bestimmter Firmenname auftaucht.

Die Methoden zum Herausfiltern von Melodien und Rhythmen sind schon so weit gediehen, dass Hintergrund- oder Störgeräusche zuverlässig herausgefiltert werden. Die dann noch benötigten Basisdaten über Interpreten und Veröffentlichungen gibt es im Internet bereits. Sie werden schon jetzt von Geräten wie dem Sound Server von Imerge dazu genutzt, abgespielte CD zu erkennen.

Erste Produkte kommen noch in diesem Jahr

Wie immer bei Projekten der MPEG-Arbeitsgruppe steuern zahlreiche Firmen und Institute Vorschläge bei. So wurden zum Beispiel bei Bosch in Hildesheim Verfahren für die Kompression der Zusatzdaten entwickelt, damit die Übertragungswege - egal ob Internet oder Rundfunk - nicht zusätzlich belastet werden. Zu Projekten wie "MyTV" oder "TV Anytime" trugen neben Fernsehstationen auch Nokia oder die Tomorrow Internet AG (jetzt Tomorrow Focus) bei.

Erste Produkte und Dienste, die MPEG-7 nutzen, sollen bereits im Laufe dieses Jahres vorgestellt werden. Die entscheidende Frage dabei ist nicht, ob die Anwendungen realisiert werden. Sondern: ob sich alle Firmen an den Standard halten. Denn nur dann ist sichergestellt, dass die "Nadel im Heuhaufen" auch wirklich gefunden wird.

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