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26.05.2000

18:10 Uhr

Ohne die Beteiligungen an unserem Unternehmen, wären wir erheblich langsamer oder unter Umständen gar nicht gewachsen", sagt Konrad Singer, einer der Geschäftsführer der Expertise Gesundheitsmanagement AG.

Seit Ende vergangenen Jahres bietet das achtköpfige Berliner Startup-Unternehmen präventive Gesundheitsleistungen in den Bereichen Fitness, Ernährung und Stressmanagement an. Die Ernährungsberater, Trainer, Stressmanager und Mediziner wollen ihre neue Dienstleistung im Franchise-Verfahren bundesweit anbieten. Aus dem Stand wäre das nicht zu machen gewesen. Die Jungunternehmer suchten Partner.

Passende Partner zu wählen, ist allerdings nicht einfach. Dabei hilft seit gut einem Jahr die Unternehmens- und Beteiligungsagentur (UBA) der Deutschen Ausgleichsbank in Berlin. Sie bahnt Firmenehen an, sorgt für Beteiligungskapital, Know-how-Transfer. Mit diesem (noch) kostenlosen Service will die UBA eine Nische besetzen. Es gebe kaum institutionalisierte Formen der Kontaktaufnahme mit an Gewinn interessierten Förderern.

"Der Markt ist riesengroß, weil jeder, dem an seiner Gesundheit etwas liegt, und weil jedes Unternehmen, dem an der Gesundheit seiner Mitarbeiter etwas liegt, ein potenzieller Kunde ist", gibt sich Singer, der Kaufmann bei Expertise, zuversichtlich. Ein Optimismus, den drei Partner teilen, die er über die Beteiligungsagentur gefunden hat. "Für ein Startup ist eine gute Finanzierung eine Kunst, zumal wenn man in der ersten Phase so wie wir auf eine Venture-Capital-Gesellschaft verzichten will."

Expertise bereitet sich derweil auf den Börsengang vor und nutzt das Know-how und Kapital eines Arztes in stiller Beteiligung und von zwei weiteren Medizinern, die, "mit unternehmerischer Affinität", investieren und strategische Partner sind. Allerdings sei das Mitspracherecht der Partner beschränkt: "Strategisch und operativ agieren wir absolut frei", sagt Singer. Ein Kapitalgeber sitzt im Aufsichtsrat.

Klare Absprachen gehören zur Philosophie der Partneragentur, sagt die Leiterin Sabine Großmann. "Man sollte sich aber im Klaren sein, dass es dem Beteiligungsgeber darum geht, die Anlage im Wert steigen zu sehen, weshalb er über ein gewisses Maß an Mitsprache verfügen muss." Man müsse ja nicht gleich 70 Prozent des Unternehmens verkaufen. Die UBA moderiert auch nach einer Vermittlung zwischen den Partnern, stellt Finanzierungspläne auf und bietet Förderprogramme an.

Zurzeit stehen in der Datenbank der Agentur 300 Anbieter von Beteiligungskapital 400 Suchenden gegenüber. Die UBA steht mit mehr als 1 000 Unternehmen und Investoren im In- und Ausland in Kontakt. Potenzielle Partner präsentieren sich mit anonymisierten Firmenexposés, die auch im Internet abrufbar sind. Passen die Profile zusammen, muss es nicht zwangsläufig zur Ehe kommen. "Wenn sich beide Seiten blöd finden, hat alles keinen Zweck", lehrt Großmanns Erfahrung. In 20 Fällen hat es im vergangenen Jahr gepasst, das entspricht einer Erfolgsquote von zehn Prozent.

Expertise profitierte von der Vermittlung; nötige Investitionen wurden möglich und schafften die Grundlage für zusätzliches Fremdkapital. Geschäftsführer Singer rät UBA-Aspiranten dringend, gut vorbereitete und klar strukturierte Unterlagen einzureichen: "Kurz und knackig müssen sie sein. Die Berliner Kapitalkuppler schauen sich die Kandidaten persönlich an, beäugen deren Lebensläufe und Vorhaben. Sie klopfen auch bei den Geldgebern ab, wie seriös und kompetent jemand ist. Großmann sagt: "Es geht auch darum, Trittbrettfahrer, wie Berater, auszusieben."

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