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22.01.2003

07:23 Uhr

Firmengründer Schmid überlegt, Treuhänder an Ausübung der Stimmrechte zu hindern

Rettung von Mobilcom steht erneut auf der Kippe

Die Zukunft der angeschlagenen Mobilcom AG, Büdelsdorf, steht erneut auf der Kippe. Die Banken wollen die Aktien von Gerhard Schmid, Firmengründer der Handy-Firma, zwar heute auf den Ex-RTL-Chef Helmut Thoma übertragen. Dies soll in einem Pflichtblatt der deutschen Börse bekannt gegeben werden, heißt es aus Kreisen von Mobilcom. Doch Schmid überlegt nach Informationen aus Firmenkreisen von Mobilcom, die Ausübung der Anteile durch den Medienmanager möglicherweise noch kurz vor der Hauptversammlung am kommenden Montag per einstweiliger Verfügung zu stoppen.

lip HAMBURG. Ein Sprecher von Schmid wies dies allerdings zurück. "Herr Schmid will, dass das Sanierungskonzept von der Hauptversammlung abgesegnet wird," ergänzt er. Thoma wollte sich hierzu auf Anfrage nicht äußern.

Sollte Schmid diesen juristischen Schachzug dennoch anwenden, könnte die Aktionärsversammlung in einem Desaster enden. In diesem Fall würde dem Vorstand von Mobilcom die notwendige Mehrheit fehlen, um die angestrebte Entschuldung der Büdelsdorfer Firma durch den Pariser Anteilseigner France Télécom von mehr als 7 Mrd. Euro zu erreichen.

Damit würde der Mobilcom AG endgültig die Insolvenz drohen und die Existenz der mehr als 3 000 Arbeitsplätze gefährden. Als Folge des Zusammenbruchs würde auch der Aktienkurs ins Bodenlose stürzen. Er gab gestern bereits leicht um 1,88 % auf 3,14 Euro nach.

Der Firmengründer versucht seit Wochen, die Treuhandschaft von Thoma mit allen Mitteln zu torpedieren. So hatte Schmid den Treuhandvertrag Ende vergangenen Jahres einseitig gekündigt, um den Hamburger Sanierungsexperten Otto Gellert als Ersatz für Thoma durchzudrücken.

Schmid ist offenbar verärgert darüber, dass der ehemalige RTL-Chef kurz vor Weihnachten einen Machtwechsel im Aufsichtsrat von Mobilcom blockiert hat. Damit hatte er verhindert, dass Schmid einen Vertrauten in den Vorstand von Mobilcom hieven konnte. Im Gespräch war hierfür der Freenet-Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr.

Unterdessen hat Gerhard Schmid sein Mandat als Aufsichtsratschef bei der Internettochter Freenet niedergelegt. Auf Beschluss des Amtsgerichts wurde Thoma zum neuen Mitglied gewählt.

Positive Zeichen erreichen Mobilcom offenbar aus Brüssel. Die EU-Kommission will die Staatshilfen von 50 Mill. Euro genehmigen. Unklar ist aber noch, ob auch die restliche Summe von 112 Mill. Euro als Beihilfe anerkannt wird.

Quelle: Handelsblatt

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