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14.04.2003

08:20 Uhr

Firmenbilanzen enttäuschen

Wenig Hoffnung für japanische Aktien

VonNicole Bastian

Die realen Wirtschaftsdaten entwickeln sich derzeit in Japan besser als in vielen anderen Ländern. Dennoch fällt der Nikkei auf ein neues 20-Jahrestief. Langfristig scheinen die Investoren wenig Vertrauen in die japanische Wirtschaftsentwicklung zu haben. Experten erwarten bereits weitere Kursrückgänge.

TOKIO. Viele Monate galt die Marke von 8 000 Punkten als unteres Limit für den Nikkei-Index aus 225 führenden Aktienwerten. Fällt das Börsenbaromter darunter, würde es für die Banken in Japan knapp, hieß es bei einigen Analysten. Nun wird bereits über die Marken von 7 500 oder gar 7 000 Punkten und deren Auswirkungen spekuliert. Die Analysten sind einmal mehr auf der Suche nach neuen Unterstützungslinien. Nach einem kleinen Zwischenhoch, das die Regierung den Banken und Unternehmen pünktlich zum wichtigen Buchungstag 31. März durch kurzfristige Regeländerungen bescherte, hat der Nikkei-Index aus 225 führenden Aktienwerten die 8 000-Marke wieder schnell nach unten durchbrochen. Mit traurigen 7 816 Punkten startet der Nikkei in die Woche (- 2,1 %). So niedrig stand er zuletzt im Januar 1983.

Trotz aller realwirtschaftlicher Probleme im Land des Lächelns scheint die schlechte Entwicklung am Aktienmarkt verwunderlich. Die Industrieproduktion etwa habe sich in den vergangenen Monaten besser als in den USA entwickelt, argumentieren Analysten. Die Schätzungen für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts werden derzeit eher herauf- als herabgesetzt. Großunternehmen wie die Technologiefirmen sind auf Erholungskurs.

Die Aktienbewertungen seien derzeit auffällig nach unten verzerrt, sagt Ökonom Chotaro Morita von der Deutschen Securities. Langfristig scheinen die Investoren wenig Vertrauen in die japanische Wirtschaftspolitik und-entwicklung zu haben. Neben der anhaltenden Verunsicherung über die Schwierigkeiten im Banken- und Versicherungsgewerbe drücken jedoch auch andere, eher technische Faktoren auf die Kurse, und dürften dies in den kommenden Wochen weiter tun.

Da sind zum einen massive Umschichtungen in den Pensionsfonds. Viele Firmen verwalten bisher in ihren Pensionsfonds den staatlichen Rentenanteil für Arbeitnehmer mit. Wegen der fallenden Kurse belasteten Verluste daraus die Bilanzen. Vor zwei Jahren hat die Regierung den Rücktransfer dieses staatlichen Anteils erlaubt. Dafür müssen Papiere verkauft werden, denn die Gewichtung des vom Wohlfahrtsministerium betriebenen Rentenfonds ist eine andere. Global tätige Unternehmen wie Toyota oder Honda seien in den privaten Rentenfonds übergewichtet, erläutert Aktienstratege Kiichi Fujita von Merrill Lynch. Entsprechend lastet auf ihnen der Verkaufsdruck. Die Sony-Aktie etwa verlor in der vergangenen Woche fast 9 %, Fuji Photo 14 %. Von den Umschichtungen profitieren im Gegenzug die Aktien kleinerer und mittelgroßer Unternehmen. Während der Index für Großunternehmen innerhalb des breit gestreuten Topix-Index in den vergangenen drei Monaten stark gefallen ist, legte der für Small Caps zu. Wegen deren geringen Gewichtung unter den rund 2 000 Werten im Topix fiel der Gesamtindex aber. Er ging mit 782 Punkten in die Woche. Einige Beobachter sehen den Höhepunkt der Aktienverkäufe für Pensionsumschichtungen erst einmal erreicht. Fujita ist jedoch überzeugt, dass die Verkäufe die Kurse noch weiter belasten und den Nikkei im schlimmsten Fall auf 7 500 Punkte drücken könnten.

Auch ausländische Investoren trennen sich von Aktien. Mit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres haben zudem die Banken wieder angefangen, Papiere zu verkaufen. Die Regierungsvorgabe, dass sich die Banken von den Paketen trennen müssen, während sie die faulen Kredite abbauen, wird zunehmend kritisiert. Die Regierung, meinen Analysten, sei zudem derzeit zu sehr mit sicherheitspolitischen Fragen beschäftigt. "Solange die Regierungsvertreter immer nur den Satz wiederholen, dass die Kurse nicht die Fundamentaldaten widerspiegeln, sind die Chancen auf eine genuine Verbesserung der Situation null", sagt Morita von der Deutschen Securities.

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