Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2002

18:42 Uhr

Firmenboss Michael Haentjes muss die Firmenzentrale in Hamburg versilbern

Edel Music gerät tiefer in Finanznot

VonGregory Lipinski

Die Entertainmentgruppe Edel Music kommt immer stärker in Bedrängnis. Die Banken machen Druck auf den Großaktionär Michael Haentjes. Er muss jetzt Privatvermögen einsetzen, um die Schuldenlast zu verringern.

HB HAMBURG. Michael Haentjes, Großaktionär von Edel Music, muss auf Druck der Banken einen Teil seines Privatvermögens veräußern, um das angeschlagene Musikunternehmen finanziell zu entlasten. "Die Größenordnung steht noch nicht endgültig fest und ist abhängig vom Jahresabschluss", erklärt Haentjes gegenüber dem Handelsblatt. Mit den Einnahmen, die einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag erreichen dürften, löst er Kredite von Edel Music bei den Finanzinstituten ab. Zu den Kreditgebern gehören unter anderem die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank.

Mit dem Verkauf will der 46-jährige Firmengründer und Vorstandsvorsitzende die Schuldenlast im Konzern von derzeit rund 125 Mill. ? verringern. Der Abbau der Verbindlichkeiten ist dringend notwendig: Der konzernunabhängigen Entertainmentgruppe droht im Rumpfgeschäftsjahr 2001 (30.9.) laut Haentjes "ein dreistelliger Millionen-DM-Verlust". Im Jahr 2000 lag der Fehlbetrag noch bei rund 24 Mill. DM. Haentjes hält rund 72 % des ehemaligen Neuer-Markt-Unternehmens, das inzwischen am Geregelten Markt notiert ist.

Ursache für die erhöhten Verluste sind unter anderem erneute Firmenwertberichtigungen auf Tochtergesellschaften. Sie führen dazu, dass sich der Abschreibungsbedarf von den ursprünglich geplanten 60 Mill. ? laut Haentjes auf voraussichtlich 100 Mill. ? erhöht hat. Der genaue Betrag steht nicht fest, da die Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr noch erstellt wird.

Edel Music war durch eine überhastete Wachstumspolitik im Ausland sowie durch Fehlbesetzungen im Management in eine finanzielle Schieflage geraten.

Zu den persönlichen finanziellen Opfern, die Haentjes jetzt erbringen muss, gehört der Verkauf der Firmenzentrale, die sich in seinem Privatbesitz befindet. In dem aufwendig gestalteten Glasbau am Hamburger Hafen arbeiten rund 180 der insgesamt mehr als 1 000 Beschäftigten der Gruppe. "Ich führe derzeit Gespräche mit einer Immobiliengesellschaft über den Verkauf", erklärt der Edel-Music- Chef.

Veräußerung der Konzerntöchter brachte nicht gewünschte Erlöse

Dass der Firmenboss inzwischen sein Privatvermögen einsetzen muss, liegt offenbar daran, dass die Veräußerung einzelner Konzerntöchter nicht die gewünschten Erlöse erzielt. Der Vorstand hat gestern den Verkauf der englischen Eagle bekannt gegeben. Als Reaktion darauf schoss der Aktienkurs von Edel Music gestern in der Spitze um rund ein Viertel nach oben, bleibt mit etwa 0,80 ? aber meilenweit von seinen Höchstständen um 90 ? aus dem Jahr 1999 entfernt.

Zuvor war bereits die New Yorker Tochter Red Distribution Inc. verkauft worden. Im vergangenen Jahr hatte Edel Music das Aktienpaket von 12,1 % am Musiksender Viva versilberte. In der nächsten Zeit soll der Musikverlag Play it again Sam veräußert werden.

Edel Music drückt zudem verstärkt auf die Kostenbremse. So soll die bislang in London zentral angesiedelte Sparte Artist & Repertoire, die sich auf die Akquisition neuer Interpreten konzentriert, nach Hamburg verlegt werden. In Großbritannien und Skandinavien sollen künftig nur noch kleine lokale Einheiten erhalten bleiben.

Ob Haentjes im laufenden Geschäftsjahr operativ die Ertragswende schafft, ist vor allem vom Absatz aktueller Produktionen abhängig. Am 17. Januar soll in Deutschland die bereits in den Großbritannien angelaufene Single von "Mis-Teeq" auf den Markt kommen. Die Soul-Gruppe eifert vor allem dem Erfolgs-Trio "Destiny?s Child" nach. Impulse erhofft sich Edel ferner durch das neue Album des Soul-Sängers Craig David. Es soll jedoch erst im Juni 2002 im Handel erscheinen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×